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im Großen und Ganzen ja eigentlich auf allen Bahnen dieſelbenſind, während doch die Selbſtkoſten außerordentlich verſchieden ſind!Ein Tarif, der ſich auf den wirklichen Selbſtkoſten aufbaute, ſelbſtwenn es gelänge ſie jemals rechnungsmäßig zu ermitteln, müſſte einennoch viel verwickelteren Weichſelzopf darſtellen, als den uns bekanntenjetzigen. Außerdem würden die Selbſtkoſten auch ſehr verſchieden ſeinfür einzelne Strecken auf derſelben Linie. Ginge es alſo ſtrenge nachder Selbſtkoſten⸗Utopie, ſo müſſte faſt jedes Kilometer einer und der-ſelben Linie verſchieden tarifirt werden. Das iſt denn doch ſogar denauf die Buntſcheckigkeit der Tarife wie toll verſeſſenen deutſchen Eiſen-bahnleuten zu arg vorgekommen, und ſie haben in der Not nach einerArt von Einheitstarif gegriffen, indem ſie nämlich wenigſtens jedeseinzelne Kilometer derſelben Verwaltung gleichmäßig tarifirten. Gott lohne es ihnen!
„Selbſtkoſten“ ſind ein Kautſchukbegriff. Es gibt abſolute Selbſt-koſten und relative Selbſtkoſten. Die Selbſtkoſten einer Verwaltung,wie die der Eiſenbahnen, können für unſern Zweck doch nur ſo be-rechnet werden, daſſ man ſich fragt: In welchem Verhältnisſtehen die Selbſtkoſten zu den Einnahmen? Die Selbſtkoſteneines vollbeſetzten Zuges ſind verhältnismäßig niedrig, die Selbſtkoſteneines leeren Zuges hoch. Das Wort„Selbſtkoſten für die Beförderungdes einzelnen Reiſenden“ hat überhaupt keinen vernünftigen Sinn.Wer von dergleichen ſpricht, beſitzt nicht die elementarſte Vorſtellungvom Weſen des Eiſenbahnverkehrs. Wo in aller Welt dient denndie Eiſenbahn zur Beförderung des„einzelnen Reiſenden“, es ſei dennbei einem Extrazug? Fahren denn die einzelnen Reiſenden jeder ineinem Extrazug?!
In dem Kapitel„Die Selbſtkoſten“ wird dieſe Betrachtung fort-geſetzt und vertieft werden. Hier genügt es zu ſagen: da die Eiſen-bahn eine Anſtalt iſt zum Transport von Maſſen, und da eineVermehrung dieſer Maſſenbeförderung bis zu gewiſſen Grenzen mög-lich iſt ohne Vermehrung der Betriebskoſten, was man in Ungarn und Oſterreich jetzt praktiſch bewieſen hat, ſo iſt jeder Verſuch, die„Selbſtkoſten für den einzelnen Reiſenden“ zu berechnen, der ein Teileines Maſſentransports iſt, ähnlich dem ſchon einmal zum Vergleichangezogenen Verſuch des Zählens eines Sackes voll Flöhe.
Die unbekannten„Selbſtkoſten“ ſind aber um ſo weniger alsGrundlage für die Tarifirung zu benutzen, als ſie nicht mit derZahl der von dem einzelnen Reiſenden zurückgelegtenKilometer wachſen. Sie wachſen nicht einmal beim Extrazug imgeraden Verhältnis zur Zugkilometerzahl. Ein Extrazug, der 500 kmfährt, verurſacht nicht 5mal ſoviel Selbſtkoſten wie ein Extrazug, dernur 100 km fährt. Bei einem fahrplanmäßigen Zuge aber, inwelchem ein„einzelner Reiſender“ ſitzt nebſt hundert andern Reiſenden,iſt von irgend einem nachweisbaren Verhältnis zwiſchen Selbſtkoſten