Karte 
Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
Entstehung
Seite
227
JPEG-Download
 

A. Westäsien. — II. Die asiatische Türkei.

227

die Rindshäute von Wichtigkeit. — Die Industrie liefert hauptsächlich Seidenstoffe, ferner Abamäntel,Woll- und Baumwollstoffe, Teppiche u. s. w.

Palästina ist in seinem nördlichen Theile ein anmuthiges Gartenland, in welchem fast alleSüdfrüchte vertreten sind. Manche Oertlichkeiten sind von Orangengärten umgeben; andernorts gedeihtder Oelbaum in Fülle und liefert reiches Erträgniss. Von Cerealien werden Weizen, Gerste und Durrahgebaut. Auch Sesam wird gebaut und der Weinstock cultivirt, desgleichen Zuckerrohr und Indigo imJordanthale, Tabak (bei Nablus). Erdpech und Salz gewinnt man am Todten Meere. — Die Viehzuchtist belanglos, desgleichen die Industrie.

In Hintersyrien liefert die Damascener Ebene und das Hauran viel Weizen, ferner Sumach,Pistacien, Krapp. Man pflegt den Nuss- und Aprikosenbaum und den Weinstock. Auch der Oelbaumist sehr verbreitet und liefert geschätzte Oliven. In der Steppe südlich von Damaskus wird aus Salz-pflanzen Kali gewonnen, welches in den Seifenfabriken Syriens Verwendung findet. — Die Viehzuchtist nur im Hauran und in der Nähe des Libanon von Belang. In den entfernteren Steppen beschäftigensich die Beduinen mit Pferde- und Kameelzucht.

Die Industrie besteht in Seidenweberei, Tuch- und Filzfabrikation und Seifensiederei.

In administrativer Beziehung umfasst Syrien mit Palästina zwei General-statthalterschaften (Damaskus und Aleppo) und zwei selbständige Mute-sarifliks (Libanon und Jerusalem).

Die bedeutendste Stadt des Gebietes ist

Damaskus (150.000 Einwohner) — von den Arabern Dimschk genannt —eine der ältesten Städte der Weit, welche schon in der Geschichte Abraham’sgenannt wird und zur Zeit des ommejadischen Khalifats die Höhe ihresGlanzes und Ruhmes erreichte. Die Stadt liegt in einer gartenähnlichen Oase(die „Gutha” genannt), ist aussergewöhnlich ausgedehnt und trägt in ihrerArchitektur unter allen Städten Vorderasiens (und ausser Kairo überhauptin der ganzen moslimischen Welt) das unverfälschteste Gepräge einer arabisch-islamitischen Grossstadt. Unter den 100 Moscheen ist die Ommejadenmoschee(einst die Kathedrale des heil. Johannes) die interessanteste, wegen ihrerKuppel und ihrer Minarets viel bewundert. Die Wohngebäude, äusserlich un-scheinbar, sind im Inneren häufig luxuriös ausgestattet, mit Blumen, Pflanzenund Brunnen geschmückt, mit Ornamenten reich verziert. Der grosse Bazarist sehr bemerkenswerth, desgleichen die Citadelle, welche Amtssitz desGouverneurs ist. Eine Merkwürdigkeit der Stadt sind die vielenKaffeehäuser, welche an den Bächen liegen, die das Garten-land durchfliessen.

Damaskus ist der Hauptmarkt aller Beduinenstämme undStapelplatz für einen grossen Theil Westasiens, grosser Woll-markt, auch wichtig als Fabriksstadt (lebhafte Seidenweberei,

Filzfabrikation, Leder- und Goldarbeiten). Die Stadt ist mitBeirut, der Hafenstadt für das Libanongebiet, durch eineFahrstrasse, auf welcher Postdiligencen verkehren, verbunden.

Ausserdem führt von Damaskus aus südwärts die grosse Kara-wanenstrasse nach Mekka und (durch die Wüste) jene nachBagdad. — Im Norden von Damaskus liegen die Ruinen deralten syrischen „Sonnenstadt” Heliopolis — jetzt Baalbekgenannt — besonders merkwürdig durch die riesigen Monolithe,aus welchen einige Mauern aufgeführt sind.

.Andere bemerkenswerthe Städte in Syrien sind:

a) An der Küste: Beirut (60.000 Einwohner), wichtigster Hafenplatz desLandes und Station der Dampfschifffahrtslinien. Die Bergviertel lösen sich in an-muthigen Gärten auf. Die Bewohner sind sehr gewerbfleissig und beschäftigen sichmit der Erzeugung von Sei-den- und Baumwollstoffen,

Gold- und Silberarbeiten,

Thonwaaren. Von Beirutführt eine Fahr- und Post-strasse nach Damaskus. —

Tripoli (Tarabulus-esch-Scham, circa 15.000 Ein-wohner), nördlich von Beirut,mit der Hafenvorstadt ElMinah; sehr alte Stadt undwichtige Einbruchstation fürdie mittleren Euphratländer.

Altes Schloss aus den Kreuz-zügen. — Lattakia, mitwichtiger Tabakcultur. —

Alexandrette (Iskande-run), am gleichnamigen Golfe,wichtiger Handelsplatz mitvielen Consulaten. Nördlichhiervon das Schlachtfeld beiIssus (jetzt Jüzler).

b) Im Inneren: Aleppo(70.000 Einwohner) — ara-bisch: Haleb — in Nord-syrien gelegene, wirtschaft-lich wichtige Stadt, die einebemerkenswerthe historischeVergangenheit hat, aber zuZeiten von furchtbaren Erd-beben heimgesucht wurde.

Zahlreiche Moscheen, einigeKirchen. Die Industrie ist an-sehnlich: Seidenstoffe, Gold-brokate,Silberwaaren, Seiler-arbeiten. — Killis (6000Einwohner),bemerkenswerthdurch seine Baumwollwaa-ren. — Antakie (15.OOOEinwohner), das alte Anti-

Drusische Emirsfrau.

ochia, sehr herabgekommenes Städtchen mit fanatischer Bevölkerung. Die von denKreuzfahrern erstürmten Befestigungen sind stellenweise noch wohlerhalten und um-ziehen einen weiten Raum. — Horns und Hama, kleine Handelsplätze auf der RouteAleppo-Damaskus. Teppichwebereien. — Deir-el-Kamr, im Libanon, mit Webe-reien. — Suk, Dorf mit bedeutender Fabrikation von Seiden- und Wollmänteln.

Im syrischen Hinterlande, halbwegs zwischen Damaskus und dem Euphrat,liegt die Oase von Tedmur, die Stätte, auf welcher sich einst die berühmteSonnenstadt Palmyra, die Residenz der Königin Zenobia, erhob. Bedeutende Restedes alten Sonnentempels (nun das ganze Dorf Tedmur einschliessend), sowie Säulen-colonnaden und merkwürdige Grabthürme sind noch vorhanden. In der Umgebungschwärmen die Aneze-Beduinen, der zahlreichste und mächtigste unter deneuphratensisch-syrischen Tribu.

In Palästina:

Jerusalem (34.000 Einwohner, El Kuds der Araber, Jero-schalaim. der Hebräer), die Wiege der althebräischen Machtund die des christlichen Glaubens, auch von den Mohamme-danern als Ort der Himmelfahrt des Propheten heilig gehaltenund hoch verehrt. Die Stadt liegt etwa 720 Meter über demMittelmeer und trägt den Charakter einer Bergstadt. Sie zer-fällt in vier grössere Quartiere, von welchen zwei von Christen,

Gestade bei Beirut.

57