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H. Die Rolle des Waldes im Kreisläufe des Wassers.
Frühling
Sommer
Herbst
Winter
Jahresmittel
im Freien:
74,^ °/„80,bs 7»
71,92 Vo
81,2« 7«
82,„ 7°87.94 7°
84„9 7°89,«s 7o
78,4. 7°84,^ 7°
Differenz:
5„° 7°
9,23 O/o
kl 0 /
^,22 /«
5,-4 7o
6,90 7°
Große, geschlossene Waldungen machen daher die Lust einerGegend bedeutend feuchter und scheiden also aus den durchäquatoriale Windströmungen herbeigeführten Luftmassen viel leichterund ausgiebiger atmosphärische Niederschlüge aus, als großeFeldflächen oder baumlose Haiden und Steppen. Dieser Einflußist am größten im Sommer, also während der Vegetationszeit,und seine Größe steigt mit der Meereshöhe eines Ortes; im Ge-birge trägt deshalb der Wald noch mehr zur Condensation derWasserkünste bei, als in der Ebene des Tieflandes. Ausletzterem Grunde ist namentlich die Frische und der Wasserreich-thum des Gebirgswaldes erklärlich, wo auch im Hochsommerder Boden stets feucht und das bodenbedeckende Moospolster mitWasser vollgesaugt ist. Allerdings läßt sich zur Zeit die Größedes Einflusses, welchen der Wald an und für sich auf die Ver-mehrung der Regenmenge ausübt, noch nicht ziffernmäßig dar-stellen, weil der störende Einfluß der Verschiedenheit in geogra-phischer Lage und Meereshöhe solche Untersuchungen sehr erschwert,Obgleich daher bewiesen ist, daß die jährliche Regenmenge inden Waldgebirgen Deutschlands um 30 bis 50 °/g höher ist,als in den zunächst anstoßenden Ebenen, so läßt sich doch nichtausscheiden, wie viel davon auf Rechnung der Terrain-Erhebungund wie viel auf die Wirkung des Waldes trifft. Eine wichtigeFolge des großen Feuchtigkeitsgehaltes der Waldluft ist, daß diein windstillen Sommernächten aus den Waldungen über die um-gebenden Strecken Culturlandes sich verbreitenden feuchten Luft-strömungen die Thaubildung sehr begünstigen; durch diestärkere Wärmeausstrahlung des Feld- und Wieslandes kühltsich nämlich dort die Luft über der Vegetation stärker ab, alsim Walde und so wird durch plötzliches Sinken des Sättigungs-punktes eine Condensation von Wassertropfen auf den kälterenPflanzentheilen bewirkt, welche in wohlthätiger Weise den kraut-