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Das preussische Eisenbahnnetz : mit besonderer Beziehung auf die östlichen Provinzen / vom Amtsrath Livonius und Oeconomiecommissarius Mertens
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dürften auf den Vertheidiger unserer Gerechtsame ein wahrlichnicht verdientes und gehässiges Licht werfen, und da glauben wir,es sei eben sowohl Pflicht, den großherzigen Freund, der nur füruns und das Gesammtwohl streitet, in Schutz zu nehmen, als über-haupt die Sachlage ein wenig weiter noch zu beleuchten.

Hr.Icl sagt (um zunächst den ersten Theil der Auf-gabe zu lösen), unsere Industrie suchten wir nur in Grund undBoden und da sei ihm Nichts bekannt, als Gramenz, die Riese-lungen am Schwarzwasser und die vortreffliche Forstindustrie inHammerstein, wodurch eine Eisenbahnanlage in unserer Nähe ge-rechtfertigt werde oder mit andern Worten: Hr. Amtsrath Li-vonius stimme vielleicht mit dem Besitzer von Gramenz darin über-ein, des eigenen Interesses halber die Bahn hier zu wünschen.

Ohne dem Hrn.Icl irgend eine derartige Anschuldigungzurück geben zu wollen, halten wir uns verpflichtet, einen wahrenEhrenmann, dessen anerkanntes Rechtlichkeitsgefühl von einer ganzenGegend hoch gehalten und verbürgt wird, gegen so gehässige An-deutungen zu vertheidigen. Hr. Amtsrath Livonius verdient imGegentheil unsere vollste Anerkennung. Ohne die geringsten er-erbten Mittel hat er durch geistige Ueberlegenheit und als Beispielzur Nacheiferung Anderer mit eiserner Beharrlichkeit das scheinbarUnmögliche geleistet, hat in Treptow, in Galow und in Behleaus den Trümmern landwirthfchaftlicher Geringfügigkeit Kultur undIndustrie auf einen früher kaum gekannten Gipfel der Vollkom-menheit gehoben, in Hammerstein aber mehr als 3000 Morgen be-wässerten Forstbodens mit großen Opfern kultivirt und eingeschont,so wie eine weiße Tafelglashütte angelegt, welche schon jetzt ihreProduktionen, die schönsten Spiegelglasscheiben, zu der Gewerbe-Ausstellung nach Königsberg versendet, um auch in diesem Zweigeder Industrie den Kampf mit dem Auslande aufzunehmen. Dies,sein rastloses Wirken verfolgt er noch heute und hat sich überallmit vollem Rechte den Namen eines Ehrenmannes erworben.

Man wolle uns diese kleine Abschweifung von der Hauptsachenicht tadeln, wir halten sie vielmehr unter den obwaltenden Ver-hältnissen für nothwendig, damit das Publikum entscheiden möge,ob ein Mann, der so unendlich viel für das Gemeinwohl gethan,wohl im Stande wäre, in engherzigen Rücksichten nur für sich selbstzu sorgen.

Und eben so erhaben dürfte Hr. Baron Senfft von Pil-