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A. Westeuropa. — III. Frankreich.
Grenoble.
erhebt, ist von geringerem Interesse. Am bemerkenswerthesten aber ist der grosse,zweistöckige steinerne Aquäduct — „Pont du Gard” genannt — welcher einst dazudiente, das Wasser aus der Quelle Aure in die Arena von Nimes zu leiten, behufsAufführung von Naumachien, d. h. Wassergefechten u. dgl. Ueber dem zweitenStockwerke laufen 36 kleine Arcaden, welche die eigentliche Rinne tragen. DieLänge dieser Wasserleitung beträgt 269 Meter, die Breite 6 Meter und die Höheüber dem Gard (bei Niederwasser) 49 Meter.
Westlich von Nimes liegen zwei Städte, welche wir nichtübergehen können, beide an der Rhone — das altberühmteArles (Arelas) mit Resten seiner einstigen antiken Pracht undwundervollen Bauwerken romantischer Architektur; — dannAvignon (32.000 Einwohner),- bekannt als Sitz der Päpstedurch länger als siebzig Jahre. Noch steht das Schloss derPäpste völlig erhalten da. Es ist auf einen hohen Felsen gebautund schaut meilenweit über die Gelände des Rhonethaies. DieLandschaft ist nirgends in der Provence schöner als hier. Inbreitem Bette rollt die Rhone ihre gelben Wasser thalwärts.Eine steinerne Brücke, schon vor der päpstlichen Zeit erbaut,ist mitten im Strome abgebrochen. Im Osten ragt ein Bergzugüber den anderen heraus, zuerst niedrige Hügelreihen, dannFelsenketten, zuletzt die Häupter des schneebedeckten Hoch-gebirges.
Wir gehen von Avignon nicht nach Marseille, von dembereits anderwärts die Rede war, sondern stromauf der Rhoneund gelangen so nach Lyon (402.000 Einwohner), der zweit-grössten Stadt Frankreichs, zugleich der zweitgrösste Industrieortdes Landes. Man zählt 80.000 Arbeiter. Unter allen Industrie-zweigen steht die Seidenindustrie obenan (33.000 Webestühle).Dann zunächst folgt die Maschinenindustrie, welche etwa12.000 Arbeiter beschäftigt. Zahlreich sind die anderenEtablissements, die öffentlichen Anstalten, wissenschaft-lichen Institute u. s. w. An der Rhone liegen 26 Quais,von denen viele mit prächtigen Bauten geschmückt sind.
Ein Theil der Stadt liegt auf der Halbinsel, welche vonder Rhone und der sich in diese ergiessenden Saonegebildet wird. Diese Halbinsel, welche „Perrache” genanntwird, prangt im Schmucke einer reichen Vegetation. Neun,theils hölzerne, theils steinerne und eiserne Brücken führenüber die Rhone, dreizehn über die Saone. Das HotelDieu in Lyon ist das reichste Gebäude dieser Art.
Südöstlich von Lyon liegt Grenoble (51.000 Ein-wohner), Hauptstadt der Dauphine und Festung erstenRanges, mit terrassenförmig ansteigender Citadelle, welchedas Thal des Isere beherrscht. Grenoble deckt den Zugangzu Hochsavoyen.
Von den grösseren Städten im Inneren von Südfrank-reich nennen wir: St. Etienne (124.000 Einwohner), einehervorragende Fabriksstadt (hauptsächlich Eisenwerke) mitmehr als 55.000 Arbeitern. — Clermont, auch Clermont-Fer-rand genannt (40.000 Einwohner), unweit des Allier und des
Puy-de-D6me, die ma-lerischeste unter allenfranzösischen Städten.Die Umgebung ist einkleines Paradies; Wie-sen und Obstgärten brei-ten sich zwischen denvielen freundlichen Ort-schaften aus. — ImNorden von Clermontfinden wir, an der Loiregelegen, N e v e r s (23.000Einwohner), bemerkens-werth als Handelsstadtund Erzeugungsort vonPorzellan undFayencen.Etwas weiter westlichhiervon liegt Bourges(36.000 Einwohner), miteiner der schönsten Ka-thedralen in Europa,grösser als die Notre-Damekirche in Paris.Die Stadt ist übrigensschlecht gebaut undunrein.
In der „Limousin”liegt auf einem von derVienne bespültenHügelLimoges (64.000 Ein-wohner), so recht imHerzen des mittlerenFrankreich, welcher Lage sie zum Theil ihre Bedeutung alsBinnenhandelsstadt verdankt. Nebenher ist auch die Industriesehr von Belang. Etwas weiter westlich liegt Angouleme(31.000 Einwohner), der Geburtsort des Kriegsbaumeisters Mon-talembert und des Schriftstellers Balzac, eine handelsthätigeund gewerbfleissige Stadt an der Charente. — Nördlich vonAngouleme, in der Richtung nach Tours, stossen wir auf Poi-tiers (32.000 Einwohner), eine Stadt, welche im Verhältnisszu ihrer abnormen Ausdehnung viel zu schwach bevölkert ist.Auf dem Felde bei der Stadt wurde jene denkwürdige Schlachtgeschlagen, in welcher Karl Martell die Invasion der Araberabwies (732).
In den Departements zunächst der deutschen Grenze liegenzwei hervorragende Fabrikstädte, Dijon (55.000 Einwohner) undBesanyon (57.000 Einwohner), ersteres berühmt wegen seinerTuchfabrikate, letzteres wegen seiner Uhrenindustrie. Besanfonist eine uralte, malerisch gelegene und ansehnlich befestigteStadt. Das in den Felsen gehauene Thor ist ein Römerwerk,das sogenannte „Schwarze Thor”, ein Triumphbogen des KaisersAurelian. — Hart an der elsässischen Grenze erhebt sich derWaffenplatz ersten Ranges Beifort (17.000 Einwohner); nord-westlich hiervon Epinal- (17.000 Einwohner) an der oberenMosel, und stromab der letzteren To ul (9000 Einwohner), gleich-falls ein Waffenplatz ersten Ranges. — Die grösste Stadt imBereiche der deutschen Grenze ist Nancy (73.000 Einwohner).Sie hat wichtige Industrien und lebhafte Handelsthätigkeit. —Nordwestwärts fortschreitend, kommen wir nach Verdun
Monaco.