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Der Wald im Haushalte der Natur und des Menschen / von Rudolf Weber
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IV. Die wirthschaftliche Bedeutung des Waldes.

Eine ihrem Umfang, wie ihrem Geldertrag nach sehr be-deutende Nebennntzung bildet die Viehweide in den Wal-dungen, sowie die Gras- und Fntterlaubnutzung, welchesämmtlich die landwirthschaftliche Benutzung der Futterstoffe desWaldes zum Gegenstand haben. In einem geregelten Forst-haushalt dürfen dieselben niemals eine für die Holzproduktionschädliche Ausdehnung gewinnen, sondern es ist (einige abnormeFälle abgerechnet*) meistens Aufgabe des Forstwirthes, derartigeAnsprüche von Seite der Landwirthschaft auf das möglichst un-schädliche Maaß herabzudrücken.

Gleichwohl findet in vielen Gegenden, namentlich in denGebirgen, eine ausgedehnte Weidennutznng statt, welche in dendortigen landwirthschaftlichen Betriebsverhältnissen ihren Grundhat. Die Viehzucht bildet daselbst vorzugsweise den Gegenstandder Landwirthschaft und während einerseits der Stand des Horn-viehes ein sehr starker ist, werden anderseits nur verhältnißmäßigwenig Futtergewächse gebaut und auch die Gewinnung desHeues ist in den eigentlichen Hochgebirgslagen sehr erschwertoder zum Theil unmöglich. Aus diesem Grunde ist eine Stall-fütterung nur über Winters durchführbar, während den Sommerhindurch das Vieh beständig auf der Weide ist und sowohl dieWaldungen, als die höher gelegene Alpenregion in dieser Artausnützt.

Die regelmäßigen Waldbestände des Hügel- und Flachlandesbegünstigen dagegen den Weidegang des Viehs in viel geringeremGrad, weil in den geschlossenen Beständen wenig benutzbaresFutter aufkommt, und da zugleich in diesen Lagen der Ackerbauintensiver betrieben wird, somit der Düngerbedarf ein größererund der Anbau von Futtergewächsen verbreiteter ist, so drängtendiese Faktoren zusammen auf Stallfütterung hin, welche dennauch meistens an die Stelle der Waldweide getreten ist. Daherfindet man im Mittelgebirge und Flachland selten Hornvieh,dagegen häufiger Schafe und Schweine auf der Waldweide.Im Ganzen genommen, ist eine derartige Ausnütznng der auchim Walde gebotenen Futterstoffe, solange sie in den Schranken

st Z. B. die Grasnutzung in Kopsholzbeständen an Flußnfern.