Karte 
Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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B. Mitteleuropa. II. Das Deutsche Reich.

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Bernsteinbaggerung im Kurischen Haff.

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In Preussen. Leinen:

Schlesien, Westphalen, Lau-sitz, Sachsen, Rheinprovinz,

Hannover (Bielefeld, Hirsch-berg,. Gladbach, Elberfeld,

Barmen, Hildesheim, Osna-brück, Fulda, Marburg);

Schafwoll-Industrie:

Preussen, Eisass, Sachsen(Brandenburg); Baum woll-fabrikate: Rheinlande,

Schlesien, Erfurt, Berlin;

Seidenwaar en: Berlin,

Potsdam, Elberfeld, Barmen,

Krefeld, Cöln, Mühlheim ;

Leder: Malmedy, Prüm,

Stromberg, Cöln, Kreuznach,

Berlin, Mühlhausen, Königs-berg, Breslau, Danzig, Han-nover, Hildesheim; Saf-fian e: Berlin, Stettin, Halle,

Königsberg, Kochern, St.

Goar; Glas: Schlesien,

Brandenburg; Porzellan:

Schlesien, Berlin, Buckau,

Weissenf eis, Stützerbach;

Gold- und Silberarbei-ten: Berlin, Cöln, Breslau,

Danzig, Erfurt, Magdeburg;

Bronze waaren: Berlin,

Iserlohn; Messing: Iser-lohn, Stolberg, Jakobswalde;

Stecknadeln: Aachen,

Cöln; Nähnadeln: Aachen,

Iserlohn, Minden; S c h n e i d-werkzeuge: Solingen,

Remscheid, Hagen, Regie-rungsbezirke von Düsseldorfund Arnsberg; Schwert-und Degenklingen:

Stuhl, Solingen; Gewehrfabriken: Spandau, Stuhl, Sömmerda, Danzig, Saarn;Tabakfabriken: Cöln, Berlin, Magdeburg;. Maschinenbaufabriken: Berlin,Breslau, Aachen, Königsberg u. s. w.

In Bayern. Baumwollspinnereien: Augsburg, Bayreuth, Kempen, Schwein-furth, Zweibrücken, Kaiserslautern; Wollspinnereien und Webereien: Augs-burg, Nördlingen; Sammt: Oggersheim in der Pfalz; Strumpfwirkerei: Erlangen,Nürnberg; Tapeten: Nürnberg, München, Schweinfurth; musikalische Instru-mente: Mittenwald, München, Nürnberg; Holzschnitz- und Drechslerarbeiten:Ober-Ammergau, Berchtesgaden, Nürnberg, Erlangen, Fürth; Nadelfabrikation:Nürnberg, Fürth, Lauf, Roth; Messer: Nürnberg, Regensburg; Locomotiven:München; Gewehrfabriken: Amberg, Regensburg, München; Glas: BayerischerWald, Oberpfalz, Erlangen; Bleistifte: Nürnberg (Faber), Regensburg; Porzellan:Passau, dann in Oberfranken; Bierbrauerei: allenthalben sehr schwunghaftbetrieben.

In Sachsen. Leinen: Lausitz; Posamenten: Annaberg; Tamburier-stickerei: Eibenstock; Baumwollen, Musselin: im Voigtlande; Bandfabrika-tion: Pulsnitz; Strumpfwirkerei: Chemnitz; Wollen etc.: Bischofswerde, Ka-menz, Bautzen, Glogau, Meerane; Musikinstrumente: Leipzig, Dresden, Klingen-thal; Uhren: Karlsfeld, Glashütte; Maschinen: Chemnitz; Chemikalien: Leipzig.

In Württemberg. Baumwolle: Göppingen, Heidenheim, Kirchheim, Balingen;Leinen: Urach; Kammgarn: Bietigheim; Wolle: Göppingen, Esslingen; Gerbe-reien: Tuttlingen, Heilbronn, Reutlingen, Kalw, Ulm; Seide: Böblingen, Waib-lingen, Gmünd; ausserdem: Gold- und Silberwaaren, Glas, Chemikalien, Steingut(Schramberg), Bier (es giebt 2503 Brauereien) u. s. w.; Holz waaren: Schwarzwald;Pfeifenköpfe: Ulm.

In Baden. Bijouterien: Pforzheim, Karlsruhe, Mannheim; Tuch-und Woll-fabrikate: Schönau, Michelfeld, Seelbach, Lörrach; Baumwolle: Esslingen, Offen-burg, Schönau, Konstanz; Seide: Freiburg, Niedereschach, Lichtenau, Konstanz,Säckingen; Papier: Freiburg, Esslingen, Emmendingen, Schopfheim; ausserdem:Spieldosen, Strohflechtereien, Holzwaaren, Schwarzwälder Uhren, Maschinenfabriken(Pforzheim, Mannheim, Karlsruhe) u. s. w.

Von der detaillirten Anführung der gewerblichen Thätigkeit in den deutschenKleinstaaten sehen wir der unnützen Anhäufung von Namen halber ab. Essind allenthalben die vorstehend erwähnten Branchen vertreten.

lieber die Intensität des deutschen Handels giebt die be-treffende Tabelle am Schlüsse des Werkes ziffermässigenNachweis.

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1. Das Königreich Preussen.

Flächeninhalt: 348.330 Quadratkilometer; Bewohnerzahl: 28*3 Millionen,davon 18*9 Millionen Evangelische, 9*4 Millionen Katholiken, über 300.000 Juden.Der Staat zerfällt in 12 Provinzen (mit 30 Regierungsbezirken und 6 Land-drosteien): Preussen, Brandenburg, Pommern, Posen, Schlesien, Sachsen, Hannover,Schleswig-Holstein, Westphalen, Hessen-Nassau, Rheinprovinz.

Die hervorragendsten Städte sind:

1. Provinz (Markgrafschaft) Brandenburg: Berlin (1886:i ; 376.000 Einwohner), Haupt- und Residenzstadt, seit zwei Jahr-zehnten in grossartiger Entwickelung begriffen, eine Weltstadtmit allem Glanz des Lebens, aller Pracht der Architektur undMittelpunkt aller jener Bethätigungen, welche Deutschland zurGrossmacht ersten Ranges stempeln. Das öffentliche Leben,Verkehr und geistige Strebungen, der sichtbare Ausdruck dermilitärischen Machtstellung, die grosse Zahl historischer Denk-mäler, welche die Marksteine der geschichtlichen Entwickelungdes preussischen Staates und zuletzt des DeutschenReiches abgeben: das alles liefert die Attribute zu derhohen, blühenden und kraftvollen Entwickelung, welchedie Metropole des Deutschen Reiches seit der Vernich-tung des früheren staatlichen Particularismus auf deut-schem Gebiete genommen.

Berlin ist eine reiche, interessante und schöne Stadt. Nur ihre Lagein der brandenburgischen Ebene, an der kleinen Spree, ohne landschaftlichenRahmen, mit ungenügender Wasserverbindung mit dem Meere stellt siehinter alle übrigen europäischen grossen Residenzstädte Madrid aus-genommen zurück. Berlin hat nicht die natürliche vortheilhafte Lage aneinem grossen Strome, gleich Wien, London oder Paris; es hat nicht dasMeer zu unmittelbarer Nachbarschaft wie St. Petersburg und die Metropolenvon Grossbritannien, Frankreich und Italien; es hat nicht den romantischenReiz der Residenzstädte zweiten Ranges, gleich Kopenhagen, Stockholmund Lissabon. Auch in historischer Beziehung reicht Berlin nicht so weitzurück wie andere seiner Rivalen, welche auf classischem Boden erstandensind, wie Wien und Paris der classischen Emporien Rom und Constan-tinopel nicht zu gedenken. Berlin ist weniger typisch national als Moskauund Paris, weniger von der Natur begünstigt als Wien und St. Petersburg,nicht so imposant als London aber im modernen Sinne so schön undreich wie irgend eine der genannten europäischen Gross- und Weltstädte.

Betrachtet man die deutsche Reichshauptstadt aufeiner Karte, so fällt deren regelmässige Entwickelung umden älteren Stadtkern auf. Zu beiden Seiten der Spree,

Das königliche Museum minder Schlossbrücke in Berlin.

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