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30. z. B. 29'/ 2 Jahre angenommen, und durch Berechnung des Durchschnittsaltersauf jeden Einzelnen, nach dem Verfahren des Dr. Price, durch Ermittelung derhalben Summe der Geburts- und der Sterbezilfer. Nach jener haben wir 39 , 07 ,nach dieser 43,u Jahre (in beiden Fällen ohne Einschluss der Todtgebornen) ge-funden, immerhin ein nicht unbedeutender Unterschied, der aber doch absolut dieletztere Methode, weil wenigstens approximativ, als anwendbar und sie relativ zurVergleichung verschiedener Länder sogar als sehr zweckmässig erscheinen lässt.Wir haben daher nach ihr das Durchschnittsalter der Gestorbenen berechnet, undverweisen auf die bezügliche Tabelle im Kapitel X 4.
Immerhin aber wohnt diesem Durchschnittsalter der Gestorbenen der ihm vonVielen zugeschriebene Werth für Erkenntniss der socialen Zustände eines Landesund zur Vergleichung verschiedener Länder und Zeiten nicht bei, da es zu sehrvon dem Sinken oder Steigen der Geburtsziffer und der dadurch erhöhten oderreducirten Zahl der im ersten Lebensjahre Verstorbenen, welche einen sehr be-deutenden Theil aller Gestorbenen ausmachen, afficirt wird, und weil gerade dieunglücklichsten, z. B. Kriegs- oder epidemische Jahre durch ein grosses durch-schnittliches Alter der Gestorbenen ausgezeichnet sein müssen. So lässt sich dennauch aus dem unwiderleglich nachgewiesenen Rückgang des Durchschnittsalters derGestorbenen in neuerer Zeit nicht gleichzeitig auf einen socialen Rückschritt schliessen,da wohl der Fortschritt der ärztlichen Kunst dasselbe steigern sollte, aber trotz derAbnahme jenes Alters und selbst auch des Durchschnittsalters der Lebenden ohneZweifel der materielle Wohlstand eine Zunahme erfahren kann, indem es nicht blossdie Productivkräfte allein sind, welche den Fortschritt einer Nation bedingen.
2. Wichtiger als dieses durchschnittliche Alter bloss der Gestorbenen ist dievon ihm zu unterscheidende mittlere Lebensdauer, d. h. die Anzahl der Jahre,welche der Mensch von einem gewissen Alter an im Durchschnitt noch zu lebenAussicht hat (vie moyenne, expeclation of life, after-life-time). Sie wird gefunden,wenn man eine gewisse Zahl, z. B. 1000 in einem bestimmten Jahre oder in einembestimmten Zeitraum, überhaupt gleichzeitig Geborner bis zum Tode Aller verfolgtund die Summe der zusammen verlebten Jahre durch die Zahl der Individuendividirt, mit einem Worte, wenn man die Absterbeordnung einer Bevölkerungkennt. Diese Kenntniss ist besonders wichtig für die zahlreichen, auf menschlicheSterblichkeit gegründeten Anstalten zur Abschliessung von Verträgen über Todes-versicherung, seien es einfache oder verbundene, mit abgekürzter Prämienzahlung,mit Altersklassen oder auf eine bestimmte Zahl von Jahren, über einfache oderverbundene Leibrenten, Altersrenten, Wittwenpensionen, Lebensversicherungenu. s. w., welche nur dann wahrhaft wohlthätig sind, wenn ihre Tarife auf völligsichern Grundlagen ruhen und dabei doch den Theilnehmern die möglichst grösstenVortheile gewähren. Beides ist aber nur dann der Fall, wenn die Verpflichtungenbeider Contrahenten, die Prämien sowohl als die Versicherungssumme, richtig, d. h.auf Grundlage zuverlässiger Sterblichkeitstafeln bestimmt sind. 2
2 Benutzte Hilfsmittel: Wappäus a. a. O. II 18. Bernoulli 391 ff. Bleibtreu, Polit. Arith-metik. Heidelberg 1845. S. 231. Hopf, im Anhang zu Kolbs Statistik. 4. A. S. 479. Quetelet,Heuschling und Horn im Journal des economistes 1854- Bde. 3. u. 4. Hildebrand a. a. 0. S. 622.