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Das preussische Eisenbahnnetz : mit besonderer Beziehung auf die östlichen Provinzen / vom Amtsrath Livonius und Oeconomiecommissarius Mertens
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Elemente der Wasserstraßen sind, sondern einräumen, daß sie als voll-ständige Ersatzmittel dienen, wofür sie auch wohl von Jedermanngehalten werden. Ferner wird er uns auch wohl nicht weiter vor-reden, daß der Gütcr-Verkehr auf den Wasserstraßen, neben welchenEisenbahnen führen, überall zugenommen hat.

Ohne aller übrigen von uns aufgestellten Gründe gegen dieUnzwcckmäßigkeit einer Bahn neben der Netze zu gedenken, kommtes, wenn überhaupt von einer solchen Richtung die Rede sein soll,unseres Bedünkens nach, vor Allem auf die Frage au:

ob die Netze zur Vermittelung des Verkehrs daselbst nichtmehr ausreichend ist?

Denn, ist sie, wie wir behaupten, vollkommen dazu ausreichend,wozu soll denn ein äquales Transportmittel noch neben derselben,durch welches die Wasserstraße unnutzbar gemacht wird, dienen?

Unser Herr Gegner sucht uns zwar zu trösten, indem er sagt,daß die Regierung nicht allein die Richtung der Bahn, sondernauch die Tarife bestimmt, und daß sie daher verhüten werde, daßdie Eisenbahn nicht den Wasservcrkehr aufreibe. Wir fragen aber,warum erst dergleichen unselige Verhältnisse einführen und alsdanndurch künstliche Mittel die übel» Folgen derselben verhindern? Wa-rum durch hohe Tarife den Einen Theil der Bevölkerung drücke»,um den Andern künstlicher Weise, vor dem Untergänge zu schützen?Ist das auch etwa ein staatswirthschaftliches Prinzip?

Der Herr Gegner sagt in seiner jetzigen Erwiderung von Neuem,daß die Netze und der Bromberger Kanal den großen innernVerkehr vermitteln, welcher westlich durch Posen, Breslau , Stettin ,Dresden , Magdeburg , Hamburg , und östlich durch Danzig , Königs­ berg , Memel , Tilsit, Jnstcrburg und Warschau begrenzt ist." Hätteer hierbei Recht, so wäre er bloß den Beweis schuldig geblieben,daß die Netze zur Vermittelung dieses Verkehrs nicht mehr ausrei-chend ist; aber er befindet sich bei dieser Ausstellung in einem voll-ständigen Irrthum und zeigt eine sehr große Unkunde der vorhande-ne» Verhältnisse. Posen, Breslau und Dresden haben mit Ost­ preußen so gut wie gar keinen Verkehr, wenn man nicht geradedie Mühlsteine aus Schlesien dazu rechnen will; der Handel mitWarschau , welcher bei den bekannten Grenz- und Zvllverhältnifsen Ruß­ lands überhaupt unbedeutend ist, gehört naturgemäß zu Danzig ;im klebrigen aber ist die Handelsstraße zwischen den preu-ßischen Handelsstädten und den mittleren Provinzen nicht die

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