A. Westasien,
II. Die asiatische Türkei.
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Mosul (Hochmesopotamien).
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welche dem Culte des „gefallenen Engels” huldigt, bewohnt. Es giebt mehrere ansehn-liche Ortschaften in oasenähnlichen Culturen. Das Gebirge selbst ist felsig und wüst.
4. Mesopotamien.
Flächeninhalt: 300.000 Quadratkilometer; Bewohnerz ah 1:1,600.000 Seelen,fast durchwegs Araber, von welchen der grösste Theil unbotmässige Beduinenhordensind, welche die ottomanische Autorität nicht anerkennen.
Unter Mesopotamien im engeren Sinne versteht man,wie dies schon der Name sagt, das zwischen den Zwillings-strömen Euphrat und Tigris gelegene Tiefland. Wir nehmen— conform der administrativen Eintheilung — noch alles Tief-land südlich des Euphrat und östlich des Tigris (bis zur persi-schen Grenze) hinzu. Der grösste Theil dieses Gebietes istSteppe, im nördlichen Theile sogar Salzsteppe, weite Streckensind auch völlig sterile Wüste, namentlich südlich des Euphrat.Der Euphrat windet sich in unzähligen Krümmungen durch eintief eingeschnittenes, hochufriges Bett von Lehm-, Mergel- undGypsablagerungen. In seinem Unterlaufe tritt er regelmässigzur Zeit der Hochwässer über seine Ufer und überschwemmt(im Vereine mit dem noch wasserreicheren Tigris) alles Landvon Bagdad bis zum Ruinenfelde von Babylon und weit nachSüden bis Basra. Das einst grossartige babylonisch-chaldäischeCanalnetz zwischen den Strömen ist grösstentheils verfallenund dient nicht nur den Raubthieren der Wüste, sondern auchden Wegelagerern als Schlupfwinkel.
Das Klima ist ein subtropisches, gekennzeichnet durchdas Vorherrschen der Dattelpalme, dieses „Charakterbaumesdes arabischen Klimas”.
Die Bodencultur beschränkt sich fast nur auf Oasen undeinen anbaufähigen Streifen am östlichen Tigrisufer. Immerhinist die Cerealienproduction eine bedeutende. Ausserdem bautman: Krapp, Sesam, Hanf, Tabak. Die Dattelpalme ist füreinen grossen Theil der Bevölkerung, namentlich für die derOasen, die Nährpflanze. Ausserdem kommen alle Südfrüchte inreicher Menge vor.
Viehzucht wird lebhaft betrieben, Pferde und Kameelegelangen in Menge zur Ausfuhr; auch das fettschwänzige Schalist vorhanden.
Die Industrie ist bedeutend in Seiden- und Baumwoll-manufactur, Goldstickerei, Färberei, Sattlerei, Maroquinfabrika-tion, Kupfer-, Gold-und Silberarbeiten. — Der Handel bewegtsich auf fünf grossen Strassen: nordwärts über Mosul nachSyrien, ostwärts nach Persien, südwärts zum Persischen Golfe,westwärts durch die grosse euphratensische Steppe nach Syrien,südwestwärts nach den Oasenstaaten Arabiens.
In administrati-ver Beziehung um-fasst das weiter obenbezeichnete Gebietzwei Generalstatt-halterschaften(Bagdad und Basra);der nordwestlichsteTheil von Mesopota-mien (Urfa) gehörtzum syrischen Vilajetvon Aleppo.
Die wichtigsteStadt ist
Bagdad (50.000Einwohner), einst derStolz des Islam undMittelpunkt der Cul-tur unter dem Khali-fate der Abbassiden.Zur Zeit Harun-al-Raschid’s die ersteStadt der Welt mitzwei Millionen Ein-wohnern, wurde Bag-dad nachmals vondemMongolenfürstenHulagu - Khan fastgänzlich zerstört undist seitdem dem Ver-falle preisgegeben.Die Stadt erstrecktsich am linken Tigris-ufer, mit einer Vorstadt am rechten Ufer. Den Verkehr über denStrom vermittelt eine primitive Schiffbrücke. Die eigentlicheStadt wird von einer halb in Ruinen liegenden Wallmauer um-zogen, die einen fast doppelt so grossen Raum, als die Stadteinnimmt, umspannt. Den freien Raum nehmen Gärten undSchutthügel ein. Das Schönste an Bagdad sind seine Moscheen,deren es über hundert giebt. Die Gouverneurswohnung ist eineArt Castell, knapp am Tigris.
Unter allen Städten des näheren Orient ist Bagdad alsHerd der Cholera und der Pest berüchtigt, welche durch dieungeheuerlichen Leichentransporte der schiitischen Perser nachden Passionsstätten der Schiiten (Kerbela und Nedschef, un-fern des Euphrat) verursacht werden. Auch von Ueberschwem-mungen wird die Stadt häufig heimgesucht. Von Denkmälernaus der Khalifenzeit ist nur ein starkes, unschönes Gebäudeam rechten Tigrisufer vorhanden, welches fälschlich für einenTheil des berühmten Khalifenpalastes ausgegeben wird. Auf der-selben Seite befindet sich das pyramidenförmige Grabdenkmalder Zobei*de, Gattin Harun-al-Raschid's. — Die Bewohnersind sehr gewerbfleissig (Seiden- und Wollmanufacturen, Metall-und Lederarbeiten) und treiben einen einträglichen Handel.
In der Umgebung von Bagdad befinden sich culturgeschichtlich hochwichtigeOertlichkeiten: Seleukia (mit wenigen Ueberresten), das sassanidische Ktesiphon(mit den Resten des Königspalastes), vor Allem aber die Stätte von Babylon —einst die erste Stadt Asiens — jetzt nichts weiter als ein weites ödes Feld mithohen Erdwällen und dem aufrecht stehenden Ziegelpfeiler des „Birs Nimrud”, welcher
Kellek (Schlauchfloss) auf dem Tigris.
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