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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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A. Westeuropa. VI. Grossbritannien und Irland'.

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Rhein gelegen, sehr alte Stadt, mit berühmter Universität,dessen Senatssaal mit seinen merkwürdigen PorträtbildnissenNiebuhr für den ehrwürdigsten Ort der Wissenschaft in Europaerklärt hat. Das Reichsmuseum ist eines der reichhaltigsten desContinents. Utrecht (77.000 Einwohner), gleichfalls eineberühmte Universitätsstadt, mit bemerkenswerthen wissenschaft-lichen Anstalten, Fabriken und altehrwürdigen Gebäuden. DieUmgebung ist höchst anmuthig und mit zahlreichen Parkanlagenund Villen geschmückt. Auch die Stadt besitzt eine prächtigePromenade, die LindenalleenderMaillebahn. Utrecht istder Mittelpunkt der katholi-schen Kirchenpartei der Nie-derlande.

Andere Städte sind: Mid-delburg (18.000 Einwohner),auf der Insel Walchern ge-legen, mit schönem Rathhausund mehreren Fabriken; Vlis-singen (10.000 Einwohner),gleichfalls auf Walchern, mitgrossen Schiffswerften; Her-zogenbusch (26.000 Einwoh-ner), dessen Johanneskircheein Meisterwerk genannt wird;

Bergen-op-Zoom(i i.oooEin-wohner), starke Festung an derScheldebucht; Breda (19.000Einwohner), gleichfalls Fe-stung, unweit der belgischenGrenze.Im äussersten Südendes Landes liegt die starke Festung Mastrich (30.000 Ein-wohner), hart an der Grenze von Belgien. Sie ist Hauptort derProvinz Limburg.

Unweit der Stelle, wo der Yssel vom Rhein abzweigt,finden wir Arnhem (46.000 Einwohner), Hauptort von Geldern,gewerbfleissig und handeltreibend. Am Yssel, und zwar amUnterlaufe desselben, liegen ferner: Zw olle (24.000 Einwohner),mit zahlreichen Gerbereien, Webereien und Eisengiessereien,und Kämpen (18.000 Einwohner), das Abdera Niederlands, eineder saubersten Städte des Königreiches, mit lebhaftem Handel.

Im äussersten Norden des Reiches (Friesland) erwähnenwir zuvörderst den Hauptort der Provinz Leuwarden (32.000Einwohner), mehr Handels- als Industriestadt, und Groningen(51 000 Einwohner), mit dem schönsten und grössten Markt-

platze des Königreiches. Die Stadt steht durch einen Schiff-fahrtscanal mit Harlingen (10.000 Einwohner), Frieslandswichtigstem Hafenplatze, in Verbindung.

Die Uferränder der Zuidersee sind, wie bereits erwähnt,mit einer Anzahl von Hafenorten besetzt, welche dieTodtenStädte genannt werden, eingedenk ihrer einstigen Bedeutungim Welthandel und ihrer traurigen Abgestorbenheit seit den See-katastrophen, welche in diesem Gebiete so bedeutsame Land-umgestaltungen hervorgerufen haben. Die Namen dieser Städte

haben wir bereits genannt.

Colonien. In Asien: die Sun da-in sein und die Molukken. InAmerika: Surinam mit Paramaribo. Von den kleinen Antillen: St. Eu-stache, St. Martin und Saba, unddieInseln unter dem Winde, worunterCura^ao.

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Das Grossherzogthum Lu-xemburg. Dasselbe besitzt einenFlächenraum von 2587 Qua-dratkilometern und ist mit demKönigreiche der Niederlandedurch Personalunion verbun-den, hat jedoch eigene Ver-waltung und Verfassung. DasLändchen liegt zwischen Bel-gien, der preussischen Rhein-provinz und Lothringen, istvon einem Theil der Arden-nen durchzogen und bestehtseinem grösseren Umfange nach aus einer wellenförmigenHochebene.

Die Bevölkerung, 210.000 Seelen stark, fast durchwegsdeutschen Stammes, beschäftigt sich vorwiegend mit Land-wirtschaft. Doch ist auch die Industrie von Bedeutung(Handschuhe, Fayence, Tapeten, Papier, Tuch, Leder, Roheisen,Maschinen etc.). Der Handel hat sich, seitdem das Ländchendem deutschen Zollverein beigetreten war (1842), sehr gehoben.

Hauptstadt ist Luxemburg (16.700 Einwohner), auf steilemBerge an der Elze gelegen, eine außergewöhnlich starkeFestung, deren Casematten zum grössten Theil in Felsen ge-hauen sind. Die Stadt liegt sehr malerisch, die Industrie istbedeutend, der Handel zwar nicht sehr lebhaft, aber den Bedürf-nissen entsprechend.

Luxemburg.

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6. Grossbritannien und Irland.

Der verhältnissmässig kleine Archipel im Nordwesten vonEuropa, der ' officiell die BezeichnungDas vereinigte König-reich Grossbritarinien und Irland (United Kingdom of GreatBritain and Ireland) führt, hat sich erst in jüngerer Zeit seineWeltstellung errungen. Seit dem Beginn des sogenanntenZeit-alters der Entdeckungen sollten noch Jahrhunderte vergehen,ehe England wie wir der Kürze halber fortan das ver-einigte Königreich nennen wollen seinen älteren Rivalenden Rang ablief. Portugal und Spanien hatten zuvörderst deninteroceanischen Seeverkehr eröffnet, Holländer und Franzosenwaren gefolgt. Dazwischen hatte der mächtige Städtebund derHansa auch die Deutschen auf die strittige Weltbühnegebracht.

Das Uebergewiclit Englands zur See datirt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.Seine nationale Eigenthiimlichkeit der Egoismus hatte es auf die Bestrebungenanderer Nationen eifersüchtig gemacht und durch sein gewaltthätiges Eingreifen indie Interessen der letzteren, einem Uebelstande der schlimmsten Art Vorschub ge-leistet. Bald fand sich zahlreiches internationales Gelichter, welches das Meer als dieDomäne für persönliche Bereicherung betrachtete, d. h. den Seeraub in grossartigemMassstabe betrieb.Boucaniers undFlibustier machten die Gewässer von Central-amerika namentlich in der Mitte des 17. Jahrhunderts unsicher. Die Boucanierswaren, unterstützt durch den bestehenden Antagonismus zwischen England undSpanien, so übermiithig geworden, dass sie an die Begründung eines selbständigenFreibeuterstaates dachten. Das war selbst den Engländern zu stark, und als eszwischen den beiden Staaten zum Frieden kam, wurde auch den Boucaniers dasHandwerk gelegt.

Das Aufblühen der englischen Seemacht fällt in das 18. Jahrhundert. BerühmteSeefahrer, als: Wood Rogers, Clapperton, Anson, Byron, Wallis und allen voranJames Cook, stehen an der Spitze einer langen Namenliste von Entdeckern. Mitder Entwickelung des Seehandels hielt jene der maritimen Kriegsmacht gleichen.Schritt. Grosses Augenmerk wurde auf die Erwerbung günstig gelegener Handels-

stationen rings um den Erdball gelegt, und dieser Erwerbung folgte die Grün-dung mächtiger Colonialreiche. So wurde England zu einer Weltmacht im vollenSinne des Wortes, und diese Macht wurde gestützt und gefördert durch eine gross-artige industrielle Thätigkeit, welche riesige Capitalien in Fluss brachte und denReichthum des Landes zu einer zuvor nie gekannten Höhe emporhob.

Lage und Grösse. Der grossbritannische Archipel, aus denInseln England-Schottland und Irland, nebst zahlreichenEilanden und kleinen Inselgruppen bestehend, erstreckt sich inausserordentlich günstiger Lage zwischen den reichgegliedertenKüstenländern des nordwestlichen und nördlichen Europa undan der Schwelle des Atlantischen Oceans. Der Flächeninhaltbeträgt nach den neuesten Angaben circa 315.000 Quadrat-kilometer, wovon circa 132.000 Quadratkilometer auf England,19.000 Quadratkilometer auf Wales, 79.000 Quadratkilometerauf Schottland, 84.000 Quadratkilometer auf Irland undcirca 780 Quadratkilometer auf die kleineren Inseln entfallen.

Küsten und Inseln.

Unter allen Ländern Europas weist das britische Insel-reich die reichste Küstengliederung auf. Dieselbe war nichtzum wenigsten Ursache, dass Englands Handel in der vor-erwähnten grossartigen Weise sich entwickeln konnte, dennzahllos sind die vorzüglich geschützten Häfen, die vielen Baienund Buchten, die breiten Mündungscanäle der zwar kurzen,aber fjordartig in das Festland hineingreifenden Flussunter-