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Der Wald im Haushalte der Natur und des Menschen / von Rudolf Weber
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II. Die Rolle des Waldes im Kreisläufe des Wassers.

Immerhin bestätigen obige Zahlen die Thatsache, daß dieVegetation und insbesondere auch der Wald durch dieTranspiration sehr bedeutende Wassermengen dunst-förmig in die Atmosphäre abgeben und dadurch dieLuft feuchter machen.

Wenn schon die Waldbäume Wasser zu den wichtigstenLebensfunltionen in großen Quantitäten bedürfen und im Be-züge desselben fast ausschließlich auf die atmosphärischen Nieder-schlüge angewiesen sind, so macht dies doch nur einen Theil dergegenseitigen Beziehungen zwischen Wald und dem in ewigemKreislauf cirkulirenden Wasser aus. Zwar lehrt uns schon dasGefühl, wenn wir an einem heißen trockenen Sommertage unsan der schattigen Kühle des Waldes erfreuen, daß hier einefrischere, feuchtere Luft uns entgegenweht, und ein Blick aus diezahlreichen Wasseradern, die dem waldigen Terrain entquellen,zeigt in der That auch den Reichthum an fließendem Wasser,der im Schooße des Waldes sich sammelt; allein sichere Schlüsseauf die Bedeutung des Waldes bezüglich der Vermeh-rung der Regen- und Schneemenge sowie der Luft-und Boden-Feuchtigkeit lassen sich nicht auf solche gelegent-liche Wahrnehmungen gründen. Bei der Wichtigkeit dieser Frageist daher eine eingehende Würdigung der hier einwirkenden klima-tischen Faktoren unerläßlich:

Die atmosphärische Luft enthält stets und überall eine ihrerGröße nach außerordentlich wechselnde Menge unsichtbaren Wasser-gases d. h. Wasserdampf, welcher bei höherer Temperatur und,so lange er in geringerer Menge vorhanden ist, alle physikali-schen Eigenschaften eines gasförmigen Körpers zeigt. Da be-kanntlich verschiedenartige Gase keinen Druck aus einander aus-üben, so verbreitet sich der Wasserdampf (oder auchWasser-dunst") in der Luft so, als ob sie ein leerer Raum sei. Seinegasförmige Eigenschaft behält aber der Wasserdampf nur solange bei, bis er dasMaximum seiner Dichtigkeit" nicht erreichthat; letzteres ist aber vorhanden, sobald die Temperatur desDampfes bei gleichem Drucke nicht weiter erniedrigt oder auchseine Menge in einem bestimmten Raum bei gleichbleibenderTemperatur nicht durch weitere Zufuhr vermehrt werden kann,ohne daß ein Niederschlag von tropfbar flüssigem Wasser ent-