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IV. Die wirtschaftliche Bedeutung des Waldes.
meinden und Privaten im großen Maaßstabe selbst auf denungünstigsten Standorten noch täglich statt. Es ist nemlich einfataler Zusammenhang von Ursache und Wirkung, daß geradeauf den schlechtesten Bodenarten die Landwirthschaft auch ammeisten auf den Bezug von Düngerstoffen von auswärts ange-wiesen ist und als bequemste Bezugsquelle dafür den Wald inAnspruch nimmt, obgleich dieser ohnehin nur die allerschlechtestenStandorte in solchen Gegenden einnimmt und selbst um seineExistenz kämpft. Die Folge dieser Verhältnisse sind dann aus-gedehnte Kiefernkrüppelbestände, deren Jahreszuwachs oft kaum1,gg Cubm. Holz pro Hektar beträgt, während derselbe Bodenin geschontem Zustande 3 bis 4 Cubm. produzirt hätte. SolcheZuwachsverluste schädigen aber das Nationalvermögen in tief-eingreifender Weise, indem dadurch ganze Quadratmeilen Landesnahezu ertragslos werden. So schätzt man beispielsweise inBayern den Schaden, der durch solchen Zuwachsentzwang in denKeupersandgegenden der Oberpfalz , Mittelfrankens und Ober-frankens thatsächlich stattfindet, auf jährlich ca. 3^ MillionenMark; 82338 Hektar Waldes sind auf ^/g ihres früherenZuwachses gesunken, 11471 Hektar verkrüppelt und 3216 Hektarwüst gelegen. Dazu kommt aber noch, daß die Qualität desHolzes in solchen Beständen ebenfalls viel niedriger im Werthesteht, als in wüchsigem Holze; Krüppelbestände liefern fast nurschlechtes Brennholz, von einer Nutzholzbeute ist in der Regelkeine Rede, daher verdoppelt sich der angerichtete Schaden. Fürdie bayerische Rheinpfalz berechnet z. B. E. Ney*) den jährlichenNettoverlust an Holzertrag durch die Streunutzung (also abzüg-lich des Werthes der Streu selbst) auf ca. 1^ Million Markd. h. auf über 1 Thaler pro Kopf der ganzen Bevölkerungdieser Provinz. In demselben Maaße, wie der Zuwachs ab-nimmt, sinkt aber auch die Streuproduktion selbst, weil dieBlattmenge und die Stammzahl sich vermindert. Solche Be-stände in ihrem verachteten Zustande verlieren den Charakter derWaldvegetation zuletzt ganz und sind deshalb auch nicht mehrim Stande, die Funktionen des Waldes in klimatischer
*) Ed. Ney, „Die natürliche Bestimmung des Waldes und dieStreunutzung", 1869. Dürckheim. G. Lang.