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A. Westeuropa. — III. Frankreich,
Der Invalidendom in Paris.
hinaussieht. Es ist ein geräumiger Platz, auf welchemExercitien, Revuen und Rennen abgehalten werden.
Mit grossen und berühmten Plätzen ist Paris überhaupt reicher bedachtals irgend eine andere Capitale. Wirerwähnen: der Vendömeplatz, derzeitder grösste, welchen man kennt, mit der Metallsäule von Austerlitz, derenCapitäl das Standbild des grossen Kaisers trägt. Von den Communarden um-geworfen, wurde es wieder aufgerichtet; der Eintrachtsplatz (Place de laConcorde), mit Ausblick nach dem Are de Triomphe, geziert mit dem berühmtenObelisk von Luxor, acht Standbildern und zwei Fontainen; der Bastilleplatz(im Osten der Stadt), auf welchem das zu Beginn der grossen Revolution 1789vom Volke zerstörte berüchtigte Staatsgefängniss stand; der Siegesplatz,mit dem Reiterstandbilde Ludwig’s XIV.; der Carousselplatz, zwischenTuilerien und Louvre; der arcadengeschmückte Königsplatz, mit demStandbilde Ludwig’s XIII.; der Börsenplatz, Pantheon- und Chatelet-platz u. s. w.
Ausser den oben genannten öffentlichen Gebäudenmüssen noch erwähnt werden: der Palast Bourbon,
Sitz der Deputirtenkammer; das Elysee-Bourbon, dieAkademie der schönen Künste, das Münzhötel; dannan Kirchen: St. Etienne, St. Sulpice, St. Germain desPres, Notre-Dame de Lorette. Ferner die Wohlthätigkeits-anstalten: Hotel Dieu, Charite, Pitie, Salpetriere u. s. w.
Zahlreich sind die Promenaden, Gärten (darunter derJardin des Plantes), die Fontainen (162 öffentliche) undandere Anlagen, welche der Stadt zur Zierde gereichen.Daneben dürfen die Anstalten von allgemeiner Nützlichkeitnicht übersehen werden, als: die Marktplätze (St. Germain,St. Honore, la Vallee, Halles centrales, Getreidehalle, Schlacht-häuser), die prachtvollen Kaufläden und die vielen eleganten
erbaut), ein ungeheueres Gebäuderechteck, das bis zum Jahre 1870 kaiserlicheResidenz war, während der Communeherrschaft aber bis auf die Mauern nieder-gebrannt wurde. Derzeit ist es im Wiederaufbau begriffen. Innerhalb des Palastesliegen die schönen Anlagen, welche ein Lieblingsaufenthalt der Bevölkerungsind. Die Tuilerien stehen durch eine Galerie (Gemäldesammlung) mit demLouvre in Verbindung. Er bildetein mächtiges Viereck und macht einen impo-santen Eindruck. Die Sammlungen des Louvre sind weltberühmt; ihr schönstesObject ist die „Venus von Milo”, vielleicht das herrlichste Sculpturwerk der Welt.Gleichwerthig sind die reichen altägyptischen und assyrischen Antiquitäten, dasZiel aller Alterthumsforscher.
Knapp neben den Tuilerien erhebt sich das Palais Royal, in welchem dasTheätre fran9ais (Frankreichs erste Bühne) untergebracht ist, ein ungemeinausgedehnter Palastbau mit einem Kranze von Galerien, in welchen sich Kauf-läden und Wirthschaften eingenistet haben. Die schönste dieser Galerien trägtden Namen der Dynastie Orleans, der dieser Palast einst als Residenz diente.Dazu gehört noch ein vielbesuchter öffentlicher Garten. — Eine Strecke weiteraufwärts des Quais stossen wir auf das grossartige Rathhaus (Hotel de la ville).Gegenüber (auf der Seineinsel) erhebt sich der Dom von Notre-Dame, dieberühmteste Kirche von Paris, ein herrlicher gothischer Bau, der jedoch vielfachmit romanischen Formen gemischt ist (1136 gegründet, 1845 zum letztenmalerestaurirt), und unfern hiervon der Justizpalast, auf der Stelle des ehemaligenPalastes der römischen Präfecten von Gallien.
Nordwärts des Industriepalastes stossen wir auf die prächtige Magdalenen-kirche (griechischer Stil) und etwas weiter rechts auf die Neue Oper, einesder herrlichsten Bauwerke dieser Art. Sie wurde zu Beginn des Jahres 1875eröffnet.
Auf dem linken Seineufer sind hervorzuheben: das Palais Luxembourg,Sitz des Senates, mit Gemäldesammlung und schönem Garten; dann das Pan-theon und weiter das kolossale Invalidenpalais mit dem Invalidendome,ein schlanker Kuppelbau, welcher seit 1840 die irdischen Reste des grossenNapoleon einschliesst. Es folgt weiter die Kriegsschule (Ecole militaire),welche mit ihrer mächtigen Hauptfronte auf das Marsfeld (Champ de Mars)
Bordeaux (Quai des Chartrons).
Schloss Chambord bei Blois.
Wirthschaften, von welchen einige Weltruf geniessen. Diesogenannten „Inneren Boulevards” der Nordseite durchschneidendie schönsten Stadtviertel und bilden mit ihren Nebenzweigendie Hauptschlagadern des Verkehrs. Elegant und prachtvollsind die zahlreichen Durchgänge — Choiseul, Opera,Saumon, Vivienne, Colbert. Von Bronzen und Vergol-dungen funkelnde Galerien reizen lebhaft die Neugierdeder Fremden.
Wahrhaft erstaunlich ist die Fülle der wissenschaftlichen Instituteund Unterrichtsanstalten. Um ihnen allen gerecht zu werden, müsstenlange Spalten gefüllt werden. Wir nennen die wichtigsten: das Institut deFrance („Akademie der Wissenschaften”), die National schule der schonenKünste, das Nationalconservatorium für Musik, die Gesellschaft der Alter-thumsforscher, die geographische Gesellschaft, das Athenäum der Künste, dieasiatische Gesellschaft, die geologische Gesellschaft, die Gesellschaft „Linne”,die phrenologische Gesellschaft, die Sternwarte und zahlreiche Gesellschaften,welche pädagogische Zwecke verfolgen; ausserdem eine grosse Zahl von Fach-schulen der verschiedensten Gattung.
Der Reichthum an Sammlungen ist erstaunlich. Hier mögen einigeZiffern sprechen. Die öffentlichen Bücherschätze von Paris belaufen sichauf die Kleinigkeit von 3 1 /, Millionen Bänden, circa V* Million Handschriftenund über 1 Million Kupferstiche, Karten u. dgl. Die grösste Büchersammlunghat die Nationalbibliothek (2,300.000 Bände), die grösste Handschriftensamm-lung die Bibliothek Sainte-Genevieve (350.OOO Stück), die reichste Sammlungvon Kupferstichen und Karten gleichfalls die Nationalbibliothek (1 Million).
Die Umgebung von Paris weist gleichfalls einegrosse Zahl von Oertlichkeiten auf, welche nicht über-gangen werden können. Das ausserhalb der Stadtmauern