68 IV- Die wirtschaftliche Bedeutung des Waldes.
natürlichen Gesetzen der Pflanzenernährung, die wir oben schonangedeutet haben. Zwar wird die Quelle der aus der Atmos-phäre stammenden Kohlensäure nach wie vor den Waldbäumenunverändert geboten, allein die ebenso unentbehrlichen Stoffe,deren Zufuhr aus dem Boden durch die Wurzeln erfolgt: Wasser,salpetersanre- und Ammoniaksalze, dann die mineralischen Nähr-stoffe können nicht mehr unter gleich günüigen Umständen auf-genommen werden wie früher, wenn die Bodendecke des Waldesso tief eingreifende Veränderungen erlitten hat.
Es ist bereits früher gezeigt worden, wie wichtig dieseBodendecke für die gleichmäßige Durchfeuchtung des Bodens, fürdie Zurückhaltung und Bindung der wässerigen Niederschlüge,endlich namentlich für Unterdrückung der Verdunstung des Boden-wassers ist. Den Wurzeln der Waldbäume ist also ein nach-haltiger Verrath an diesem wichtigen Nahrungsmittel „Wasser",welches zugleich die Transspiration und Saftbewegung vermittelt,gesichert. Entfernt man die Streu- und theilweise zugleich dieHumusdecke, so tritt bei jedem Regenguß ein starker oberflächlicherAbfluß des Wassers ein, der für den Baum gleichbedeutend mitVerlust ist; durch Verdunstung geht gleichfalls 2 bis 3 malmehr Bodenfeuchtigkeit verloren, als früher und die nothwendigeFolge bei längerem Ausbleiben des Regens ist Wassermangel,der alsbald auf sämmtliche Lebensvorgänge des Baumes vonstörendem Einfluß ist, Gipfeldürre und vorzeitiges Absterbenvieler schwächeren Stämme bewirkt. Die nun unausbleiblicheintretende allmählige Verlichtung des Bestandes gestattet demSonnenlicht Zutritt zu dem blosgelegten Humus, beschleunigtdessen Zersetzung (in Kohlensäure und Wasser) und macht dieBodenoberfläche fester. Solcher verhärteter Boden besitzt aber,wie die Erfahrung tausendfach zeigt, eine äußerst geringe Pro-duktivität, namentlich die Verjüngung stößt bei demselben auf diegrößten Schwierigkeiten; um nemlich den zarten Würzelchen daslockere Erdreich, dessen sie bedürfen, zu verschaffen, müssen kost-spielige Bodenbearbeitungen das zu ersetzen versuchen, was dieNatur in so einfacher Weise durch die verwesende Streudecke erreichthaben würde. Es läßt sich denken, daß Dürre und Wasser-mangel sich um so rascher bemerklich machen werden, je mehrhje geognostische Beschaffenheit, die Terraingestaltung und Expo-