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Und daſſ durch Sanftmut gegen die falſchen„Fachmänner“ nichtdas Mindeſte auszurichten, iſt jetzt durch mehr als ein Menſchenalterfruchtloſer Reformbeſtrebungen bewieſen. Galt, Brandon, auch Perrotund Hertzka waren verhältnismäßig ſanftmütig und behandelten die„Fachmänner“ ſo, als ſeien die durch Gründe der Logik, Mathematik,Nationalökonomie u. dgl. zu überzeugen. Sie vergaßen, daſſ ſie ſichgegenüber die Vertreter einer Mon opolanſtalt hatten und daſſ esgegen dieſe nur eine wirkſame Waffe gäbe: die Gewalt, denn nurGewalt kann Gewalt beſiegen, die größere die kleinere, und die größereGewalt liegt auf die Länge beim Publikum. Die„Fachmänner“ zuüberzeugen, muſſ man aufgeben; das wohlunterrichtete Publikummuſſ ſie, natürlich in allen geſetzlichen Formen, zwingen. Der Er-folg hat bewieſen, daſſ meine Vorgänger die falſche Waffe, ich dierichtige benutzt hatte. Den Vorwurf der„Rückſichtsloſigkeit“ will ichgern auf mich nehmen, wenn ich nur weiß, daſſ ich einzig dadurchſiegen konnte. Ich tröſte mich mit den Verſen eines unſerer größtenDichter:„Feinſte Blüte des Gemütes— Iſt die Rückſicht; doch zuZeiten— Sind erquickend wie Gewitter— Goldne Rückſichtsloſig-keiten.“
Es wäre auch ungerecht, wollte man nach allen Erfahrungender Geſchichte eine gründliche Reform von den„Fachmännern“ er-warten. Ein berühmter Ausſpruch lehrt:„Man muſſ von Inſtitutionennicht verlangen, daſſ ſie begreifen, was ſier reformiren ſoll.“ Sowar es und ſo wird es ſein. Läſſt man denn, wenn z. B. einSumpf ausgetrocknet werden ſoll, etwa die Fröſche darüber abſtimmen?Und doch ſind die in Sumpffragen die erfahrenſten„Fachleute“. Sohaben auch, wenn ein Schlendrian ausgerottet werden ſoll, die Schlen-drianiker fein ſtill zu ſchweigen.
In den Kreiſen der maßgebenden Fachleute iſt auch nicht die ge-ringſte wahre Neigung vorhanden, die Perſonentarife gründlich zureformiren. Nicht einmal die lächerlichſten Ungeheuerlichkeiten undTarifkurioſa, die Tag um Tag von den Zeitungen, auch von den ganzgemäßigten, den Verwaltungen vorgehalten werden, ſind bis jetzt ab-geſtellt worden. Von ſchriftlichen Beſchwerden vollends erwartet dasPublikum längſt nichts mehr; es bezeichnet die Antworten ſprichwört-lich als„Schema F.“
Lange haben Publikum und Reformſchriftſteller geglaubt, einemit guten Gründen vor der weiteſten Oeffentlichkeit unterſtützte For-derung müſſe doch ſchließlich irgend eine Reform, wenn auch die be-ſcheidenſte, zu Wege bringen helfen. Auch dieſe Hoffnung hat getäuſcht.Es muſſ ausgeſprochen werden, was jedermann in den Erörterungenüber dieſe Frage ohnehin täglich hören kann: die Reform der Perſonen-tarife in Deutſchland iſt überhaupt keine ſachliche Frage, ſondern einePerſonenfrage.
5).—„Der Zonentarif iſt ja aber höchſt ungerecht: er ver-
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