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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Hebungs- und Senkungserscheinungen.

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auf die Deltabildun-gen von Einfluss sind nämlich mit den so-genannten Hebungs-und Senkungsvor-gängen der Festlän-der. SchlammreicheFlüsse, welche weiteNiederungen durch-strömen und örtlicheVorbedingungen zuDeltabildungen viel-fach vorfinden, kön-nen diese letzterennicht aufbauen, weilsie durch das Sinkendes Küstenstrichesdaran verhindert wer-den. Solche Flüssemünden allesammt inLagunen. Die sinken-den Küsten verhin-dern aber nicht nurdie Deltabildung, son-dern lassen an derenStelle tief ins Landeinschneidende Mün-dungsbuchten ent-stehen.

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Deltalandschaft bei Port Said.

Die Hebungs- und Senkungserscheinungen.

Vulcanismus.

Die feste Erdoberfläche, welche gewöhnlich für starr undunbeweglich gehalten wird, ist fortwährenden Schwankungenunterworfen. Es wäre gefehlt, diese Erscheinungen auf die vul-canische Thätigkeit im Innern der Erde zurückzuführen. Anvielen Orten der Erde sind ganze Küstenstrecken seit Menschen-gedenken entweder im Aufsteigen, oder im Sinken begriffen.Charles Darwin sagt irgendwo:Es wird die Zeit kommen,wo die Geologen die Ruhe der Erdrinde in jeder Epoche ihrerGeschichte für ebenso unwahrscheinlich halten werden, wiedie Unbeweglichkeit der Lufthülle in irgend einem Zeitmomente. .Die Merkmale der vorerwähnten Oscillationen findet man anden Küsten aller Continente. In europäischen Ländern wurdenhierüber die meisten Beobachtungen angestellt und gab specielldie Fjordenküste von Skandinavien einen classischen Zeugen ab.In den regelmässigen Terrassenbildungen und den Reihen vonBohrmuschellöchern erkannte man die unbestreitbaren Merk-male eines langsamen Emporsteigens der Küstenstufe. Merk-würdige Senkungserscheinungen wieder hat man an den Küstenvon Nordwest-Deutschland, in Holland und längs der ganzen Nord-küste von Frankreich beobachtet. Auch die Küsten Amerikas

haben ähnliche Thatsachen ergeben. In erster Linie sind es dieKüsten von Chile, welche die Merkmale des Aufsteigens ansich tragen. In der Nähe von Valparaiso zeigen sich dieseMerkmale in einer Meereshöhe von 400 Metern. Dem Erhebungs-gebiete von Chile und Peru steht das Senkungsgebiet vonPatagonien gegenüber. Viel bedeutender aber als hier tretendie Senkungserscheinungen an der atlantischen Küste vonNordamerika zu Tage. Dagegen ist der ganze Nordrand desmexikanischen Golfes im Aufsteigen begriffen. Am grossartigstentreten diese Erscheinungen im Bereiche des Stillen Oceansauf, die Hebungen an der Ostküste von Asien, die Senkungenim ungeheueren Gebiete der InselweltOceanien. Wir kommenweiter unten auf sie nochmals zu sprechen.

Man hatte bisher für diese Vorgänge keine stichhältige Erklärung bei derHand, bis Professor Penck der Frage eine neue wissenschaftliche Seite abgewann.Penck setzt auseinander, wie das Niveau der Festländer im Laufe der Zeiten durchEinflüsse der Erosion und Denudation an relativer Höhe mehr und mehr verliere.Schon Wallace hatte diesen Verlust an Oberflächenmasse mit I Meter in 10.000Jahren berechnet. Penck aber meint, derAbtrag müsse viel bedeutender sein, sodass beispielsweise der südamerikanische Continent bei einer mittleren Höhe von400 Meter in ungefähr vier Millionen Jahren bis aufs Niveau des Meeres herab-sinken würde.

Da nun mit zunehmendem Oberflächenverlust die Attraction beständig ab-nehmen muss, erscheint die Folgerung Pencks sehr plausibel: dass das Meer ingleichem Masse zurücktreten müsse. Für die sinnliche Wahrnehmung tritt aber nichtdas Meer zurück, sondern die Küste steigt. Andererseits muss überall dort, wo dasfeste Land durch Gebirgsbildungen an Masse gewinnt, die Attraction vergrössert,d. h. das Meer stärker angezogen werden, was für die sinnliche Wahrnehmungwieder die Täuschung bewirkt, als sei der betreffende Küstenstrich im Sinkenbegriffen. Ueberdies wäre in Erwägung zu ziehen, dassFaltenbildungen (d. h.Bodenanschwellungen) im Meere, welche ihrem Wesen nach der Gebirgsbildungauf dem Festlande gleichzustellen sind, gleichfalls nicht zu den ungewöhnlichenphysiologischen Vorgängen auf unserem Planeten gehören. Neubildungen dieser Artaber müssen nothwendigerweise Wasser verdrängen, d. h. das Niveau des Meereserhöhen, was ein Emporsteigen desselben über den bisherigen Küstenrand zurFolge haben müsse. Dem Auge aber würde sich diese Erscheinung wieder nur alseine solche beständigen Sinkens der Küste darstellen. Es wird ferner vorgebracht,dass das Schwinden der grossen Gletschermassen, wie sie in der Eiszeit bestanden,nothwendigerweise eine Beeinflussung der festländischen Attraction auf das Meerhervorrufen müsse. Ein naheliegendes Beispiel hiefür liefert Skandinavien, dessenHebungs-Erscheinungen bisher für typisch galten. Penck aber führt dieselbenauf das Sinken des Meeres zurück. Je mehr der grosse skandinavische Gletscherzusammenschmolz, beziehungsweise auf einen verhältnissmässig kleinen Raumzurücktrat, desto ausgiebiger war das Maass des Zurückweichens des Meeres.

Eine andere Erscheinung, welche wesentlich zur Um-gestaltung der Erdoberfläche beigetragen hat, ist der Vulca-nismus. Ueber seine Natur bestehen mehrere Anschauungen.Die älteste ist die sogenannteplutonische Theorie, nachwelcher das Erdinnere als Feuermasse zu denken ist, welchegegen die Erdkruste reagirt und auf diese Weise die be-kannten Erscheinungen des Vulcanismus hervorruft. Man hatgegen diese Theorie die berechtigte Einwendung gemacht,

Ausbruch des Aetna am 31. Mai 1879.*

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