E. Osteuropa. — Das russische Reich.
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Stari Tscherkask.
Hauptort der Halbinselist Simferopol (54.000 Ein-wohner), zugleich Hauptstadtdes Gouvernements Taurien, infortgesetztem Aufschwünge be-griffen, mit vielen ansehnlichenNeubauten. Das Land ringsumist ein wahres Obstparadies. —
Baktschisaraj (11.000 Ein-wohner), die alte tatarischeHauptstadt der Krim, mit demehemaligen Residenzpalaste derKhane, vielen Moscheen, Brun-nen und Bädern. — Karasu-Bazar (12.000 Einwohner), ge-werbfleissige und handeltrei-bende Stadt, mit geräumigenWaarenhallen. Lederfabrikationund Töpfereien. — Sewastopol(21.000 Einwohner), währenddes Krimkrieges fast gänzlichzerstört, in den letzten zwanzigJahren aber wieder rasch zu deralten Bedeutung als Hauptkriegs-hafen des Schwarzen Meeresemporgewachsen, mit Kriegs-werfte und neuen Docks. Diefrüheren, durch die Alliirtenim Jahre 1855—1856 zerstörtenFestungswerke sind zum Theilnoch in Ruinen (darunter der„Malakow”) vorhanden. In derNähe lag die milesische Colonie-stadt Chersonesos mit einem be-rühmten Artemistempel („Iphi-genia auf Tauris”)- — Eupa-toria (9000 Einwohner), gleichSewastopol an der Westküsteder Halbinsel gelegen, hat starkbesuchte Schlammbäder.
An der Südküste der Krim liegen in zum Theil üppigen Gartenlandschaftendie kaiserlichen Schlösser Livadia und Gross-Orianda, das kaiserliche Lust-schloss Eriklik und der Garten Nikita. Mittelpunkt dieses Bezirkes ist das Städt-chen Jalta (3000 Einwohner). Bei Alupka befindet sich das wegen seines Stilesund seiner inneren Pracht merkwürdige Schloss des Fürsten Woronzow. — An derOstküste der Krim liegen: Feodosia (oder Kaffa, 9000 Einwohner), einst, als ge-nuesische Coloniestadt, gross und blühend (über 100.000 Einwohner), derzeit von ge-ringer Bedeutung, mit etlichen Fabriken; dann, etwas weiter östlich, Kertsch(24.000 Einwohner) und Jenikale an der gleichnamigen Meerenge und am Eingängezum Asow’schen Meere gelegen, mit ansehnlichen neuen Befestigungen. In der Um-gebung befinden sich Gräber und andere Erinnerungszeichen an das „BosporanischeReich” des grossen Mithridates. Bemerkenswerth sind auch die hier und auf dergegenüberliegenden (asiatischen) Seite gelegenen Schlammvulcane.
c) Das Land der domschen Kosaken.
Unter der officiellen Bezeichnung* „Provinz des Don’schenHeeres” erstreckt sich dieses Gebiet zu beiden Seiten desunteren Don und seiner Nebenflüsse mit autonomer Verwaltung*und der dem Kosakenwesen eigenthümlichen militärischen Orga-nisation. Kleinrussischen Ursprungs, haben die Don’schenKosaken im Laufe der Zeit mancherlei fremde Elemente(namentlich tatarische) in sich aufgenommen. Von der Gesammt-bevölkerung (circa 1 Million Seelen) sind zwei Drittel Kosaken,ein Drittel Bauern. Am reinsten hat sich das ursprünglicheKosakenblut an der Donmündung erhalten. Das Don’scheKosakenheer bildet den Hauptstock der irregulären russischenReiterei, doch gehören einige Regimenter auch zur regulärenReiterei. An der Spitze der Verwaltung steht der Ataman mitdem Range eines Militärgouverneurs. Ataman aller Kosaken
ist der Grossfürst-Thronfolger. Die Kosakenbevölkerung be-schäftigt sich ausser mit Vieh(hauptsächlich Pferde-)zucht auchmit Ackerbau und Bergbau. Am Donez liegen ergiebigeKohlenreviere.
Hauptort des Dongebietes ist Nowo-Tscherkask (40.000 Einwohner), erstzu Anfang unseres Jahrhunderts gegründet, unfern des Don in reizloser und unwirk-licher Steppengegend gelegen, aber in fortgesetztem Aufschwung begriffen. — Unfernder Donmündung liegt, ganz von Wasser umgeben, Stari - Tscherkask, einemalerische, orientalisch-alterthümliche Stadt, mit vergoldeten Kuppelthürmen, einstMittelpunkt des Kosakengebietes, jetzt eine stille, halb verlassene Oertlichkeit. DieHochwässer des Don isoliren zu Zeiten die Stadt gänzlich von der Aussenwelt; dannist selbst in den Strassen von Stari-Tscherkask der Verkehr nur in Kähnen möglich.Aus diesem Grunde wurde Nowo-Tscherkask als neuer Verwaltungssitz des Don-gebietes gegründet. — Rostow (47.OOO Einwohner), befestigte Stadt unfern derDonmündung, wichtig als Messplatz. — Nachitschewan (18.000 Einwohner), unfernvon Rostow, mit bemerkenswerther gewerblicher Thätigkeit (Seide, Wolle, Leder).
— Asow (18.000 Einwohner), einst eine viel umstrittene Festung am gleichnamigenMeere und Sperrpunkt vor der Donmündung. Die alten Befestigungen sind demVerfalle anheimgegeben. Bei Asow lag die berühmte milesische Coloniestadt Tanais.
— Die übrigen grösseren „Städte” sind nichts Anderes als aussergewöhnlich volk-reiche Stanitzen (oft bis zu 20.000 Seelen) des Don’schen Heeres,
8. Das ehemalige Königreich Polen.
Flächeninhalt: 127.317 Quadratkilometer; Bewohnerzahl: 7,417.000 (58auf 1 Quadratkilometer), wovon 4*6 Millionen Katholiken, o*8 Million Juden, derRest Protestanten und Griechisch-Katholische. — Das Gebiet des ehemaligen König-reiches bildet seit 1815 einen Theil des russischen Reiches. Es besass eine autonomeVerfassung, wurde aber in Folge wiederholter Erhebungen 1868 ganz mit dem russi-schen Reiche verschmolzen, indem es die Gouvernementsverwaltung erhielt. Das Landist, bis auf einen kleinen Abschnitt im Süden (Lyssa Gora, 611 Meter),eine vollkommene Ebene, theils Culturboden, theils Moräste und Waldungen.Der Culturboden liefert Getreide über den Bedarf. — Gouvernements:Suwalki, Lomza, Plock, Kalisz, Warschau, Kjelce, Ljublin, Radom, Piotro-kow, Siedlce.
Warschau (432.000 Einwohner, ein Viertheil Juden,ein Zehntel Deutsche), am linken Ufer der Weichsel undin einer sandigen Ebene gelegen, aus der romantischen,alterthümlichen Altstadt und der prächtigen Neustadt be-stehend — am rechten Weichselufer die Vorstadt Praga —voll der schönsten alten und neuen Gebäude. Die bemer-kenswerthesten derselben sind: das königliche Schloss(Zamek krölewski), unschön aber weitläufig; das Lust-schloss „Lazienki” des letzten polnischen Königs StanislausAugust, mit Garten, Theater und Wasserkünsten; der Kra-sinskische Palast, jetzt Amtswohnung des Gouverneurs,das schönste Gebäude der Stadt, mit dem Nationaltheater;der „sächsische Palast”, mit schönem Garten, das Brühl-sche Palais, das Rathhaus u. s. w. Von und zu den schönenPlätzen, unter welchen den König Sigismundplatz daseherne Standbild des Königs Sigismund III. ziert, führenzum Theil prachtvolle, geräumige Strassen, in welchenzahlreiche Paläste des polnischen Hochadels stehen. Unter
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Der sächsische Garten in Warschau.