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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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A. Westasien. — II. Die asiatische Türkei.

Der Birs Nimrud oder „babylonische Thurm”

der letzte bauliche Rest der Riesenstadt ist und für ein Ueberbleibsel des „Belus-Thurmes” angesehen wird. — Auf der entgegengesetzten Seite des Euphrat befindensich Kerb ela, mit der Grabstätte Hossein’s, Sohnes des vierten Rhalifen Ali, undNedschef, wo Ali selber ruht — Beide Märtyrer der „gerechten Sache”, welchedie Schiiten für die ihre ausgeben. In dieser geweihten Erde zu ruhen ist der Wunscheines jeden Schiiten. Daher der grosse Andrang von Leichenkarawanen, welche vonweither kommen. Die Grabmoschee von Kerbela (mit vergoldeten Kupferplatteneingedeckt) enthält reiche Schätze und Yotivspenden.

Längs des unteren Euphrat erstreckt sich sumpfiges Marsch-land, in welchem die unansehnlichen Ansiedelungen einer über-aus fanatischen Bevölkerung liegen. — Andere Städte im Südensind: Kur na, am Zusammenflüsse des Euphrat und Tigris, ver-fallenes Städtchen ; Endpunkt der Fahrt für Seeschiffe. — Basra ;am Schat-el-Arab (dem vereinigten Euphrat und Tigris); wichtigals Stapelplatz und Transitstation.

Am Euphrat liegen: Hille; innerhalb des babylonischenTrümmerfeldes; Hit, mit Bitumenlagern ; welche seit ältestenZeiten ausgebeutet werden; Ana ; kleines Städtchen. Weiterstromauf: Rakka, Rum-Kaie u. s. w., lauter Oertlichkeitenohne Bedeutung.

Im nordwestlich-sten (administrativ zuSyrien gehörenden)Theile von Mesopota-mien sind erwähnens-, werth: U r f a (Edessa,30.000 Einwohner);die Heimat Abra-ham’S; eine helle,freundliche Stadt;deren Bewohner sichmit Maroquinfabrika-tion; Kattundrucke-rei; Seidenzucht undJuwelenhandel be-schäftigen. — Bired-s c h i k (1 o.oooEinwoh-ner); am Euphrat; mitFabrikation groberWollmäntel.

Das eigentliche Meso-potamien, d.i. das „Zwischen-stromland”, hat keine festenSiedelungen. Es ist das un-geheure Weide- und Wan-dergebiet der nomadisirendenAraber (Beduinen), welchein zahllose Stämme (Tribu)zersplittert sind. Neben denStammesfehden, welche ihrLeben ausfüllen, lassen siesich zuweilen beikommen,die benachbarten, von tür-kischen Truppen besetztenStädte zu bedrohen oder sonst

mit der sesshaften Bevölkerung Händel anzubinden. Der bedeutendste dieser Stämme istjener der Schamara, welcher wiederholt Bagdad bedroht, die Karawanenstrassenverlegt und freche Beutezüge unternommen hat, ohne in ausgiebiger Weise von dembewaffneten Arm der Türken erreicht worden zu sein.

5. Syrien (mit Palästina).

Flächeninhalt: 280.000Quadratkilometer; Bewohnerzahl: 1,100.000Seelen,und zwar: Syrer und arabisirte Syrer, Araber und Türken. Die Syrer zerfallen fernerin Drusen, Nasarier und Ismaelier, heidnisch-(chaldäisch-)moslimische Secten,hervorgegangen aus dem Kharmatenthum, und in die christlichen (monophysitischen)Maroniten. Die Drusen und Maroniten bewohnen den Libanon und Anti-Libanon,wo sie als Todfeinde, die sich häufig blutig bekriegten (zuletzt 1860), nebeneinandersiedeln; Nasarier und Ismaelier hausen im nordsyrischen Gebirge, jenseits des Orontes.

Bagdader Moscheenstil.

In culturgeographischer Beziehung ist Syrien eines derwichtigsten Länder Asiens ; indem es — gleich Vorderklein-asien — eine vermittelnde Rolle zwischen Asien und Europaspielte. Als Heimsitz der Phöniker; dieser ältesten CulturVermittler der Welt; alsKernland des ommejadischen Khalifats mit Damaskus als glänzendem Mittelpunkt;namentlich aber als Ursprungsort des Christenthums mit all den weltbewegendenIdeen, Kämpfen und Errungenschaften, welche sich hieran knüpfen: im Hinblick aufall diese Thatsachen leuchtet die Bedeutung dieses Bodens Jedem von selbst ein.

In bodenplastischer Beziehung unterscheidet man vier natürliche Abschnitte,und zwar:

1. Nordsyrien, den Theil nördlich des Orontes, mit dem Dschebel-Nussai-rieh (dem „Nasarier Gebirge”);

2. das Libanongebiet, Mittel- und Südsyrien erfüllend, das südlich desOrontesknies an das vorgenannte Gebiet anschliesst. Schon nahe am Meeresufersteigt der Boden aufwärts bis zur Hohe des Libanon (Dhor el Chodib 3066 Meter),um sich dann in das durchschnittlich 1000 Meter hohe Thal Bekaa (Cölesyrien)hinabzusenken und jenseits desselben im Anti-Libanon sich wieder zu beträcht-licher Höhe zu erheben (Hermon oder Dschebel esch Scheich, 2759 Meter). ImThale Bekaa entspringen der Asy (Orontes) und der Li tan i (Leontes), welchletzterer die Südgrenze gegen den nächsen Abschnitt,

3. Palästina bildet. Es besteht aus dem Küstenlande und der tiefen Spaltedes Jordanthaies mit dem Becken des Todten Meeres als südlicher Fortsetzung.Südpalästina ist ein durchwegs ödes, wüstes Land — der Uebergang zum „SteinigenArabien”.

4. Die Wüsten und Steppen von Hintersyrien, einschliesslich des Ge-bietes von Damaskus. Dieser Abschnitt ist ungeheuer ausgedehnt und erstrecktsich ostwärts über die kleine Oase von Palmyra fast bis in die Nähe des Euphrat.

Bodencultur. Sie ist in den einzelnen Abschnitten sehr verschieden. In Nordsyrien wird Weizen undSafran gebaut, Weinbau betrieben, die Baumwollstaude cultivirt und Seidenzucht getrieben. Handelsartikelbilden Galläpfel. — Die Viehzucht ist nur unter den Nomadenstämmen an der Ostgrenze von Belang.

Das Libanongebiet producirt hauptsächlich Gerste und Weizen, ferner Tabak, Sesam, Zuckerrohr(wenig und nur an der Küste); von grösserem Belange ist die Seidenzucht. Südfrüchte gedeihen nur imKüstenbereiche; ebenda wird die Schwammfischerei betrieben. Als Product der Viehzucht sind namentlich