52
IV. Die wirtschaftliche Bedeutung des Waldes.
an das Klima ausgeprägt: Während in der Tiefe der Thälernoch Wein und Mais gedeiht, stufen sich die Getreidearten aufgeringe Höhendifferenzen ab und erreichen meistens ihre Grenzenda, wo der Wald beginnt; die Zone der Wälder aberragt hoch an den Gebirgen hinauf bis zur Region derAlpenkräuter und fast zur Vegetationsgrenze überhaupt. Ebensoist auch hinsichtlich der Neigung des Terrains der Waldbau nochda möglich, wo selbst keine Wiesenkultur mehr stattfinden kann,und auf steinigem oder felsigem Boden, der jede andere Culturverbietet, finden wir oft die schönsten Wälder. Nicht minderbedeutend ist der Unterschied zwischen den Ansprüchen an dieBodengüte, welche der Wald stellt, und zwischen jenen des land-wirthschaftlichen Betriebes: Durch die Fähigkeit der Holzgewächse,die aus dem Boden entnommenen Nährstoffe (Aschenbestandtheile)aus den abfallenden Blättern und Nadeln, sowie aus dem reifenKernholz entfernen und im nächsten Frühjahre in die jungen,fortwachfenden Theile überführen zu können, ist das Nährstoff-kapital im Forstbetriebe außerordentlich verringert gegenüber demalljährlichen Entzug von Aschenbestandtheilen durch die Land-wirthschaft. Dazu kommt noch die ungemeine Genügsamkeiteinzelner Holzarten, die bis an die äußerste Grenze, wo Ge-wächse überhaupt noch vegetiren, hinreicht, z. B. der Kiefer. InFolge dieser Umstände können daher durch den Wald nochProdukte erzielt werden, wo die Sterilität des Bodens der Land-wirthschaft längst eine Grenze gesetzt hat, und ver Bodenwerthdes forstwirthschaftlich benutzten Grundes ist dahermeistens viel niedriger, als jener der landwirthschaft-lichen Grundstücke.
Ein weiterer Charakter der Forstwirthschaft ist, daß sie nurgeringe Anforderungen an Arbeitskräfte stellt, während nämlichdie Manufaktur zum größten Theil, die Landwirthschaft wenigstensin ziemlichem Maaße ihre Güterquelle in menschlicher Arbeithat, kommt diese im Waldgewerbe erst in letzter Linie in Be-tracht. In stark bevölkerten Gegenden, wo es sich um die größt-mögliche Nutzbarmachung der Arbeitskräfte aller Bewohnerhandelt, ist diese Eigenschaft des Waldgewerbes eine Schatten-seite, weil es zu wenig Arbeitsgelegenheit verschafft. Andersdagegen verhält es sich in den wegen ihrer natürlichen Lage und