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Das preussische Eisenbahnnetz : mit besonderer Beziehung auf die östlichen Provinzen / vom Amtsrath Livonius und Oeconomiecommissarius Mertens
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Wolle» wir des für jetzt zwar »»wahrscheinliche», aber dochsicherlich nicht unmögliche», und deshalb nicht außer Acht zu las-senden Falles eines Krieges mit unseren nordöstlichen Nachbarn ge-denken, so muß dem Laien einleuchten, daß eine Bahn mitten durchdas Land, wo mehrere Tagemärsche dazu gehören, sie vom feindli-chen Gebiete aus zu erreichen, mehr gegen den Feind geschützt ist,als eine solche, welche nur wenige Meilen von der feindlichen Grenzeentfernt, in höchstens einem halben Tage-Marsch vom Feinde be-setzt und zerstört werden kann. Das Großherzogthum Posen wird,da es eine Eisenbahn von Frankfurt nach Posen, und eine Zweig-bahn von Pommersch-Stargard nach Posen in Verbindung nachder Schlesischen Bahn erhalten soll, schon bedeutend gegen die äl-teren Provinzen Preußen und Pommern begünstigt; es würde aber,sollte die große östliche Bahn von Landsberg wirklich die Netze ent-lang über Bromberg geführt werden, dieselbe zum größten Theildurch das Großherzogthum Posen gehen, und diese Provinz dannoffenbar auf Kosten der alten Provinzen unverhältnismäßig bevor-zugt werden. Würde dagegen die von uns vertretene, von derganzen Provinz Preußen gewünschte und dringend erbetene Richtungbefolgt, und dann von Küstrin nach Frankfurt eine etwa drei Meilenlange Zweigbahn erbaut welche man mit sicherem Erfolge derPrivatindustrie überlassen könnte so wäre eine direkte Verbin-dung aller östlichen Provinzen, ein wirkliches und nicht blos nomi-nelles Preußisches Eisenbahn-Netz geschaffen, welches alle vermeint-lichen Vortheile der früher vorgeschlagenen drei Linien ohne ihreNachtheile in sich vereinigen und den gerechten Anforderungen derProvinz Preußen und Hinter-Pommerus, auf die es hier doch zu-nächst ankommt, vollständig entsprechen würde. Es würde dadurchzugleich der einzige und wichtigste Meßort des Preußischen Staa-tes, Frankfurt a. O., einer höheren Entwicklung zugeführt, und ge-gen alle politische, selbst für den Zollverein nicht für alle Zukunftausgeschlossene Eventualitäten sicher gestellt.

Möge es deshalb der Gnade Sr. Majestät unseres gerechtenund erhabenen Königs gefallen, auch die von uns vorgeschlagenegerade Bahnlinie von Landsberg auf Dirschau noch veranschlagenund aufnehmen zu lassen, damit durch Zahlen nachgewiesen werde,daß auch hier, wie überall, der gerade Weg der bestesei. L.s.