Karte 
Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
Entstehung
Seite
81
JPEG-Download
 

A. Westeuropa. III. Frankreich.

8l

gelegene Boulogner Wäld-chen ist der RendezvousplatzdesTout Paris. Jenseits derSeine liegt Versailles, mitdem weltberühmten Schlosseund Garten, von Ludwig XIV.erbaut und durch 118 Jahre(1672 bis 1789) Residenz derKönige. Die Stadt ist kleinund im Laufe der Zeit erheb-lich zurückgegangen (48.000Einwohner). Wir gedenkender recht ansehnlichen StadtSaint-Denis (41.000 Einwoh-ner), im Norden von Paris,mit den Königsgräbern. FernerNeuilly, der GartenheckenMontreuil, die Sommerfrisch-orte Ivry, Issy und Passy;

die IndustrieorteLaChap eile,

Villette, Choisy-le-Roi,

Puteaux (mit dem Mont Valerien), Vincennes mit grossemParke und königlichem Schlosse, und Charenton, wo einberühmtes Irrenhaus ist. Andere hübsche und bemerkenswertheFlecken sind: Argenteuil, St. Cyr (Militärschule), Meudon,St. Cloud (mit Schloss und Park), Sevres (berühmte Porzellan-fabrik); St. Germain-en-Laye, mit altem königlichen SchlosseMalmaison, ehemals Landsitz der Kaiserin Josephine u. s. w.

Ein Bild des Reichthums und des Glanzes würde sich vorunseren Blicken entfalten, hätten wir den entsprechenden Raumzur Verfügung, um die ganze Topographie des Landes mitgleicher Ausführlichkeit zu behandeln, wie es mit Paris der Fallwar. Innerhalb bescheidenere Grenzen verwiesen, beschränkenwir uns hier auf die wichtigsten Oertlichkeiten.

Den Anfang macht der Norden des Landes, speciell dieGrenzfestung Lille (188.000 Einwohner), der Hauptort eines derreichsten Departements, in fruchtbarer Ebene gelegen, und alsSperrpunkt gegen Belgien von grosser militärischer Wichtig-keit. Auch die gewerbliche Thätigkeit der Stadt ist nicht zuunterschätzen. Die Leinwandwebereien allein werfen jährlich45 Millionen Franken ab. Man zählt im Ganzen 35.000 Arbeiter. Eine andere wichtige Stadt des Nordens ist Amiens (74.000Einwohner), an der Somme, nicht weit vom Meere gelegen,einstens die Hauptstadt der Picardie. Sie hat ein schönes Rath-haus, eine ansehnliche Bibliothek und ein reichhaltiges Museum.

Bedeutender als Amiens ist Rheims (94.000 Einwohner),nordöstlich von Paris, mit der berühmten Kathedrale, in welchervormals die Könige von Frankreich gesalbt wurden. Die Biblio-thek enthält 80.000 Bände, das Museum reichhaltige prähisto-rische Sammlungen. Besonders erwähnenswerth sind noch dasStadthaus und die in drei Stockwerken in den Felsen gebro-chenen Weinkeller. Unweit der Seinemündung liegt Rouen(106.000 Einwohner), vormals Hauptstadt der Normandie, eineder blühendsten Städte Frankreichs, mit reicher Industrie. DerHandel ist, dank der glücklichen Lage des Ortes zwischenHavre und Paris, ein sehr bedeutender. Es fehlt nicht an vor-züglichen wissenschaftlichen Anstalten und merkwürdigen Ge-bäuden. Unter letzteren ragt die grosse gothische Kathedrale,die prachtvolle Seinebrücke und das umfangreiche Hotel Dieubesonders hervor. Auf dem Platze, wo Jeanne d'Arc den Feuer-tod starb, steht deren Bildsäule.

Von Paris aus nach Süden und Südwesten fortschreitend,kommen wir vorerst nach Or-leans (57.000 Einwohner), amrechten Ufer der Loire ge-legen, eine gewerbfieissigeStadt mit geistig aufgeweckterBevölkerung. Ihre interessan-testen Denkmäler sind die Ka-thedrale und das Reiterstand-bild der Jeanne d'Arc, welche1429 die Stadt vor den Eng-ländern rettete.Unweit vonBlois (19.000 Einwohner), daseine Strecke weiter stromabliegt, befindet sich in der öden,von zahlreichen Teichen be-setzten LandschaftSolognedas Schloss Chambord, vonFranz I. erbaut, eine wunder-liche Stilverirrung, aber inter-

essant und besuchenswerth.Nach diesem Schlosse führteder Herzog von Bordeaux,der letzte Sprössling der legiti-men Königsfamilie von Frank-reich, der 1885 i n Görz starb,den TitelGraf von Cham-bord. ' >

Tours (52.000 Einwohner)und Angers (68.600 Einwoh-ner) sind gleichfalls bemer-kenswerthe Industrie- und Han-delsorte, ersterer an der Marne,letzterer unweit derselben ge-legen. Beiden aber läuft dieHafenstadt Nantes (124.000Einwohner), in welcher dieverschiedenen hochentwickel-ten Industrien allein 77.000Personen beschäftigen, denRang ab. Ausserdem istNantes eine bedeutende Handelsstadt, welche jährlich von un-gefähr 1500 Schiffen angelaufen wird.

Was die Westküste Frankreichs an bedeutenden Plätzenbesitzt, wurde bereits gelegentlich unserer Küstenschau erwähnt.Wir haben aber die wichtigste aller dieser Hafenstädte naeh-zutragen das blühende Bordeaux (240.000 Einwohner), eineder grössten, schönsten und reichsten Städte des Landes. Derprachtvolle Hafen, welcher 21 Kilometer von dem innerstenWinkel des Aestuariums der Gironde entfernt ist, hat einenFassungsraum für 1200 Schiffe. Eine gewaltige steinerne Brücke(487 Meter lang, mit 17 Bogen) verbindet über den Strom hinwegdie Stadt, welche am linken Ufer der Garonne liegt, mit derVorstadt La Bastide. Das Theater ist eines der schönsten inEuropa. Ueberhaupt bietet Bordeaux eine Fülle von Prachtbauten(namentlich längs den breiten Quais) und gemeinnützigen An-stalten, wie kaum eine zweite in.Frankreich. Neben dem Handelspielt die Industrie, welche die mannigfaltigsten Branchen ver-tritt, eine gleichwerthige Rolle. Ausserdem ist Bordeaux derMittelpunkt des französischen Weinhandels. Im Seehandel spieltes nächst Marseille und Havre die erste Rolle; die Zahl dereinlaufenden Schiffe beträgt durchschnittlich 1800 im Jahre. Unterden wissenschaftlichen Anstalten sind die schöne Bibliothek(160.000 Bände) und die Sternwarte hervorzuheben.

Am Oberlaufe der Garonne finden wir Toulouse (140.000Einwohner), eine ausgedehnte Stadt mit weitläufigen Plätzen,schönen Brunnen und Fabriken (Sensen, Stückgiesserei, Dampf-maschinen). Das südöstlich, am Canal du Midi (welcher vonToulouse abgeht) gelegene Carcassonne (25.000 Einwohner)ist bemerkenswert!! wegen seines römischen Tempels, den manin eine Kathedrale umgewandelt hat, und seiner Hüttenwerkehalber, die sich im Bereiche der Stadt befinden. Noch weitersüdöstlich, bereits nahe der Pyrenäengrenze, nur drei Stundenvom Meere entfernt, hätten wir der befestigten GrenzstadtPerpignan (26.000 Einwohner) zu gedenken, der Heimat desberühmten Physikers Franz Arago, dem man hier ein Denkmalgesetzt hat.

Ring*s am Küstenrande des Löwengolfes bis zur Rhoneliegt eine Schnur von Städten, deren bedeutendste zunächstMontpellier (56.000 Einwohner) ist, welche auch in Bezug aufden Reiz der Lage die meisten südfranzösischen Städte über-flügelt. Schöne Promenaden, jnit Brunnen geschmückte Plätze

und eine geräumige Esplanadegereichen der Stadt zur Zierde.Alsdann folgt Nim es (64.000Einwohner) in erster Liniemerkwürdig wegen ihrer an-tiken Denkmäler, die in solcherVielzahl und so wohlerhaltenkeine zweite Stadt Frankreichsund überhaupt nur wenigeStädte Europas ausserhalb Ita-lien aufzuweisen haben.

Der römische Tempel von Nimesist besser erhalten als irgend einer deruns bekannten Tempel auf classischemGebiete. Er erscheint auch anmuthiger,zierlicher, mehr an griechische Art er-innernd, als die Tempelreste Roms.Das Amphitheater, welches ebenfalls inder Stadt mitten zwischen modernenGebäuden und Promenadeplätzen sich

Amphitheater in Nimes.

litH

vJlll MItrn

jiroiffliitli

Pont du Gard (antike Wasserleitung) in Nimes.

IMS

.Jf-i

;p!is

isttl

ilM:

21