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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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D. Nordeuropa. — Die Halbinsel Skandinavien.

und

teristisch genug, um sie alssolche zu bezeichnen. Im-merhin unterscheidet manzwei Hauptmassen, derenAbgrenzung durch die Liniebezeichnet wird, welche vomChristianiafjord durch dasThal des Flusses Glommen aufein 670 Meter hohes Plateau,bei der norwegischen Berg-werksstadt Röraas vorüber,und dann hinab an denDrontheimer Fjord zieht. DieHochflächen der nördlichenHauptmasse pflegt manKjö-len (sprich Scholen, d. i.Kiel)zu nennen, die der südlichenFjelde (Felder).

An räumlicher Ausdeh-nung und Mächtigkeit derVergletscherung- die Alpen Die snehätta.

weit überragend, bleibt das

skandinavische Hochland in seinen Höhenverhältnissen weithinter jenen zurück. Die mittlere Höhe desselben beträgt nuretwa 650 Meter gegen 1400 Meter in den Alpen. Ebenso verhältes sich mit der Gipfelhöhe; der Culminationspunkt der Halbinsel,der Galdhöpig auf dem Ymesfjeld, misst nur 2604 Meter, wirddaher von tausenden von Alpengipfeln weit überragt. Diegrösste relative Erhebung befindet sich in der südlichen Haupt-masse (bis zu 1500 Meter). Ausser dem bereits genanntenGaldhöpig sind noch als höchste Gipfel zu nennen: der Suli-telma (1880 Meter) im Norden und der Snehätta (2306 Meter)am Dovrefjeld. Das vorher genannte Ymesfjeld ist die höchsteFelsmasse des norwegischen Gebirges; sie befindet sich in einemHochlande, welches in neuerer Zeit unter dem Namen Jotun-fjelde (d. i. „Riesengebirge”) berühmt geworden ist. DiePässe führen nicht über Gebirgseinschnitte, wie z. B. in denAlpen, sondern über die Bergflächen selbst, weshalb sie auchhöher liegen und minder wegsam als die Alpenübergänge sind.

„Zwischen schneebedeckten, kühn emporragenden, prachtvollen Bergen ziehentiefe, enge, dicht bewaldete Thäler sich hin; öde Hochflächen und kahle Berg-abhänge wechseln mit wilden Schluchten; malerische, silberhelle Seen schmiegensich an den Saum ungeheurer Birken-, Tannen- und Föhrenwälder, deren Einsam-keit zur Ruhe einladet; wunderbar schöne Fjorde umspülen mit klarer Fluth denFuss mächtiger Gletscher, wie man sie in solcher Ausdehnung nirgend sonstwo inEuropa findet, in dieser Vereinigung ein Bild gewaltiger landschaftlicher Schön-heit bietend. Zahllose Flüsschen, deren krystallklares Wasser im Scheine der Sonnedie verschiedensten Farben und Schattirungen zeigt, eilen, unzählige Fälle undWirbel bildend, dem Meere zu. In jähem Sturze mälzen Bäche und Flüsse ihregewaltigen Wassermassen von den Höhen herab in die unten gähnenden Abgründe,ein Anblick, den man nicht müde wird immer wieder anzustaunen. Einen* schroffenGegensatz zu der erhabenen Grossartigkeit solcher Scenen bilden die öden, unfrucht-baren Landstrecken, deren weit ausgedehnte Flächen häufig Felsblöcke, an einzelnenStellen in grossen Mengen übereinandergethiirmt, bedecken, und ebenso die Sümpfeund Moore — alles so trostlos und über die Maassen traurig, dass der Fremde ver-geblich sich bemüht, des Gefühls unsäglicher Verlassenheit sich zu erwehren. Ander Meeresküste und den Seen dagegen, am Fusse der Berge und Hügel, an Flüssenund am Saume von Wäldern trifft man Landschaftsbilder von überraschender Schön-heit, so voll Ruhe und Romantik, dass man sich nur schwer von ihnen trennt.”

(Du Chaillu, „Jm Lande der Mitternachtssonne”.)

Flüsse und Seen. Dem

Plateaucharakter der Halb-insel entsprechend, spielendie fliessenden Gewässer aufihr eine verhältnissmässiguntergeordnete Rolle. Da-gegen ist die Zahl und An-ordnung der Seen für diesesLand ganz besonders bezeich-nend und man darf es dem-gemäss ein wirkliches Seen-plateau nennen. Die Seen sinddenn auch die Reservoirs,von welchen die Flussläufeausgehen, und zwar geschiehtdies in Norwegen durchaus inForm von mächtigen Wasser-stürzen, während das schwe-dische Stufenland eine län-gere Laufentwickelung ge-stattet. Aber auch hier sind dieStromsysteme unentwickelt;die Flüsse breiten sich auf denTerrassen zu langgestreckten Der Hönefoss.

Seen aus, die durch Wasser-fälle und Stromschnellen mit-einander verbunden sind.

Alle nennenswerthenFlussläufe befinden sichdemnach auf der schwedi-schen Seite. Sie ziehen fastparallel zu einander vonNordwesten nach Südostenund als die bedeutendstensind zu nennen: dieTorneä-(das schwedische ä wird fastwie o ausgesprochen), Lu-leä-, Piteä- und Umeä-Elf.Sie gehören insgesammt demWassergebiete der Ostseean. — In den AtlantischenOcean ergiessen sich: dieGöta-Elf, der Glommen,Drammen,Loven,Oddernu. s. w. Dem Eismeergebietegehören an: Mals, Alten

Tana, insgesammt unbedeutend.

Die Seen Skandinaviens zählen zu den grössten Binnen-gewässern unseres Erdtheiles, und zwar liegen die ansehnlich-sten in Mittelschweden. Der bedeutendste ist der Wenersee(6238 Quadratkilometer Flächeninhalt), nächst dem Ladoga- undOnegasee der grösste Landsee in Europa; der Wettersee,merkwürdig wegen seines plötzlichen Aufwallens; der Hjelmar-see und die als Mälarsee bezeichnete Gruppe von Wasser-becken, welche fast 100 Kilometer lang ist und an 1000 Insel-chen enthält, auf welchen sich bei 900 Bauernhöfe befinden.An seinen reizenden Ufern wechseln Felsen und waldbekränzteBerge, Schlösser und Landhäuser als reizender Schmuck. —Seeartige Bilder — wenn auch in Wirklichkeit nur Meeres-buchten — geben auch die herrlichen, tief ins Land eindringen-den und sich verästelnden Fjorde ab. Es sind jene viel-gefeierten Seescenerien, durch welche Norwegen zuerst in denRuf grosser landschaftlicher Schönheiten gekommen ist. Diebedeutendsten Fjorde sind: der Flardanger-, Stör-, Sogne-und Sostrandfjord.

Canäle. Die eigenthümlichen hydrographischen Verhält-nisse Südschwedens sind der Anlage von künstlichen Wasser-strassen sehr günstig. Gleichwohl hat man verhältnissmässigspät mit der Ausführung von derlei Bauten begonnen. Diebedeutendsten schwedischen Canalanlagen sind: 1. der Göta-canal, welcher dem Laufe der Göta-Elf folgt, den Wenerseeumfasst, diesen mit dem Wettersee verbindet, alsdann demLaufe der Motala-Elf folgt, die Seen Boren und Roxen durch-schneidet und schliesslich in die Ostsee mündet. Durch denGötacanal, welcher den Kattegat mit der Ostsee verbindet,wird der Sund umgangen. Die ganze Wasserstrasse ist 383 Kilo-meter lang, doch sind hiervon nur 83 Kilometer gegrabeneroder gesprengter Canal. Man zählt 58 Schleusen, welche inGranit gemauert sind. — 2. Der Trollhättacanal, durchwelchen die Wasserstürze der Göta-Elf umgangen werden. Erist jetzt in die Wasserstrasse des grossen Götacanals ein-begriffen. — 3. Der Arboga-canal, zwischen Arbogafluss,Hjelmar- und Mälarsee. —4. DerSö de rtelgec anal, zwi-schen Mälarsee und Ostsee.Ferner der Strömsholm-, Wad-döe-, Almarestäkcanal u. a. m.

Klima. Die klimatischenVerhältnisse von Skandina-vien sind von so eigenthüm-. licher Art, wie es die ganzeNatur dieses Landes ist. Dankden Einwirkungen des Golf-stromes besitzt Nordeuropaein weit gleichmässigeres undmilderes Klima als Mittel-europa. Selbst das nördlicheNorwegen hat noch ein aus-gesprochenes Seeklima undam Nordcap friert das Meerniemals zu. Im Inneren vonNorwegen, auf den schnee-bedeckten Hochplateaux frei-lich ist der Winter rauh und