II. Die Rolle des Waldes im Kreisläufe des Wassers.
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artigen Gewächsen eine länger anhaltende Trockniß ertragenhilft. Größere Waldungen verhindern daher eine übermäßigeDürre, indem sie das Wasser, welches sie selbst in ihrem Schooßezurückhielten, auch zu Gunsten ihrer Umgebungen in Form vonThauniederschlägeu spenden.
Die atmosphärischen Niederschlage verhalten sich, sobald sieauf den Erdboden gelangt sind, nicht immer gleich. Währendder Schnee oft monatelang, ja aus den Gletschern des Hoch-gebirges oft auf sehr große Zeiträume hinaus die Stelle be-hauptet, wo das nun verdichtete Wasser zuerst zur Ruhe kam,fließen die Gewässer der Regengüsse zum Theil oberflächlich ab,der Neigung des Terrains folgend, verdunsten zum Theil undder Rest dringt in das lockere Erdreich ein, wo er langsam demUntergründe zusickert, soweit nicht die Wurzeln der Gewächsedavon gespeist wurden. Das in die Tiefe dringende Wasserfolgt in der Richtung der Schwerkraft den Tausenden feinerCanäle und Poren des Erdreiches, bis zuletzt eine undurch-lassende Gesteins- oder Thonschicht seinem Weiterdringen ein Zielsetzt und die unzähligen feinen Wasserfäden zur sprudelndenQuelle sammelt.
Bei der unregelmäßigen Vertheilung der wässeriger Nieder-schlüge aus die ganze Zeit des Jahres, innerhalb dessen Periodender Dürre und Wasserarmuth mit plötzlichen Regengüssen oderlange anhaltenden Landregen abwechseln, ist es nun höchst wichtigfür die Vegetation, wie für den Wasserstand der Bäche undFlüsse, daß diese Gegensätze möglichst ausgeglichen werden, indemdas oberflächliche Abfließen möglichst verhindert wird,die Verdunstung nicht zu rasch stattfindet und somitfür das Eindringen in den Boden und die Quellen-speisung ein um so größerer Antheil der gesammtenRegen- und Schneemen'gen übrig bleibt. Die Naturscheint zur Erfüllung dieser wichtigen klimatischenAufgabe vor Allem den geschlossenen Wald bestimmtzu haben, wie nachfolgende Besprechung zeigt: Der fallendeRegen und Schnee gelangt keineswegs vollständig auf den Wakd-bodsn, sondern schon der Kronenschirm des Waldes fängt nachDr. Ebermayer's Beobachtungen durchschnittlich 26 davonauf, läßt einen Theil davon am Stamm abfließen, einen anderen