Karte 
Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
Entstehung
Seite
211
JPEG-Download
 

Asien. Allgemeine Uebersiclit.

Die Völker Asiens.

21 I

Der Mohammeda-nismus (Islam). Er ist überganz Mittel- und Vorderasienverbreitet, hat aber auchunter den Indern (Bengalen)und selbst unter Angehöri-gen des chinesischen Stam-mes zahlreiche Anhänger. Diegesammte islamitische Weltist durch ein Schisma in zweiGlaubensgemeinschaften aus-einandergerissen. Die Perserund etliche andere kleineV ölkersplitter sind Schiiten,alle übrigen MohammedanerSunniten. Ein dogmatischerUnterschied zwischen beidenbesteht nicht, es ist lediglicheine Personalfrage. Die An-hänger der „Schia” behaupten nämlich, nicht die ersten Khalifen(Abu Bekr, Omar und Othman) hätten dem Propheten Moham-med in der Ausübung der Herrschergewalt succediren sollen,sondern vorerst Ali, in Folge seiner Verwandtschaft mit demPropheten. Ihre Gegner halten an der „Sunna” (d. i. Ueber-lieferung) fest, daher „Sunniten”.

Diese Spaltung hatte furchtbare Religionskriege zur Folge, in welchen zuletztdie Anhänger Ali’s unterlagen. Seine beiden Söhne Hossein und Hassan wurden in

Armenisches Mädchen.

Perser.

einem Kampfe bei Kufa (in Mesopotamien) erschlagen und dort ruhen auch Vaterund Sohn — Ali zu Nedschef, Hossein zu Kerbela. Beide Oertlichkeiten sind unterden Schiiten hoch in Ehren gehaltene Wallfahrtsorte. Die Leidensgeschichte Hossein’sbildet den wichtigsten Theil der religiösen Ceremonien der „Schia”. — Aus derletzteren Lehre sind verschiedene Secten hervorgegangen, welche indess nicht sehrzahlreich sind. Die wichtigsten sind die Nasarier und Ismaelier im Libanon, dieJeziden und Kizylbaschen in Kurdistan und Theilen von Iran, die Ali Jlahiin den Gebirgen nordöstlich von Bagdad. Ausser in Persien finden sich auch inAfghanistan, Kaschmir und Indien Schiiten.

Magismus. Zu diesem bekennen sich die Parsis, welcheder letzte Ueberrest der zoroastrischen Perser sind. Wir findensie etwa 200.000 Seelen stark in Bombay, Surate, Baroda,Ahmadabad und anderen Orten an der Westküste von Indienals Kaufleute angesiedelt. In Persien selbst finden sich nurzwei kleine Gemeinden in Yezd und Kirman, welche nur wenigetausend Köpfe zählen sollen. Sie wohnen inmitten einer feind-seligen moslimischen Bevölkerung und besitzen keine Feuer-tempel, sondern begnügen sich mit Hausaltären.

Die Parsis bilden ein betriebsames und achtbares Element, ausgezeichnetdurch Bildungstrieb und Wohlthätigkeitssinn, was hauptsächlich von den indischenParsis gilt. Kein Parsi bettelt, kein Mädchen, keine Frau führt einen unehren-haften Lebenswandel. In Indien hat es selbstverständlich keine Noth mit der Aus-übung der zoroastrischen Cultusformen. • Wo die Oertlichkeit es irgend erlaubt,geht der Parsi vor Sonnenaufgang ins Freie, kniet beim Erscheinen der Sonne niederund richtet sein Gebet an das Symbol des Schöpfers, ganz so wie es im Zend Avestasteht . . . „Alles erhält Leben durch die Sonne; ihr verdankt die Erde Fruchtbar-keit, die Seele ihr Dasein, die Pflanze ihr Wachsthum. Sie giebt Allen Bewegung,sie ist Ursache, dass alles miteinander in Verbindung steht; ihr Einfluss ist so altwie die 'Welt.”

Lesghier.

A. Westasien.

KaukasusgebietTürkisch-Asien

Halbinsel Arabien und Sinaigebiet.

Da nach Ansicht der Parsis dermenschliche Leib der Sitz der Sünd-haftigkeit ist, würde die Erde durchein Begräbniss verunreinigt, das Feuerdurch Verbrennen besudelt werden.Die Parsi setzen daher die Leichender Verstorbenen dem Vogelfrasseaus, und zwar in eigens zu diesemZwecke bestehenden Bauten, welcheman „Dakhma” — Thürme des Schwei-gens — nennt.

Länderbestand. Der Welt-theil Asien bedeckt einenFlächenraum von 44,580.000Quadratkilometern. Von derpolitischen Eintheilung ab-gesehen, gliedert sich diesegewaltige Landmasse in nach-stehende Gebiete, in welcheauch die folgenden Abschnit-te eingetheilt sind, und zwar:

In politischer Bezie-hung greift das Kau-kasusgebiet nach Arme-nien über und gehörtdie Sinaihalbinsel zuAegypten.

liriiTnninmt qht t jij

■ b; ;::*l »■:[ v- h i. ■ 1: . L j

lUKuimjnipfau' uiiumtcu'ummmp;: • [mmtufuw

1. Hochasien

2. Turkestan

B. Südasien.

1. Iran.

2. Vorderindien.

3. Hinterindien.

4. Ostindischer Archipel.

C. Ostasien.

1. China (Kaiserreich).

2. Korea (Königreich).

3. Japan (Kaiserreich).

D. Mittelasien.

Politisch zerfällt Mittelasien: in den AntheilChinas an Hochasien; in Russisch-Turke-stan; in den Antheil Afghanistans anTurkestan und in die sogenannten Stepp en-chanate (Buchara, Chiwa).

E. Nordasien (fällt in politischer Beziehung mit Si-birien zusammen).

In politischer Beziehung unterscheidet man:

In Iran: a) das Königreich Persien, b) Afghanistan, c) Be-ludschistan;

in Vorderindien: a) Britisch-Indien, b) Tributärstaaten,c) unabhängige Himälayastaaten;in Hinterindien: a) Britisch-Hinterindien (einschliesslich desehemaligen Königreiches Birma), b) unabhängiges Ma-lakka, c) Königreich Siam, d) Französisch-Hinterindien(Cochinchina, Tongking und den Schutzstaat Annam);im ostindischen Archipel: a) niederländisches Colonialreich,b) spanisches Colonialreich, c) unabhängige Eingeborenen-reiche.

Ausserdem Colonien der Franzosen und Portugiesen inVorderindien, der Engländer im ostindischen Archipel und derPortugiesen in China (Macao).

Kurdinnen.

53*