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gewinnenden Verkehr handelt, ſondern nur darum, daſſ die ſchon vor-handenen Reiſenden Gebrauch machen von einer ihnen jetzt zu teurenEinrichtung.
Süddeutſchland, in Sonderheit das Muſtereiſenbahnland Bayern verdient den Preis für den gelungenſten Abſchreckungstarif für Gepäck-fracht. In Süddeutſchland koſtet der Transport eines größeren Koffersbedeutend mehr als der eines Reiſenden! Ein dem Durchſchnitts-gewicht eines Menſchen mit Handgepäck entſprechender Koffer von75 k koſtet in Süddeutſchland auf 500 km 22,„3) M.; ein Menſchmit einem Retourbillet III. Klaſſe nur 13,25 M.!
Die Folgen dieſes idealen Zuſtandes ſind für Bayern dieſe. DieTragfähigkeit der Gepäckwagen, deren durchſchnittliche Ausnutzung fürganz Deutſchland doch noch 2% beträgt, iſt in Bayern nur mit 1%ausgenutzt worden, und die ganze Einnahmen der bayriſchen Gepäckwagenbeträgt: pro Stück und Tag ungefähr 5 ½ M.! Das Gehalt des einenden Wagen begleitenden Packmeiſters allein wird mindeſtens ſoviel aus-machen. Auf das gefahrene Tonnen⸗Kilometer aber kommt an„Ein-nahme“: ½ Pfg.! D. h. mit anderen Worten: die bayriſche Eiſen-bahnverwaltung verlangt für 10 k pro Kilometer ½ Pfg.(und darüber);der durch ſolche Forderungen verſcheuchte Verkehr bringt ihr aber nurfür 1000 k den gewünſchten halben Pfennig, und— die Wagenfahren zu 99/100 leer! Jetzt endlich, faſt 3 Jahre nachdem ich denbayriſchen„Fachleuten“ dieſes reizende Exempel vorgerechnet, verlautetetwas von einer„Reform“ der Gepäckfracht in Bayern .
Nicht einmal den einfachſten aller Grundſätze der Beförderungs-lehre beherzigen die Eiſenbahnverwaltungen: daſſ die Preiſe auf derEiſenbahn die Verſuche, eine andere Beförderungsweiſe vorzuziehen, imKeime zu erſticken haben. Dank dem Entfernungstarif ſteht es heutein Deutſchland ſo, daß es ſich unter Umſtänden ſehr wohl wirtſchaftlichlohnt, der Eiſenbahn Konkurrenz zu machen, ſei es durch Pferdebahnen,ſei es durch einfaches Fuhrwerk, ja ſogar durch die Fußreiſe. DieHerren Eiſenbahndirektoren in ihren nie bezahlten Coupés I. Klaſſewiſſen natürlich nichts von der ungeheuren Zahl armer Teufel, die fürkurze Entfernungen die Fußwanderung der Eiſenbahn vorzuziehen ge-zwungen werden, nicht etwa aus beſonderer Vorliebe für Fußſport,ſondern ganz einfach, weil die Zeiterſparnis durch die Eiſenbahn ingar keinem Verhältnis ſteht zu dem dafür verlangten Geldaufwand, derhöher iſt als der entſprechende Teil des Tagesverdienſtes. Da gibt esz. B. eine„Klingelbahn“ von Ludwigsluſt nach Parchim (vgl. Reichs-Kursbuch S. 13c). Sie iſt billig genug zu erbauen geweſen(nur eirca40 000 M. für das km), aber ſie hat mit den teuerſten Perſonen-tarif, ungefähr 5 Pfg. pro km III. Klaſſe, und ihr Gepäcktarif iſtdoppelt ſo teuer wie der preußiſche! Die IV. Klaſſe führt ſie überhauptnicht. Dafür fährt ſie aber auch mit einer exemplariſchen Langſamkeit:die Strecke von Ludwigsluſt nach Parchim , 26 km, in 47 bis 67