Wüsten, Gebirge und Thäler.
Nefud, Sandwiiste in Hocharabien.
Ursprung und Zu-sammensetzung an-belangt; eng mitein-ander verbunden. DiePlateauwüste ist eineim Allgemeinenebene Fläche; welchedurchaus nicht ganzunfruchtbar ist. DieErosionswüste prägt
sich aus in mehroder weniger ausge-dehnten Senkungendes Terrains; oderBecken mit flachemBoden ; welche einstvom abfliessendenWasser gebildet wor-den sind. Heute be-steht freilich keinesichtbare Beziehungmehr zwischen Ur-sache und Wirkung.
Die Thäler, welcheman in der Saharaantrifft; überraschendurch ihre Breite,deren Thalweg mit-unter schwer zu er-kennen ist. Meist ent-deckt man erst imSchatten einiger dür-ren Büsche eine schmale Wasserrinne.
Die dritte Form der Wüste ist die Dünenwüste. Sie istdiejenige, welche das Gemüth am schaurigsten ergreift; da sichhier zur Unfruchtbarkeit des Bodens noch die Unstetigkeit des-selben und die Gefahr für die persönliche Sicherheit gesellen.Die Höhe der Dünen schwankt zwischen 3 und 200 Meter.Trotz ihrer Unbeweglichkeit reissen sie dennoch zur Bewunde-rung hin durch die Schönheit ihrer Linien. Die vom Windabgekehrte Seite ist gewöhnlich steiler; besonders an ihremGipfel; welcher in der Regel einen kleinen Absturz bildet.
Was in einer Hünenlandschaft besonders deprimirt, ist der fortwährendeWechsel von scheinbar winzigen Sandanhäufungen und ungeheueren W^ellenoergen.Auf eine Reihe niedriger Hünen folgt eine solche von förmlichen Bergzüg.en, an diewieder kleine We lenlinien anschliessen. Has Schauerliche und Ueberwältigende einessolchen Wiistenbildes kennzeichnet sich in den übertriebenen Schilderungen mancherReisender hinsichtlich der Grösse dieser Hünen. Man hat von Sandwogen von1000 Meter Höhe gesprochen. Aussergewöhnlich hohe — das heisst das Uebermassvon 200 Meter Höhe überschreitende — Hünen haben immer eine feste Boden-erhöhung zum Kern. Es kann dann allerdings der Fall eintreten, dass solche Hünendas gewöhnliche Höhemass um Beträchtliches überschreiten, aber dann giebt ebendie Bodenerhöhung an sich den Ausschlag.
Von der Libyschen Wüste, welche einen Sandocean bildet, in welchem dieOasen wie Inseln liegen, abgesehen, ist die Hünenregion der eigentlichen Sahara einungeheuerer, circa 2400 Kilometer langer Strom, der mit wechselnder Breite zwischen50 und 500 Kilometer vom Syrtenmeere in südwestlicher Richtung bis zum Atlan-tischen Ocean verläuft. Man hat die Sahara lange Zeit für vollkommen eben gehalten,weil man mit ihr die Vorstellung von einem ehemaligen Meeresboden verband. Hieehemalige marine Bedeckung der Sahara ist nun allerdings eine Thatsache, da aberdie Wässer in Folge einer Hebung abflossen, trägt auch der Saharaboden die Merk-male dieser Hebung. Es giebt eine Reihe von Plateaux, über welche Bergspitzen
noch bis zu beträchtlicher Höhe aufragen. Mitten in der Sahara befindet sich eingewaltiges Gebirgsmassiv, dessen höchste Spitzen bis zu 2500 Meter aufragen. achden Erkundigungen Huveyrier’s soll auf den höchsten dieser Gipfel durch mindestensein Vierteljahr — Schnee liegen! . . . Has ist allerdings eine seltsame Illustrationzu der älteren Vorstellung von der muldenförmigen, meeresbodenartigen Gestalt desSaharagebietes.
Eine weit grössere Mannigfaltigkeit noch als die Tief-ebenen; weisen die Bodenerhöhungen; d. h. die Gebirge auf.Man versteht darunter mannigfach gegliederte; in sich zusammen-hängende; meilenweit sich erstreckende und aus festem Gesteinbestehende Erhebungen des Landes. Zeigen mehrere Gebirgeeine ausgesprochene Continuität; so nennt man sie Gebirgs-ketten (oder Gebirgszüge); und ihre höchste fortlaufende Er-hebung Gebirgskamm (oder Gebirgsrücken). Eine Anhäufungvon Bergen; die sich nicht in Ketten gliedern; nennt man Ge-birgsgruppe. Das Zusammentreffen mehrerer Gebirgskettenan einem Punkte bildet einen Gebirgsknoten (oder Gebirgs-stock). Man spricht von „Gebirgssystem”, wenn man eine insich geschlossene Reihe von Ketten und Massivs vor Augenhat — von „Gebirgszweigen” (oder Gebirgsästen), wenn es sichum secundäre Ketten handelt; die vom Hauptzug oder Gebirgs-stoek abgehen.
Selten erheben sich hohe Gebirge unmittelbar aus derEbene. Meist unterscheidet man mehrere Abstufungen; die ver-schiedene Namen führen; wofür besondere Erklärungen nichtnöthig sind, als: Vorberge, Mittelgebirge, Hochgebirge.Indess handelt es sich hier mehr oder minder um örtliche Ver-hältnisse, also um einen relativen Massstab. — Den Formennach, welche Bergzüge aufweisen, unterscheidet manZackengebirge, Wallgebirge, dann Kegelberge, Dome,Zähne, Pfeiler, Thürme u. s. w. Sehr flache gleichmässigeGebirgsanschwellungen bezeichnet man wohl auch mit„Wellengebirge”.
Jeder Berg hat drei natürliche Abschnitte: denFuss(oder Basis), den Abhang und den Gipfel. Wenn zweiBergrücken eine Unterbrechung oder Lücke aufweisen,spricht man von „Joch”, „Sattel”, „Pass”. Es sind durchausPunkte, welche den Uebergang von einer Seite des Ge-birges auf die andere vermitteln. Die durchschnittlicheHöhe eines Bergrückens nennt man die „mittlere Kamm-höhe”, die durchschnittliche Höhe aller Gipfel die „mittlereGipfelhöhe”. In ähnlichem Sinne spricht man von einer„mittleren Passhöhe”. Das sind lauter Factoren, welche inder vergleichenden Örographie (oder Orometrie) eine Rollespielen, weil sie zur Kennzeichnung der plastischen Total-verhältnisse eines Gebirges untrügliche Anhalts-, bezie-hungsweise Vergleichungspunkte abgeben.
Die zwischen zwei oder mehreren Gebirgszügen sicherstreckenden Vertiefungen, als Gesammtbegriff „Thal”,
El Abiod, Oase in der Sahara.