A. Westeuropa. — IV. Das Königreich Belgien,
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(12.000 Einwohner), wichtige, von der fünffach getheilten Maasdur'chströmte Festung. — Weiter stromab der Maas treffen wirauf die beiden festen Plätze Sedan und Mezieres, beideunfern der belgischen Grenze gelegen.
Weiter landeinwärts sind die bemerkenswerthesten Plätze:Chalons-sur-Marne (20.000 Einwohner), mit grossem Uebungs-lager und einer berühmten Schule für Künste und Handwerke;Troyes (42.000 Einwohner), südlich der vorgenannten Stadt undan der Seine gelegen, mit einer reich ausgestatteten Bibliothek(120.000 Bände) und vielen Spinnereien; Auxerre (16.000 Ein-wohner), an der Yonne, einem Nebenflüsse der Seine, gelegen,mit lebhaftem Handel, u. s. w.
Colonien. Afrika: Algier, Senegambien, Gabun und Congogebiet, die InselReunion, ein kleines Landgebiet auf Madagascar, mehrere Eilande im Norden vonMadagascar. — Asien: Einige Punkte in Vorderindien, Cochinchina, Tongking. —Oceanien: Neucaledonien, Loyalitätsinseln, Marquesasinseln, Tahiti, Taumotu- undGambierinseln, Clippertoninsel. — Amerika: Guyana, Guadeloupe, Martinique, St. Pierre
und Minquelon. — Schutzstaaten: Cambodscha und Annam in Hinterindien, Ko-morenarchipel und Tunis in Afrika.
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Das Fürstenthum Monaco. Es liegt in der ehemaligen Graf-schaft Nizza, hart am Meere, und beschränkt sich auf dasStadtgebiet, welches einen Flächenraum von 15 Quadratkilo-meter einnimmt. Die Zahl der Bewohner beträgt circa 12.500. —Die gleichnamige Stadt ist eine der malerischest gelegenenPunkte der Riviera, ein Paradies in landschaftlicher Beziehung,eine Höhle für Alle, welche der Spielteufel in dem benach-barten „Monte Carlo” in seine Gewalt bekommen hat.
Dicht neben Monaco und hart an der italienischen Grenze liegt Mentone,das vormals zu Monaco gehörte, aber 1861 nebst der Ortschaft Roccabrune vomFürsten an Frankreich verkauft wurde. Mentone hat eine entzückende Lage und istder besuchteste Ort an der Riviera. Besonders reizvoll ist die „Promenade duMidi”. Im „Jardin public” hört man die Zungen aller europäischen Völker. Die vonMentone nach Monaco ziehende Strasse — die gefeierte „Route de la Corniche”—ist vielleicht die schönste Uferstrasse der Welt.
4. Das Königreich Belgien.
Belgien und die Niederlande bilden im geographischenSinne ein Ganzes, indem sie den Uebergang der westeuro-päischen Mittelgebirgsregion zum flachen Nordsee-Gestadelandbilden. Es ist im Grossen und Ganzen das Wassergebiet derSchelde, der Maas und des Rheins, welche an einer Küsteins Meer fallen, die allenthalben in flache Inselsplitter ausein-andergerissen ist.
Wenn wir vorerst Belgien im Auge behalten, bemerkenwir, dass die Küste desselben, die eine ganz unbedeutendeEntwickelung hat (67 Kilometer), von dem vorgezeichneten Bildeabweicht und geradlinig verläuft. Hier liegen die berühmtenSeebäder Ostende und Blankenberghe, ersteres nebenbeierwähnenswerth wegen seiner Austern- und Hummernzucht.
Lage und Grösse. DasKönigreich bedeckt eineBodenfläche von 29.450Quadrat-Kilometer undgrenzt im Norden an dasKönigreich der Nieder-lande, im Westen gleich-falls an die Niederlande,an Deutschland und andas neutrale Grossherzog-thum Luxemburg,'im Sü-den an Frankreich.
Bodengestalt. Das Landist im nördlichen undwestlichen Theile so nie-drig und flach, dass derBoden dortselbst durchDämme (Deiche) gegendieUeberschwemmungender Schelde, beziehungs-weise durch Dünen vorMeereinbrüchen ge-schützt ist. Das Wasser,welches sich in den „Pol-dern” (eingedeichten Ge-genden) sammelt, wirddurch Windmühlen in die
Canäle und durch Schleu-senanlagen in die Flüssegebracht. Dieser Bodenist sehr ertragsreich unddurchwegs bar aller Un-ebenheiten. In den südöstlichen Gegenden vermitteln Hügelund niedrige Bergzüge den Uebergang zu. dem Waldgebirgeder Ardennen, dessen nordöstliche, in die deutsche Rhein-provinz übergreifende Fortsetzung die Hohe Venn ist. Letz-teres ist eine theilweise unbebaute sumpfige Hochebene, dessenhöchster Punkt (das Dorf Jalhay bei Lüttich) 678 Meter überdem Meere liegt.
Die fruchtbarsten Districte sind Südbrabant, Ost- undWestflandern. Der nördliche Theil der Provinz Antwerpen (mitseiner Fortsetzung als „Nordbrabant” auf niederländischemBoden) und der nördliche Theil von Limburg bilden eine un-fruchtbare, mit Seen und Morästen erfüllte Heide.
Das Land ist von der Schelde, dann von der Maas undihrem Nebenflüsse Sambre, sowie von mehreren Zuflüssendieser Gewässer, durchädert und ausserdem von einer Anzahlgrösserer Canäle durchzogen. Die wichtigsten der letzterensind: der „Nordcanal”, der Canal von Charleroi, von Mons,Brüssel, Ter Neuse, Ostende u. a.
Das Klima ist feucht und nebelig, die Luft meist ausser-ordentlich reich an Wasserdunst, so dass neben 150 Regen-tagen höchstens 50 heitere Tage zu verzeichnen sind. ImUebrigen aber ist das Klima gemässigt und nur in den Ardennenetwas rauh.
Bevölkerung. Belgien weist eine Bewohnerzahl von 5,853.278Seelen auf, welche sich ethnisch in zwei Stämme sondern: den
Vlamen, welche germanischen Stammes, und den AVallonen,welche lateinischen (nämlich französischen) Stammes sind. Dasnumerische Verhältniss zwischen beiden Volksstämmen lässtsich nicht genau feststellen, da der officielle Census nur „Sprach-gruppen” kennt. Darnach gebe es im Königreiche ungefähr2-3 Millionen französisch sprechende Bewohner, 2*6 Millionenviamisch sprechende, während der Rest von o*6 Million ent-weder beide Sprachen (ausserdem noch deutsch und französischgemischt) und fremde Sprachen spricht.
Ueber die Völkerstellung der Wallonen bestehen mancherlei Ansichten. Diezutreffendste möchte wohl die sein, wonach wir in dem genannten Volke die Nach-kommen der alten celtisch-gallischen Belgier zu erblicken hätten, deren Sprache als
Brüssel.
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