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wirklich die„Enterbten“. Am rückſichtsloſeſten äußert ſich dieſeHaltung gegenüber den ärmſten Klaſſen bei den königlich ſächſiſchenStaatsbahnen. Meines Wiſſens iſt dies die einzige Verwaltung, inderen„Reglement“ eine Beſtimmung wie die folgende ſteht: BilletsIV. Klaſſe werden Sonn⸗ und Feſttags nicht ausgegeben!Glaubt man, daſſ eine ſolche Beſtimmung ganz ohne Einfluſſ auf dasAnwachſen der Sozialdemokratie im Königreich Sachſen geblieben iſt?!Eine Reichseiſenbahnverwaltung würde natürlich eine ſolche Be-ſtimmung weder für das Reich noch für einen ſeiner Teile dulden.
Nach allem bisher Ausgeführten brauchte ich eigentlich kaum zuerörtern, daſſ das Reiſen jetzt teuer, zu teuer iſt. Jeder Leſer weißohne alles Zahlenmaterial aus ſeiner eigenen Erfahrung, wie ſchwerihm die Bezahlung einer Reiſe fällt, wenn er nicht zu den vielleicht10 000 ganz Reichen gehört. Er braucht ſich nur aufrichtig die einfacheFrage zu beantworten: wie viele nützliche Reiſen würdeſt du in deinemLeben mehr gemacht haben, wenn ein ganz billiger Tarif beſtände?—wie viele nützliche Reiſen haſt du nachweislich unterlaſſen wegen deszu teuren Tarifs?— dann wird er begreifen, warum der Zinsertragſo kläglich, warum die Ausnutzung der Plätze ſo lächerlich gering iſt.
Man kann an der Hand der Fahrpreiſe ja ganz genau denNachweis führen, welche Arten von Reiſen unbedingt bei demjetzigen Tarif unterbleiben müſſen. Welche Familienreiſen, welcheVergnügungsreiſen gemacht werden, das hängt von Umſtänden ab, aufwelche der Tarif zwar außerordentlich ſtark, aber nicht ausſchließlichbeſtimmend einwirkt. Dagegen auf die Zahl der Geſchäftsreiſenwirkt faſt ausſchließlich der Fahrpreis ein. Den Zeitaufwand bringeich hierbei nicht in Anſchlag,— obgleich ich ihn nicht unterſchätze—,weil er allen Reiſen gleichmäßig gemeinſchaftlich iſt. Danach läſſt ſichals Grundſatz aufſtellen: jede Geſchäftsreiſe, ſo notwendigſie auch ſein mag, muſſ unterbleiben, wenn nicht außerdem Zeitaufwand der Billetpreis und die ſonſtigen Speſenzedeckt werden und noch ein angemeſſener Geſchäftsge-winn übrig bleibt. Es müſſen ſämmtliche Geſchäftsreiſen z. B.zwiſchen Berlin und Danzig unterbleiben, welche nicht allermindeſtens27 M.(Preis eines Retourbillets III. Klaſſe) einbringen. Man kannaber dreiſt dieſe Grenze auf 54— 80 M. ſetzen. Denn der Zeitver-luſt beträgt 47 Stunden, die Speſen doch wohl auch 10— 20 M., und eswird niemand 36 M. bares Geld und einen ganzen Tag(oder zweiNächte!) opfern, wenn er nicht mindeſtens 16 M. ſicher oder 32 M.vermutlich verdient. Folglich ſind alle Geſchäftsreiſen zwiſchen Berlin und Danzig zur Abwickelung kleiner Geſchäfte jetzt durch den Tarifvöllig ausgeſchloſſen. Die Zahl der kleinen Geſchäfte iſt aber natur-