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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Asien. Allgemeine Uebersicht. — Bodengestalt.

Nordwestwinde (häufig auch Cyklonen)und das Meer ist bis zum 42. Breiten-grad hinab oft noch bis in den Maihinein mit Eis bedeckt.

In Innerasien macht sich einegewisse Gleichmässigkeit des Klimasgeltend, hervorgerufen durch die mäch-tigen Erhebungen, welche heftige Luft-strömungen und in Folge dessengrosse Luftdruckschwankungen ver-hindern. Die sommerliche Trockenheitbedingt, dass den feuchten .Seewindender grösste Theil ihres Dunstgehaltesentzogen wird. — Man kann Hoch-asien als eine klimatische Provinzfür sich betrachten. — Eine andereProvinz ist die aralokaspischeSenke, in welcher die Sommerhitzehöhere Grade erreicht, der Winteraber bedeutend milder als in Hoch-asien ist. — Die dritte Provinz istdas östliche Vorderasien, welchesnoch zum Wüstengürtel Asiens ge-hört. Hier findet man — an der Nord-grenze der Tropen — die heissestenStriche der Erde, zumal am Küsten-rande -von Iran. — Das westlicheVorderasien bildet eine Provinz für sich, die subtropische, deren Klima sich demeuropäischen Mittelmeerklima nähert.

Süd- und Ostasien. Dieser Abschnitt gehört, wie bereits erwähnt, dem Monsun-gebiete an. Es herrscht ein regelmässiger zweifacher Wechsel der Jahreszeiten vor.Am ausgeprägtesten ist dieser klimatische Charakter in Südasien. Ostasien unterliegtstellenweise bereits den Einflüssen der kalten nordwestlichen Luftströmungen. ImGebiete von Peking herrscht beispielsweise ein ziemlich fühlbares Continentalklima,indem dessen Sommerwärme derjenigen von Neapel gleich ist, während es denWinter mit dem südlichen Schweden gemein hat.

Der Tropenzone gehört nur ein kleiner Theil von Asien an: der südlicheAbschnitt von Hinterindien und der ostindische Archipel. Wind- und Regen-verhältnisse entsprechen indess durchaus der Monsunzone.

Florengebiete. Von den 24 Florengebieten der Erde ge-hören nicht weniger als sieben zu Asien, und zwar:

1. Das arktische Gebiet, in welches das ganze nörd-liche Küstenland von Sibirien fällt. Für dieses Gebiet ist dieKürze der Vegetationsperiode und die verhältnissmässig geringeWärme dieses Zeitraumes charakteristisch. Hierher gehörenauch die Tundren, gewaltige, mit Mosen, Flechten und niedrigenZwerggesträuchen bestandene, im Untergründe stets gefroreneSumpfsteppen, oft von ganz dürren Strecken durchsetzt.

2. Das (europäisch-) sibirische Waldgebiet. Sein klima-tischer Charakter beruht darin, dass die gesammte drei Monateüberschreitende Vegetationszeit eine gleichmässige Mittelwärmebesitzt und nicht durch regenlose Perioden unterbrochen wird.Dieses Gebiet reicht südwärts bis über die Quellen der grossensibirischen Ströme hinaus, fällt also mit der Naturgrenze vonNordasien (beziehungsweise des sibirischen Tieflandes) zu-sammen.

Die ungeheuren Wälder Sibiriens bestehen vorwiegend aus Nadelhölzern,denen sich die Birke zugesellt. Eigentliche Laubholzwälder giebt es nur im Süden.Pappeln, Espen und Ebereschen herrschen vor; die moosbedeckten Gründe über-ziehen zahlreiche Beerengewächse. Dieser hoch-nordische Waldgürtel ist ein Jagdgebiet,welches der Ackerbau nie verdrängen wird.

Auch sind die klimatischen Verhältnisse einHinderniss der Cerealiencultur. Besser bestelltist es mit dem Landgebiete am Amur, wo dieWälder zwei Drittel der Bodenfläche einnehmen.

Unter den Nadelhölzern behauptet die Lärchedie erste Stelle; ihr folgen Fichte, Tanne undZirbelkiefer. Von Laubhölzern seien erwähnt:

Birke, Eiche, Ulme, Esche, Ahorn, Linde, Akazie,dann Nuss-, Apfel- und Birnbaum. Der Cha-rakterbaum der Amurflora ist die mongolischeEiche. Ueberhaupt macht der Reichthum desAmurlandes an den mannigfachsten Vegetabiliendasselbe zu einem der werthvollsten Gebiete inRussisch-Asien.

3. Das Steppengebiet. Dieklimatischen Verhältnisse dieses Ge-bietes charakterisiren sich in einemstrengen, langdauernden Winter,welchem ein kurzer Frühling, diesemein regenloser glühender Sommerfolgt, an den sich fast unmittelbardie Schneefälle des Winters an-schliessen. Für das Wachsthum derPflanzen kommt nur der Frühlingin Betracht. — Dieses Gebiet um-fasst das ganze mittlere Asien, reichtaber in der westlichen Hälfte biszum Indischen Ocean (Küste vonBeludschistan). Im äussersten Westen

von Asien reicht das Step-pengebiet bis zu den Rand-gebirgen Kleinasiens undzum syrischen Hochlande, imOsten bis zu den Becken desJang-tse-kiang u. Hoang-ho.

Die Mannigfaltigkeit der Pflan-zentypen und der Vegetationsdecke indiesem Gebiete ist sehr spärlich. Imeigentlichen Mittelasien ist fastalles Land Steppe oder Wüste; derculturfähige Boden tritt fast ganzzurück. Ursache dieser Erscheinungist die Trockenheit des Klimas. Hierzugehört auch die Gobi, deren süd-licher Theil eine wilde, unfruchtbareWüste ist. — Auch Tibet ist pflanzen-arm, wie aus den BeschreibungenH. v. Schlagintweit’s hervorgeht. Dashervorragende Getreide ist Gerste,ausserdem gedeihen Rüben, Reis,Weizen. Zwischen Obstgärten ragenöfter Reihen hoher Pappeln hervor.Von den Obstarten sind (in Ladak)Aepfel, Birnen und Pflaumen, Apri-kosen und Pfirsiche anzuführen. — Die Vegetation in Turan beschränkt sich nurauf die Oasen und die von Flüssen durchströmten Thäler. Am besten bestellt ist esmit der Strecke zwischen Buchara und Samarkand, welche eine blühende Cultur zeigt.Im Allgemeinen wird in den cultivirten Gegenden hauptsächlich Weizen gezogen,dann Hirse, Mais und Mohn. Reis gedeiht nicht sonderlich. Dagegen steht die Obst-cultur in hoher Blüthe. Berühmt sind die Granatäpfel Chiwas; Pfirsiche, Aprikosenund Feigen sind allgemein. Ein wahrer Obstgarten ist das Thal von Kabul.

Zum mittelasiatischen Steppengebiete gehört noch ganz Westasien. Hierbildet der Kaukasus (mit den anschliessenden Gliedern am Nordrande von Persien)ein kleines Waldgebiet inmitten der Wüsten und Steppen. Prachtvolle Ulmen, imSüden Kastanien — seltener Eiche — Ahorn, Linde, Platane, Birke, Tanne, Kieferund Fichte bilden die Wälder. Theile von Transkaukasien besitzen noch alleBedingungen für das Gedeihen der Pflanzenwelt Mitteleuropas mit seinen gemischtenLaubwäldern. — Armenien ist im Allgemeinen Hochsteppe und Kurdistan weichtnicht wesentlich davon ab. Zusammenhängender Waldbestand gehört nur den äusser-sten Randgebirgen an. Indess ist, trotz der bedeutenden absoluten Höhe, der Ge-treidebau allenthalben im Schwange. — Das Innere von Kleinasien ist theilsSteppe, theils Culturboden. Mesopotamien zeichnet sich im Norden und Südostendurch grosse Fruchtbarkeit aus. Der mittlere Theil ist Steppe, welche im Süden indas Wüstengebiet von Inner-Arabien übergeht.

4. Wüstengebiet. Man begreift darunter die grosse afri-kanische Wüste (Sahara), doch gehört, was Klima und Floraanbetrifft, auch die Halbinsel Arabien dazu. Ein Drittel desganzen Gebietes ist unveränderliche Wüste. Im Inneren derHalbinsel bilden ausgedehnte Berglandschaften (Schamar,Nedschd) vermöge ihres reichlichen Winterregens Sitze desWohlstandes und der Cultur.

Die Flora Inner-Arabiens ist reich an aromatischen und harzreichen Pflanzen.Die Küsten bilden ein selbständiges Vegetationsgebiet— das der Balsamsträucher.In Jemen hat der aus Afrika verpflanzte Kaffeebaum eine zweite Heimat ge-funden. Die Wälder weisen viele Typen des benachbarten Afrika auf: Mimosen,Sykomoren und Dornsträucher. An der Südküste tritt der ostindische Weihrauch-baum auf. — Der Charakterbaum Arabiens und der ganzen subtropischen Zone aberist die Dattelpalme. Herrliche Dattelwälder besitzt namentlich das südöstliche

Mesopotamien. Von der Dattelpalme kann manin Wahrheit sagen, dass keine Pflanze in Reli-gion, Geschichte und Dichtkunst eine gleichwichtige Rolle gespielt habe. Aber der Baumist nicht immer das gewesen, was er jetzt imvollen Maasse ist. Kameel und Dattelpalme, zweiinnerlich verwandte und denselben Existenzbedin-gungen unterworfene Geschöpfe, gehören demWüstenvolke nicht ursprünglich an, sondern sindvon ihm geschaffen worden: es hat das ersteregezähmt, die letztere veredelt und als Cultur-pflanze verbreitet.

5. Indisches Monsungebiet.DiesesGebiet—mittropischemKlimaund tropischen Vegetationsverhält-nissen — umfasst die beiden indi-schen Halbinseln und den ostindi-schen Archipel. Indess zeigen Indienund die im Süden Asiens gelegeneInselwelt so grosse Gegensätze, dasssich einzelne Unterabtheilungen vonselber ergeben.

In dem Monsungebiete erreichen (nachDrude) die Palmen ihre grösste Ausbreitung.Auf den Sundainseln bilden viele Palmen Wälder,zumal die nützlichen Areka-, Kokos- undSagopalmen. Neben den Palmen zeichnen sichunter den indischen Pflanzen die Bambusendurch eine hohe Mannigfaltigkeit der Gestaltungund durch ihr noch allgemeineres Vorkommenaus. — Die Regionen des Himälaya zeichnensich durch grosse Abstufungen in vegetativerBeziehung aus. Die niedrigen Vorberge sind mit

Mangrovesümpfe bei Sandakan. (Nordost-Borneo.)

Tropenwald auf Ceylon.