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C. Siideuropa. — II. Die Balkanhalbinsel.
Der Parnass mit der Stätte von Delphi.
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f) Das Königreich Griechenland.
Flächeninhalt: 64.688 Quadratkilometer; Bewohnerzahl (1882): 2,018.978,fast ausnahmslos Hellenen; die Albanesen, Kutzowlachen, Bulgaren und andereSlaven zählen zusammen etwa 250.000 Seelen. Das herrschende Religionsbekenntnisist die griechisch-orthodoxe Nationalkirche, mit dem Metropoliten von Athen an derSpitze. Die ziemlich zahlreichen Katholiken stehen unter zwei Erzbischöfen und vierBischöfen.
Die administrative Eintheilung begreift 13 Nomarchien,2 Departements und 1 District in sich. Die alten historischenLändernamen sind der Bevölkerung noch immer geläufig undin ausländischen Specialwerken werden sie mit Vorliebe ge-braucht. — Wir halten uns an die allgemeine geographischevSituation und unterscheiden vier Landgebiete: 1.Nordgriechen-land, 2. Mittelgriechenland, 3. Südgriechenland (Morea)und 4. die Inseln.
1. Nordgriechenland.
Wi s s e n s eilaf t en,die Universität, dasGebäude der Depu-tirtenkammer, meh-rere Kasernen, Spi-täler, Unterrichtsan-stalten und anderegemeinnützige Insti-tute.—Athenzeichnetsich durch ein südlich-lärmerfülltes öffent-liches Leben aus.
Hauptanziehungs-kraft auf den Gebil-deten üben aber nochimmer die antikenBaureste, namentlichdie der Akropolis,aus.— Der HafenortAthens ist der Pi-räus (21.000 Einwoh-ner), von jenem 10Kilometer entferntund durch eine Ei-senbahn verbunden.Schöner, vielfach ver-besserter Hafen mitviel Leben und Reg-samkeit. — Livadia(6000 Einwohner), imalten Böotien gele-gen, mit einigem Ge-werbfleiss. — Unweithiervon, im Nordwesten, steht der Parnass mit der OrtschaftKastro, welcher die Stelle von Delphi einnimmt.
Man weiss, dass Delphi, der heilige Mittelpunkt der hellenischen Welt, keineStadt, sondern ein Complex für Culturzwecke und Wettspiele bestimmter Baulich-keiten war, von denen nicht einmal alle zum „heiligen Bezirk” gehörten. Innerhalbdesselben befanden sich nur der Apollotempel mit dem berühmten Schlund, dessenDämpfe den Dreifuss der Pythia umbrodelten; dann mehrere Schatzhäuser, das Rath-haus, das Theater und andere Gebäude für gesellige Unterhaltungen. Innerhalb desheiligen Bezirkes befand sich auch ein Lorbeerhain, der gänzlich verschwunden ist.Von den ausserhalb des heiligen Bezirkes gelegenen Baulichkeiten waren die wichtig-sten das Stadium, der Versammlungsort der Amphiktyonen und das Gymnasium.Am kastalischen Quell, der gleichfalls ausserhalb lag, sieht man noch das fürdie Pythia zum Baden bestimmte felsgehauene Becken. Eine der Nischen für dieWeihgeschenke oberhalb des Quells (in der Felswand) hat man in eine Capelle ver-wandelt. Auf der Stelle des Gymnasiums erhebt sich ein Kloster. Hinter Delphibaut sich der Parnass (2500 Meter) auf. Der Aufstieg ist beschwerlich, namentlichvon dem kraterartigen Plateau auf eine der drei Spitzen, die es überragen. Der auchim Sommer schneebedeckte Centralkegel ist tiefer unten mit Tannen bestanden.
Andere Oertlichkeiten in Mittelgriechenland sind noch:Chalkis (7000 Einwohner), an der Meerenge von Euripos,Hauptort der Insel Negroponte und unfern der Stelle von
Darunter sind die in Folge Vertrages mit der Türkei vom 24. Mai 1881an das Königreich abgetretenen Gebiete von Thessalien und Epirus zuverstehen, das urclassische Land, welches rings von Gebirgen umschlossenund von dem Salamvria (Peneios) durchströmt wird. Im Unterlaufe bildetdieser Fluss das im Alterthume seiner Schönheit w 7 egen berühmte ThalTempe, an dem aber derzeit nichts Merkwürdiges ist. Im Norden ragt derOlymp (3000 Meter), im Süden der Ossa (1950 Meter). Hauptstadt von Thes-salien ist Larissa (14.800 Einwohner), eine uralte Stadt, welche derzeit sichdurch Gewerbfleiss auszeichnet. — Trikala (6200 Einwohner), Sitz derBehörden; Obst-und Weinpflanzungen. In der Nähe die merkwürdigen, kaumzugänglichen Meteoraklöster. — Volo (5000 Einwohner), am gleich-namigen Golfe, handelsthätig. Im Osten das dörferreiche Peliongebirge.— Arta, kleines Städtchen im Epirus, am gleichnamigen Golfe gelegen.
2. Mittelgriechenland.
Athen (85.000 Einwohner), von den Griechen Athiniah genannt, Haupt-und Residenzstadt des Reiches, nur zum Theil auf dem Stadtplane des an-tiken Athen erbaut, mit der Burghöhe der Akropolis im Süden (fast in derMitte, wie vor alters). Aus einer der berühmtesten Städte der Welt war seitder türkischen Eroberung eine verwahrloste Kleinstadt geworden, mittenunter alten und neuen Ruinen. Bei Beginn des Freiheitskrieges zählte siekaum 8000 Bewohner. Seit erlangter Unabhängigkeit, namentlich aber inden letzten Jahrzehnten, hat Athen gewaltigen Aufschwung genommen. DieNeustadt, durchwegs regelmässig angelegt und eine grössere Zahl vonprächtigen Bauten aufweisend, erstreckt sich nordwärts der noch immerengen und winkeligen Altstadt. — Die bedeutendsten öffentlichen Gebäudesind: das königliche Schloss, die Sternwarte, die Akademie der
Griechische Küstenfischerei mit Harpunen.