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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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A. Westasien. — II. Die asiatische Türkei.

Küstenzone, welche sich vom Meere aus landeinwärts zu einem wilden, durch-klüfteten und allenthalben nur schwer zugänglichen Küstengebirge aufbaut.Im Norden und Osten wird das lazische Gebirgsland vom Tschoruk, der beiBatum ins Schwarze Meer mündet, umflossen.

3. Kurdistan.

Flächeninhalt: 190.000 Quadratkilometer; Bewohnerzahl: 882.000Seelen, zumeist Kurden, ferner nestorianeische Christen und Armenier. Dieletzteren siedeln im Becken des Yansees, die Nestorianer südlich hiervon ineiner wilden, aber romantischen Bergwelt, mit burgähnlichen Gehöften ansteilen Lehnen über den Abgründen der Bergströme.

Kurdistan erstreckt sich im Westen längs des ver-einigten oberen Euphrat bis zu seinem Eintritte in diemesopotamische Ebene, im Norden bis zum östlichenEuphrat, im Osten bis zur persischen Grenze (ethnogra-phisch aber darüber hinausgreifend), im Süden so weit dieAusläufer des Taurussystems, welcher das ganze Landin einem sanft geschweiften Bogen durchzieht, reichen.Im Grossen und Ganzen ist es das Gebiet des ehemaligenAssyrien. Die Kurden gelten für die mit mancherleiElementen vermischten Nachkommen der alten Meder. Siesind ein unbotmässiges, räuberisches Volk mit einer dem

Strasse in Erzerum.

Boden Vorderasiens sonst fremden Kastenorganisation, welche„Edle” und „Ackerbauer” unterscheidet.

In administrativer Beziehung umfasst Kurdistan dreiGeneralstatthalterschaften (Djarbekr, Van und Mosul) unddas selbständige Mutesariflik von Charput (Mamuziet-ul-Aziz).

Kurdistan ist ein wildes Alpenland und besitzt das Klima eines solchen.Der Tigris, welcher nordwestlich von Djarbekr entspringt und das Land in zweiannähernd gleiche Theile scheidet, nimmt von links her mehrere bedeutende Alpen-ströme auf, deren Wassermenge in der Frühjahrsschmelze ungeheuer anwächst. —Von diesem alpinen Kurdistan ist das kurdische Vorland, welches den Ueber-gang zu Mesopotamien vermittelt, wohl zu unterscheiden. Hier herrscht bereits einsubtropisches Klima, gedeihen Südfrüchte und beginnt das Verbreitungsgebiet derDattelpalme.

Culturverhältnisse. Im Allgemeinen sind die Thalgegendengut cultivirt und theilweise so ausserordentlich fruchtbar, dassder Kreis von Charput officiell den Namen „der heilige Wohl-stand” führt. Im Flor steht der Gartenbau und die Obstcultur.Der Ackerbau liefert Gerste, Weizen, Korn, Hirse, auch Reis,ferner Sesam, Krapp, Mohn, Tabak. Auch der Weinstock gedeihtstellenweise. Es werden ferner die Baumwollstaude und derMaulbeerbaum cultivirt. Sumach wächst in Menge, die Gall-äpfelernte bildet einen wichtigen Handelsartikel.

Trapezunt: die Burg.

Die Viehzucht liefert viel Wolle, Felle und Ziegenhaare.— Die Industrie ist unbedeutend, jedoch erwähnenswerth inMaroquin- und Saffianleder, Baumwoll- und Seidenmanufactur. —Der Bergbau liefert Kupfer in reichlicher Menge, fernerSilber, Blei und Eisen.

Kurdistan wird an seinem südlichen Rande von der grossenKarawanenstrasse, welche von Syrien ausgeht und inBagdad endet, durchzogen. Der Transithandel ist von Bedeu-tung. Die genannte Karawanenstrasse ist in ihrer Richtung soziemlich identisch mit der projectirten „Tigrisbahn”.

Die natürliche Hauptstadt von Kurdistan istDjarbekr (30.000 Einwohner), am steilen rechtsseitigenTigrisufer gelegen und von Mauern umzogen — einst als „KaraAmid” ein Bollwerk seldschukischer Theilfürsten, dermalenziemlich herabgekommen, aber wichtig als Euphratsperre undSitz verschiedener christlicher Kirchenhäupter, nämlich deschaldäisch-katholischen Patriarchen, eines katholischen Bischofsund des jakobitischen Patriarchen. Die Bewohner beschäftigensich mit Töpferei und Kupferarbeiten, Seiden- und Baumwoll-webereien. Lebhafter Transithandel.

Die volkreichste Stadt Kurdistans ist Mosul (40.000 Ein-wohner), am rechten Tigrisufer und bereits am Rande jenerEbene gelegen, welche den Uebergang nach Mesopotamien vermittelt.Die Stadt steigt eine mässige Uferhöhe hinan und ist von Mauern um-geben. Bemerkenswerthesist nichts an ihr. Teppichfa-brikation, Industrie in Eisenund Kupfer.

Am gegenüberliegenden linkenTigrisufer erstreckt sich das ausge-dehnte Feld von Ninive, mit bemer-kenswerthen Resten der einst glanz-vollen Weltstadt, welche wiederholtder Gegenstand eingehender örtlicherUntersuchungen waren. Etwas weiternördlich liegt das Dorf Khorsabad,gleichfalls mit berühmten assyrischenRuinen. — Im Osten von Ninive er-streckt sich das Schlachtfeld vonGaugamela.

Von wichtigen Oertlichkeitensind noch zu nennen: Arghana(50O0Einwohner), in dessen Nähe sichdie bedeutenden Kupferminen vonMaaden-Kapur befinden. — Charput(10.000 Einwohner), mit Seidenmanu-factur. — Kj eban-Maaden, amEuphrat, wichtig durch sein Silber-bergwerk. — Mardin (15.000 Ein-wohner), zwischen Tigris und Euphrat,hochgelegene Bergstadt mit starkemCastell. — Rowandis und Sulej-manje, kurdische Bergstädte, mitSumackfabrikation und Galläpfelkan-del. — Erbil (das alte Arbela),Altyn-Kjöpri und Kerkuk, Tran-sithandelsstationen. — Im Westen vonMosul erstreckt sich — mitten in dernordmesopotamischen Tiefebene — dasSindj ar-Gebirge, meist von soge-nannten „Teufelsanbetern” (Jeziden),einer chaldäisck-moslimiscken Secte,

Kurde.