9. Kapitel.Reformen im Betrieb.
Das Eiſenbahnreiſen bedarf, abgeſehen vom Tarif, einer vollſtän-digen Reform, die ſich bis auf die kleinſten Kleinigkeiten zu erſtreckenhat. Eine gründliche Reform muſſ ihr Hauptaugenmerk darauf lenken:das Reiſen ſoll nach Kräften der Übelſtände entkleidet werden, welcheUnruhe, Aufregung, Angſt in dem Reiſenden erzeugen. Es iſt mehrals genug, daſſ man durch das Schütteln des Wagens, das Stäubenvon außen, durch Schlafloſigkeit beläſtigt wird. Die Verwaltung brauchtnicht zu dieſen natürlichen und faſt unvermeidlichen Begleitern jederReiſe noch durch zweckwidrige Einrichtungen neue Beläſtigungen hin-zuzufügen.
Gegenwärtig herrſcht ein wahres Tohu⸗Wabohu in den Betriebs-einrichtungen, in dem ſich niemand leicht zurecht finden kann. DasEiſenbahnfieber hat ſeinen Hauptgrund in der nicht zu überwältigendenMannigfaltigkeit der Tarife, Betriebsbeſtimmungen und Einrichtungen;das Hauptmittel dagegen heißt: Einfachheit und Regelmäßigkeit, undinfolge deſſen Lärmloſigkeit!
Die Reform muſſ beginnen bei den Bahnhöfen. Ob man ſiegotiſch, byzantiſch, mauriſch, romaniſch oder wie ſonſt immer bauenwill, iſt mir gleichgiltig. Zu verlangen ſind nur zwei Dinge: erſtens,daſſ keine nutzloſe Verſchwendung getrieben werde, denn in höchſtens20 Jahren wird jeder Bahnhof doch unbrauchbar und muſſ umgebautwerden; zweitens muſſ die Anordnung der Räume auf allen Bahn-höfen desſelben Landes nach einer ganz feſten Schablone erfolgen.Geſchieht dies nicht, ſo iſt es dem flüchtig durchreiſenden Paſſagierunmöglich, ſich ohne umſtändliches Fragen über die einfachſten Dingezu unterrichten. Die örtlichen Verhältniſſe mögen noch ſo mannigfachſein,— dennoch läßt ſich eine vollſtändige Einheitlichkeit in der An-ordnung der wichtigſten Räume jedes Bahnhofs erzielen. DerBilletſchalter muſſ an einer beſtimmten Seite von der Eingangstürgelegen ſein. Der Gepäckraum muſſ ſich in möglichſter Nähe desBilletſchalters befinden und immer an derſelben Seite vom Billet-ſchalter aus. Der Aufbewahrungsraum für Handgepäck muſſ möglichſtdicht neben dem Gepäckraum liegen und immer in derſelben Lage zuihm. Die Bedürfnisanſtalten müſſen vom Bahnſteig aus für die auseinem Zuge ſteigenden Reiſenden immer nach derſelben Richtung liegen.Sie dürfen nicht ſo weit entfernt ſein, daſſ die Reiſenden mehrereMinuten weit zu laufen haben. Die Bedürfnisanſtalten für Frauenmüſſen näher liegen, als die für Männer. Die Aufſchriften:„FürMänner“,„Für Frauen“ müſſen mit ellenlangen Buchſtaben und in