C. Südeuropa. — II. Die Balkanhalbinsel
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tirt wird, da die arkadischen Vor-räthe, des dazwischen liegenden Ge-birges wegen, nicht zu erreichensind. — Die Viehzucht ist gering,dagegen die Bienenzucht so be-deutend, dass Wachs und HonigAusfuhrartikel bilden. — Der Berg-bau ist im Aufschwünge begriffenund umfasst hauptsächlich die Silber-und Bleiminen von Laurion, alsdannKupfer, Braunkohlen (Euböa, Anti-paros), Marmor, Schmirgel und Salz.— An Industrien sind vertreten:Gewebe, Glas-, Steingut- und Thon-waaren, ferner Seife; dann Artikelder Hausindustrie: Seidengewebe,Gold- und Silberstickereien undSchmuckgegenstände. — Der Han-del ist die starke Seite im wirth-schaftlichen Leben Griechenlands(Zahl der Seeschiffe 1886: 3213). Aus-fuhrartikel sind: Korinthen, Oliven-öl, Häute, Blei, Feigen, Knoppern,Wein, Tabak, Baumwollwaaren,Seide, Seife; Einfuhrartikel: Manu-facturen, Zucker, Holz, Eisen, Stein-kohlen, Kaffee, Reis, Schwefel, Salz-fleisch.
a)
Das osmanische Reichin Europa.
(Europäische Türkei.)
Flächeninhalt: 326.000 Quadratkilometer; Bewohnerzahl: 8*8 Millionen,und zwar: osmanische Türken (2*2 Millionen), slavische Stämme (4 Millionen), Griechen{1*17 Millionen), Albanesen (ri2 Millionen) und andere Völker (0*31 Millionen).Hiervon sind: Christen 5*1 Millionen, Mohammedaner 2^7 Millionen, IsraelitenI Million. (In allen vorstehenden Ziffern sind: der Tributärstaat Bulgarien-Ostrumelienund die von Oesterreich-Ungarn besetzten Gebietstheile — Bosnien, Herzegowinaund ein Theil des Sandschaks von Novibazar — mitinbegriffen.)
Die Provinzen des osmanischen Reiches in Europa umfassen sieben Vila-jets (oder Generalstatthalterschaften), deren jede wieder in mehrere Sandschaks(oder Muttesarifliks), diese in „Kaimakamliks” zerfallen. — Im Nachfolgenden haltenwir uns zum besseren Verständnisse an die alte historisch-geographische Eintheilung,d. i. Thrakien (Vilajet Edirne = Adrianopel), Makedonien (Vilajets Salonikiund Kossowo), Albanien (Vilajets Skutari und Janina) und die Insel Kandia(Kreta). Mehrere zu Europa gehörige Inseln (Thasos, Samothrake, Imbros, Lemnos)sind politisch dem gesammten ägäischen Archipel („Vilajet der Inseln des WeissenMeeres”) zugewiesen. Die Insel Thasos steht übrigens unter ägyptischer Verwaltung.
Thrakien.
Constaniinopel (circa 900.000 Einwohner), türkisch Stambul(Istambul), in herrlicher, länderbeherrschender Lage am Bos-porus, welcher das Schwarze Meer mit dem Marmarameere(Mittelmeer) verbindet und Asien von Europa trennt, auf dreiSeiten vom Meere bespült, mit dem Goldenen Horn — einemder schönsten Häfen derWelt — im Norden. Diealten byzantinischen Mauernschliessen die Stadt auf derLandseite und streckenweiseauch auf der Seeseite nochein und verleihen ihr einalterthümliches, historisch-ehrwürdiges Ansehen. ImInneren aber ist die Stadtwinkelig, ein Gewirre vonGassen und Gässchen bil-dend, welche von unzähligen,meist hölzernen Häusern ein-geschlossen werden. Indesszählt Stambul viele stein-gebaute und einige hundertmonumentale Bauten auf,worunter namentlich die Mo-scheen — von welchen esan 35° giebt — hervorragen.
Der herrlichste Bau ist dieSofienmoschee (Aja Sofia),
532 vom Kaiser Justinian als
herrlichster Tempel der orientali-schen Christenheit erbaut, 1453, nachder Eroberung der Stadt durch dieTürken, in eine Moschee umgewan-delt. Der Sofienmoschee an Prachtund Grösse zunächst rangirt die„Sulejmanjeh”, die Moschee SultanSulejman’sII., „des Prächtigen”; als-dann die „ Achmedjeh” am Atmejdan(früher Hippodromos), mit sechs Mi-narets, die „Mohammedjeh” an Stelleder ehemaligen Apostelkirche; dieMoschee „Nuri Osmanjeh”, „WalideSultana” u. s. w.
Stambul ist auf einem hüge-ligen Terrain erbaut, dessen Kuppenvon den vorgenannten Moscheengekrönt werden. Nur der östlichsteHügel macht hiervon eine Ausnahme;dort erheben sich die Reste deseinstigen Serajs, der Residenz derSultane bis auf Abdul Medjid (f 1839),welcher noch bei Lebzeiten in dasneuePrachtschloss Do 1 mabagtscheam Bosporus übersiedelte. Das „alte”Seraj liegt nun grösstentheils inRuinen. Nur einige Räumlichkeitenwerden noch von Anverwandten derkaiserlichen Familie bewohnt. Auchdie Gärten — einst ein Wunder desOrients — liegen verödet. DenSeraj-bezirk, welcher in drei Höfe zer-fällt und welchen vor Zeiten keinAja Sofia. Unberufener bei Todesstrafe be-
treten durfte, durchzieht nun dieEisenbahn, welche am Goldenen Horn ihren Ausgang nimmtund über Adrianopel nach Nordwesten hin die Balkanhalb-insel durchzieht. Fast im Herzen der Stadt, gleichfalls aufeinem Hügel, erhebt sich der weitläufige Bau des Seraskie-rats (Kriegsministerium) mit einem gewaltigen Feuerthurm.Dicht daneben befindet sich die zierliche Bajazidmoscheeund der ungeheuere kuppelgedeckte Bautencomplex des Be-sestan (Bazar), eine der interessantesten Oertlichkeiten Con-stantinopels. In der Nähe der Sophienmoschee befinden sicheinige Ministerien und die Hohe Pforte, der Palast des Gross-veziers und das Ministerium des Aeusseren. Durch die Haupt-strasse Stambuls zieht eine Pferdebahn bis zum „Kanonenthor”in der Landmauer.
An antiken Resten ist Stambul arm. Ausser einer grossenunterirdischen Cisterne, der Constantinssäule in der Divan-strasse, der uralten, aus Delhi stammenden „Schlangensäule”auf dem Hippodrom, einem Säulenstumpf auf dem ehemaligenForum des Arkadios und der Ruine des alten Kaiserpalastes(Hebdomon) im Nordwesten der Stadt und ausserhalb derMauern ist nichts von Interesse vorhanden. Bemerkenswerthist die Irenenkirche im ersten Serajhofe, da sie die ältestebyzantinische Kirche Constantinopels ist. Gegenwärtig dient
sie als Waffenmuseum. Unterden öffentlichen Gebäudensind noch mehrere grosseBäder erwähnenswerth: Wa-lide Hamam, Tschukur, JeniHamam, Tochtikahla undMahmud Pascha Hamam.
Ausser Stambul, demKerne der Stadt und demehemaligen Byzanz, zähltman noch eine grössere Zahlvon Vorstädten, welche fastinsgesammt nördlich des Gol-denen Horns liegen. DieVerbindung wird durch zweiBrücken hergestellt, vondenen indess nur die untere(ältere) Schiffbrücke demVerkehr freigegeben ist.Gleich jenseits dieser Brückeliegt Galata, das Geschäfts-viertel, mit grossen stein-gebauten Magazinen, derBörse, mehreren Schiffsagen-
Thor und Thurm des Seraskierats (Kriegsministerium).
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