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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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A. Westeuropa. I. Das Königreich Spanien.

wovon mehr als die Hälfte auf Gussfabrikate entfällt. Die Stahlproductionist gering und beträgt wenig über 8°/ 0 der Gesammtproduction. Hervorragende.Eisenindustrieorte sind: Vera (Navarra), Che ca, Cobeta (beide in Guadalajara),Burgos und Almeira.

An anderen Erzen ist in erster Linie das Quecksilber zu erwähnen. DasBergwerk von Almaden ist das grösste dieser Art in Europa. Kupfer, Goldund Zinn bieten mässige, Silber und Blei bessere Ausbeute.

Die spanische Industrie hat neuerdings erfreulichen Aufschwung ge-nommen. Die Hauptsitze der Industrie, besonders des Fabrikswesens, sind:Catalonien und die baskischen Provinzen, dann in zweiter Linie Valencia,Murcia, Andalusien, Asturien und Galicien.

Die wichtigeren Branchen sind: Eisenwaaren: Malaga, Burgos, Leon, Cuen^a (Roheisenwaaren);Cybar und Plasencia in Biscaya, Utrillas in Aragonien, Ripoll und Albacete, Igualada, Sevilla, Barcelona,Albacete, Toledo (Waffen, Klingen); Bijouterien, Gold- und Silberwaaren: Madrid, Sevilla, Barce-lona, Valencia, Cadix, Cordoba; Porzellan: Madrid, Alcora, Moncloa; Fayence und Töpferei: Alcora,Moncloa, Andujar, Caceres, Medina; Spiegel: S. Ildefonso; Leinwand: Galicien, Catalonien, Valencia,Cue^a und Estremadura; Damast-Tischzeug: Coruna und Bayona in Galicien und Soria; Zwirn:Madrid, Cordoba; Segeltuch: Coruna, Mataro, Bilbao, San Sebastian, Santander und Cartagena; Baum-wollen-Manufacturen: Catalonien; Seidenzeuge: Catalonien, Valencia, Madrid, Toledo, Sevilla, Malaga,Saragossa, Granada; Lederarbeiten: Catalonien, Cordoba, Malaga, Burgos, Toledo; Wollentücher:Tarraza, Manresa, Escaray, Burgos, Bejar, Segovia, Guadalajara, Barcelona; Papier: Catalonien, Valencia;Tabak: Madrid; Zuckerraffinerien: Madrid, Malaga, Barcelona und Cadix.

Der Handel Spaniens hat wohl von seiner früheren Bedeutung verloren,wozu innere und äussere Kriege wesentlich beitrugen, ist aber noch immerbedeutend und fortwährend im Steigen begriffen. Besonders entwickelt ist derKüstenhandel, was bei der geographischen Configuration des Landes erklärlich

ist. Dagegen ist der überseeischeHandel arg zurückgegangen, waswohl in erster Linie auf die ver-loren gegangenen, vormals aus-gedehnten Colonialländer zurück-zuführen ist.

Geistige Cultur. Hinsicht-

Die Giralda'in Sevilla.

Inneres der-Moschee von Cordoba.

der alten Königreiche und Fürstenthümer, mit welchen sie in der Geschichteeingeführt und die uns geläufig geblieben sind.

Wir beginnen mit dem äussersten Süden und schreiten von da nach Ostenund Norden vor. Das Königreich Andalusien (Provinzen: Jaen, Cordoba,Sevilla, Cadix und Huelva) ist der heisseste Theil des Reiches, aber ein frucht-bares, leider von einer arbeitsscheuen Bevölkerung bewohntes Land. Man be-zeichnet dieses Gebiet gemeinhin alsVega, was so viel wiebedeutet.

lieh der Pflege der Wissenschaften und Künste war Spanien im 16. und 17. Jahr-hundert hochberühmt; bedeutende Männer auf geistigem Gebiete gereichtender Nation zur Zierde. Mit dem allmählichen politischen Verfall gingen auch diegeistigen Bestrebungen zurück, und erst in den letzten Jahrzehnten, angeregtvon dem Wetteifer in anderen Ländern, fand wieder ein Umschwung zumBesseren statt. Der Elementarunterricht ist obligatorisch. Universitäten giebtes acht: Madrid, Barcelona, Granada, Salamanca, Sevilla, Valencia, Saragossaund Oviedo. Kunstinstitute bestehen in Madrid, Barcelona, Valladolid, Va-lencia und Sevilla; Militärakademien (für Generalstab, Infanterie und Caval-lerie) in Valladolid; Seeschule in Ferrol.

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NB. Staatsverfassung, Verwaltung und politische Eintheilung, Finanzen undArmee, sowie das gesammte statistische Materiale siehe die betreffende Tabelleam Schlüsse des Werkes. ' '

Landschaften und Städte.

Das Königreich Spanien ist mit ängstlicher Vermeidung der alten histo-rischen Benennungen in einegrosse Zahl von Provinzen (49)eingetheilt. Gleichwohl halten wiruns bei der nachfolgenden Ueber-schau, welche in zwangloser FormLandgebiete und Städte demLeser vorführen soll, an die Namen

Fruchtbarkeit

Poetischer aufgefasst aber ist die Vega das sonnige, anmuthige, von heiterem Lebensmuth durchquellteLandschaftsbild des spanischen Südens jenerafrikaartigen Küstenzone, die sich von Alicante überMalaga bis Cadix erstreckt. Die Ueppigkeit der Landschaften ist erstaunlich, aber der Ueberfluss hat einmonotones Gepräge. Das helle Grün der Orangenwälder würde ermüden, wenn sich zwischen diese nichtauf weite Strecken die graugrünen Flächen der Oelhaine drängten und blumige Wiesen nicht das Augeerfreuten. Aber trotz dieser Ueppigkeit und trotz des zarten Duftes, der über Palmen- und Pinienwipfelgebreitet ist, findet die Einbildungskraft hier nicht das, was sie sucht.

Das Thal des Guadalquivirs ist nicht mehr das, von dem aus einst das glanzvolle maurische Leben»ausging. Vierundzwanzig arabische Meilen weit konnte man damals auf dem Strome im Schatten der Frucht-bäume schaukeln und dem Gesänge der Vögel lauschen. Auf beiden Ufern war eine einzige Folge vonGärten, Villen und Thürmen. Dort pries man den Trunk unter tiefblauer Sternennacht im Dufte der Orangen-gärten oder in Palästen,wie von der Zauberkunst der Dschinnen (Feen) gebaut und von Künstlern ge-malt,deren Farbenschale die Sonne war.

Sevilla selbst ist freilich eine höchst bescheidene Stadt, aber ganz gewissder Typus dessen, wie man sich auswärts einespanische Stadt vorstellt.Dazu trägt namentlich die Bauart der Häuser, welche ganz eigenthümlich ist,bei. Der architektonische Charakter ist eben orientalisch und erinnert an diehistorische Vergangenheit dieses Bodens. Dazu kommt, dass Sevilla eines

Abencerragenhalle in der Alhambra.