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Die Bevölkerungsstatistik der schweizerischen Eidgenossenschaft und ihrer Kantone, unter steter Vergleichung mit den analogen Verhältnissen anderer Staaten : ein Beitrag zur Kenntniss der physischen und socialen Zustände der Schweiz / nach offiziellen Daten für Aerzte, Beamte, Geistliche u.s.w. bearbeitet von Dr. Wilhelm Gisi
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1841/5: 123,31

1846/50: 128,201851/60: 126,_

in Frankreich 33 1 801/5 : 137,t 1821/5: 129,6

1806/10: 127,4 1826/30: 126,5

1811/15: 117,2 1831/35: 127,5

1816/20: 137,7 1836/40: 124,12-

Auffallend gross sind die Schwankungen der Heirathsfrequenz in den einzelnenJahren und zwar grösser als diejenigen aller übrigen bevölkerungsstatistischenElemente, weil sie, wie wir später im Zusammenhänge mit der Geburts- und derSterblichkeitsziffer nachweisen werden, ganz durch den Ausfall der Ernte vomvorigen Jahre und durch die Aussichten für’s kommende Jahr, sowie durch dieökonomischen Zustände überhaupt bedingt sind, wozu noch die Verschiedenheit derSterblichkeit kommt, da, wie wir schon oben ausgeführt, bei einer grossem Mor-talität zugleich eine grössere Frequenz der Trauungen sich ergibt und umgekehrt.Doch wollen wir nicht unterlassen, schon hier auf einzelne dieser Schwankungenhinzuweisen, da ohne Zweifel deren Höhe kein günstiges Symptom ist, indem wobei der Masse des Volkes solider Sinn und Wohlstand herrscht, beim Eintritt vonTheurung und der damit verbundenen Nothstände lange nicht so viele Heirathenaufgeschoben oder aufgehoben werden, als da wo eben nur ausreichende Mittel zurBegründung eines Hausstandes für gewöhnliche Zeiten vorhanden sind. Das grössteSinken der Heirathsziffer unter den fünfzehnjährigen Durchschnittsstand fand statt: 34

in der Schweizin Zürichin Bernin Glarusin Freiburg

18561856:1855 :1854 :1854:

33,65

28,79

37,99

28,36

58,21

in St. Gallenin Thurgauin Waadtin Neuenburg

1855:1855 :1854 :1853 :1863 :

27,73

28,42

19,71

13,16

13,15

wobei wohl zunächst das Zusammentreffen der Extreme in allen schweizerischenKantonen in den drei Nothjahren 1853 — 55, deren Nachwirkungen selbst 1856noch fühlbar waren, dann die auffallend grosse Schwankung in Freiburg und dieauffallend kleine in Neuenburg, was keinem Kundigen auffällig scheinen wird,interessant sind, während das zweite Extrem in Neuenburg 1863 wohl durch dieUhrenkrisis infolge des amerikanischen Krieges veranlasst war.

5. Wenn nun so zwar in der nach Raum und Zeit verschiedenen Höhe derHeirathsfrequenz sich sehr interessante sociale Erscheinungen manifestiren, so würdeman doch aus den schon früher angegebenen Gründen sehr sich irren, in ihr über-haupt einen ganz zuverlässigen Maassstab für das Maass sittlicher und materiellerCultur verschiedener Bevölkerungen erblicken zu wollen. Auch waren die An-schauungen der Theoretiker und Praktiker, der Religionslehrer und der Gesetzgeberüber den Werth einer hohen Heirathsfrequenz, wie wir schon bei unserer Parallelezwischen Süssmilch und Malthus gesehen, nicht stets einig. Bei jedem mittelalter-lichen Volke herrscht ein so mächtiger Familiensinn, dass es den Männern alsheilige Pflicht erscheint, ihre Familie nicht aussterben zu lassen, im Falle physischerUnmöglichkeit durch juristische Surrogate, Adoption etc. Dasselbe ist auch der Fallin den meisten Volksreligionen und bei den politischen Gesetzgebern, daher jeneVerachtung der Hagestolzen und unfruchtbaren Weiber, welche die Volkssitten fast

33 Bernoulli S. 169. Kolb S, 55. — 34 S. unten Kap. 10 <$. 10.