L. Die ProduktimlsvcrhLltmssc des Waldgcwcrbes.
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wegen Ungunst der klimatischen Verhältnisse für die Landwirth-schaft ohnehin schwach bevölkerten Gebirgsgegenden. Hier wäreoft jeder Produktionszweig, der viel Arbeitskraft erfordert, vonvornherein unmöglich und die Waldwirthschaft entspricht daherdort ebensowohl den natürlichen Wachsthumsfaktoren, als densocialen Zuständen, d. h. sie prodncirt unter solchen gegebenenVerhältnissen besser,- als jedes andere Gewerbe und ist oft dasallein mögliche. Aber nicht nur die Erziehung und Gewinnungder Waldprodukte erfordert eine verhältnismäßig geringe Arbeit,sondern es liegt auch in der Natur dieser Produkte, daß sie nurin seltenen Fällen einer weitgehenden Veredlung durch Arbeitfähig sind. Also bieten sie auch in dieser Hinsicht nur geringeGelegenheit zur Verwerthung menschlicher Arbeitskraft, da z. B.das Brennholz, Bauholz, die Kleinnutzhölzer stets als Rohpro-dukte zum Verbrauch kommen und selbst die Erzeugnisse desSägebetriebs, die Bretterwaaren, im Handel nach als Rohpro-dukte gelten. Größere Waldgebiete bieten daher das Bild einerextensiven Wirthschaft, welche aus großen Flächen verhältniß-mäßig wenig Menschen beschäftigt.
Was die dritte Güterquelle, das Capital, betrifft, so ver-steht man im Allgemeinen darunter die Grundlage jeder dauern-den und vertauschbauren Nutzung, welche selbst Tauschwerth be-sitzt. Die Produktionscapitalien sind derartige dauerndeGrundlagen einer Produktion, es gehören also unter diesen Be-griff ebenso gut Grund und Boden, Wirthschaftsgebäude, Ge-rüche, als die Betriebscapitalien in Geld. Während nun dieLandwirthschast außer dem Bodencapital nach ansehnliche Betriebs-capitalien in Form von Gerüchen, Wirthschaftsgebäuden, Bor-räthen, Vieh, Düngemitteln u. s. w. nöthig hat, bedarf dieForstwirthschaft von alle dem sehr wenig, dagegen erfordert siein dem Materialfond an stehendem Holze und in derProduktionskraft der viel größeren Flächen ein je nachder Betriebsart oft sehr bedeutendes Produktionscapital, dessenZinsen der jährliche Holzzuwachs bildet.*) Nach Hnndeshagen
*) Bekanntlich besteht das räumliche Wachsthum unserer Waldbäumein der Bildung eines jährlichen Längstriebes und einer sich zwischenRinde und Holzkörper auf der ganzen Oberfläche des Baumes anlegen-