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Die Bevölkerungsstatistik der schweizerischen Eidgenossenschaft und ihrer Kantone, unter steter Vergleichung mit den analogen Verhältnissen anderer Staaten : ein Beitrag zur Kenntniss der physischen und socialen Zustände der Schweiz / nach offiziellen Daten für Aerzte, Beamte, Geistliche u.s.w. bearbeitet von Dr. Wilhelm Gisi
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seihen bei den Ehelichen und Unehelichen, den Lebend- und Todt- und den in derSladt und auf dem Lande Gehörnen, sondern überhaupt die Ursachen, die einemännliche oder weibliche Geburt veranlassen, zu entdecken.

Mit mehr Sicherheit lässt sich schon der auffallend grosse Knabenüberschuss,der bei den Todtgebornen und wohl auch bei den Abortivgeburten stattfindet, er-klären, indem die männlichen Geburten insgemein, und zwar wegen der stärkernAusbildung des Kopfes, mühsamer, wie denn auch künstliche Entbindungen beiihnen häufiger sind, und indem, wenn eine männliche Geburt überhaupt vonSeite der Mutter mehr Kraft erfordert als eine weibliche, diese grössere Kraft auchwährend der Schwangerschaft erforderlich ist, so dass, wenn sie fehlt, schon mehrmännliche als weibliche Kinder im Mutterleibe sterben müssen. 34 Jedenfalls aberist auch hier aus dem schon oben angegebenen Grunde die teleologische Erklärungabzuweisen, welche die grosse Frequenz männlicher Todtgeborner mit der grossemKnabenfrequenz in Parallele setzt und meint, die Natur habe besondere Anstaltenzur Erzielung einer Ueberzahl männlicher Conceptionen deshalb getroffen, damitdie grössere Lebensgefährlichkeit der männlichen Geburten ausgeglichen werde.

Weitere Untersuchungen, wie diejenigen über die Ursachen des auffallendgrossen, aber wie es scheint in neuerer Zeit sich sehr verringernden Knaben-überschusses bei den Juden (in Preussen 1820/34 110 : 100; bei den Christen nur106 : 100, in Oesterreich sogar 1851 121,09 : 100 gegen 105,96 : 100}, ohneZweifel wegen der notorisch grossem Sittlichkeit, also auch grossem physischenKraft der jüdischen Männer, und über den, trotz Allem, was auch dagegen vonBernoulli 25 und Wappäus 26 gesagt worden ist, nach den Angaben von Reisenden,wie Jomard, Niebuhr, Förster und Bruce sehr wahrscheinlichen und noch neuerlichvon einem mit den türkischen Zuständen so vertrauten Statistiker, wie Göhlert, 27behaupteten Mädchenüberschuss bei den Orientalen (wegen der durch die Polygamieveranlassten Schwäche und Enlnervung der orientalischen Männer) 28 können nichtin den Bereich unserer Abhandlung fällen, die sich zunächst nur die Darstellungder Bevölkerungsverhältnisse der Schweiz, und erst daran anknüpfend, auch die-jenige der Bevölkerungsgesetze im Allgemeinen zum Vorwurf genommen.

8. Mit dem Knabenüberschuss bei den Geburten hängt natürlich auch der-jenige bei den Kindern unter fünf Jahren zusammen, der sonst in allen Staaten,in der Schweiz jedoch nicht und auch in der Mehrzahl der Kantone nicht vor-kommt, in dem Maasse zwar, dass in der Schweiz auffallender Weise schon imersten und dann in allen folgenden bis und mit dem 12. Altersjahre ein Mädchen-überschuss vorhanden ist, von wo an erst ein Männerüberschuss fast von Jahr zuJahr mit einem Frauenüberschuss bis zu 25 Jahren alternirt, was sich aus der vielgrossem Sterblichkeit der Knaben in und unmittelbar nach der Geburt erklärt. ImKanton Zürich starben 1840 — 46, 1849 und 1851 im 1. Lebensjahre: 9266 männ-

24 Bernoulli S.119. Quetelet a.a. O. 131. — 25 Bernoulli S. 152. — 36 Wappäus II 202.Nach Wappäus Untersuchungen war, ausser in Venezuela, die Geschlechtsproportion in an-dern Welttheilen bei einer freien und Sclaven-, weissen, gemischten und farbigen Bevöl-kerung nicht wesentlich verschieden. S. 160. — 27 Die Bevölkerung der europäischen Türkei.In Mittheil, der K. K. Geogr. Gesellschaft. 9. Jahrgang 1865, S. 73. — 28 Vergl. hierüberbesonders Horns interessanten 21. Brief (S. 297 — 320).