Karte 
Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
Entstehung
Seite
137
JPEG-Download
 

B. Mitteleuropa. — IV. Die Oesterreichisch-Ungarische Monarchie.

137

■lj.JMJ.IMI.il 1II p

Wien. Das neue Rathhaus.

neuen Universität, dem neuen Burgtheater, der pracht-vollen Votivkirche, dem grossartigen gothischen Rathhause,dem Parlamentsgebäude, den beiden Hofmuseen mit demkolossalen Maria Theresia-Denkmal von Zumbusch. Gegen-über den beiden Museen ist die neue Kaiserburg im Auf-bau begriffen. Dahinter liegt die weitläufige, aber unregel-mässig* gebaute alte kaiserliche Burg mit dem altenBurgtheater, der kaiserlichen Bibliothek (420.000 Bände),der Winterreitschule und mehreren Annexgebäuden. Die-selben umschliessen theils den „Franzensplatz” (mit derBronzestatue des Kaisers Franz I.), theils den „Josefs-platz” (wo die Reiterstatue Kaiser Josefs II. steht).Zwischen der alten Burg und der Ringstrasse erstrecktsich der sogenannte äussere Burgplatz, der aber indie neue Burg einbezogen wird. Auf diesem Platze er-heben sich die beiden prächtigen Reiterstandbilder Fern-korn's: Erzherzog Karl und Prinz Eugen von Savoyen.

An den Burgplatz schliesst der Volksgarten, derRendezvousplatz der vornehmen Kreise Wiens. In seinenAnlagen steht der kleine dorische „Theseustempel” mitCanova’s berühmter Kolossalgruppe: Theseus den Centaurbesiegend.

Im weiteren Verlaufe der Ringstrasse nach Ostenwird dieselbe noch von folgenden hervorragenden Bau-lichkeiten geziert: die Akademie der bildenden Künstemit dem davorliegenden Schillerplatz und dem Erz-standbilde des Dichters; das neue Opernhaus, einesder schönsten in Europa; der grandiose „Heinrichshof”,ein Privatpalast, die Paläste des der Ringstrasse zur Seitestehenden Schwarzenbergplatzes mit dem Reiterstandbildedes berühmten Heerführers, die grosse, castellartig aufgeführteFranz Josef-Kaserne und zahlreiche andere Paläste. In diesemAbschnitte der Ringstrasse befindet sich auch der Stadtpark,eine anmuthige Anlage am Wienflussufer, mit dem Cursalon,in welchem sich die elegante Welt zur Promenade oder

zu geselligen Zusammenkünften einfindet. Der nörd-liche Theil der Ringstrasse verläuft längs des Donau-canals, welcher die Stadt in zwei ungleiche Hälftenscheidet. Auch diese Front — der Franz Josef-Quai— ist mit Palästen und palastartigen Gebäuden ge-schmückt. Von dem Donaucanal abschwenkend schliesstdie Ringstrasse nach der neuen Universität hin. Indiesem kurzen Abschnitte — dem „Schottenring” — liegtdie neue Börse, die weitläufige Rudolfs-Kaserne unddas schöne gothische kaiserliche „Stiftungshaus”, welchessich an Stelle der im Jahre 1881 abgebrannten „Komi-schen Oper” erhebt.

Die Innere Stadt, obwohl auf engem Raume zu-sammengedrängt, an vielen Stellen eng und finster, ver-jüngt sich allmählich, dank der nach einem bestimmtenPrincip hergestellten Regulirung. Jahr für Jahr erstehenhier kostspielige und grosse Prachtbauten, wobei die altenengen Strassen beträchtlich erweitert werden. Den Ver-kehrsmittelpunkt bildet der Graben, eine platzartigebreite, aber kurze Strasse, in welche die Hauptverkehrs-adern einmünden. Die wichtigsten derselben sind dielange Kärntnerstrasse, welche beim Opernhause indie Ringstrasse einmündet; die Rothenthurmstrasse,welche nach dem Franz Josef-Quai (der Donaucanal-Ring-strasse) verläuft; der Ko hl markt, die Verbindungsstrasse zurBurg, die Bognergasse, welche auf den „Hof”, einem weit-läufigen Platze, mit dem Gebäude des Kriegsministeriums,mündet. Zwischen der Rothenthurmstrasse und der Kärntner-strasse erstreckt sich der „Stefansplatz” mit der Stefans-

station Semmering.

Wien. Belvedere.

kirche, eine der schönsten Kirchen Europas (bereits 1143 ein-geweiht), mit 136 Meter hohem Thurme. Die innere Stadt ist,namentlich in der Nähe der Ringstrasse, reich an modernenPalastbauten.

Die Ringstrasse scheidet die innere Stadt von den Vor-städten, welche „Bezirke” genannt werden und sich um jenefächerförmig anordnen. Die grösste (aber nicht volkreichste)Vorstadt ist die Landstrasse (III. Bezirk — circa 93.000 Ein-wohner), die schönste die Wieden (IV. Bezirk), mit der herr-lichen Karlskirche (das Werk Fischer von Erlach’s), denPalais mehrerer Erzherzoge und vielen Privatpalästen, darunterjene der Freiherren Albert und Nathaniel von Rothschild.Ferner sind hier zu nennen: das Palais des Fürsten Schwarzen-berg mit ausgedehntem Park, die Theresianische Aka-demie (gleichfalls mit weitläufigem Park), das weitläufigeFreihaus, ein altes Gebäude mit der grössten Bewohnerzahl(900), welche ein Wiener Haus aufzuweisen hat. Die Vorstadtmit dem reichsten Verkehr ist die Mariahilfer Vorstadt(VI. Bezirk, 66.000 Einwohner) mit der ungemein langen undbreiten „Mariahilferstrasse”. Die anderen Vorstädte sind: Mar-garethen (V. Bezirk, 68.000 Einwohner) zwischen Wieden undMariahilf; Neubau (VII. Bezirk, 76.000 Einwohner), nördlich andie Vorstadt Mariahilf anschliessend; Josefstadt (VIII. Be-zirk, 51.000 Einwohner), noch weiter nördlich und schliesslichdie Alservorstadt (IX. Bezirk, 69.000 Einwohner), den äusser-sten Nordwesten des Stadtgebietes erfüllend. Ausserhalb des so-genannten „Linienwalles” (einer alten Circumvallationsbefesti-gung, jetzt Gemarkung für die Verzehrungssteuer) liegt die

35