A. VVeötasien. — III. Die Halbinsel Arabien,
231
Land — und in das Sultanat Oman, mit der Hauptstadt Maskat,Residenz des „Imams”. Das Sultanat begreift den östlichenTheil von Arabien in sich und ist unbedingt dessen frucht-barster. Die Uferzone bildet fast einen einzigen Palmenwald.Maskat hat einen guten Hafen, welcher von einem Kranzedunkler Felsmassen eingeschlossen wird. In politischer Bezie-hung war Oman bis zuletzt durch Thronstreitigkeiten, in denenEngland eine gewisse Suprematie gewann, zerrüttet.
c) Südarabien. Man begreift darunter das langgestreckteKüstenland Hadrmauf vom „Osthorn” Arabiens bis zum Ge-biete von Aden. Die Bevölkerung lebt in äusserst primitivenVerhältnissen und zählt zu den rohesten auf asiatischem Boden.Aus einer besseren Vorzeit haben sich die halb sagenhaftenUeberlieferungen von dem Volke der Aditen erhalten. In dermerkwürdigen Flugsandwüste, welche sich landeinwärts vonSüdwest-Hadrmaut erstreckt, soll die „goldene Aditenstadt”versunken sein. Die Niederlassungen an der Küste, welchletztere rasch zu öden Felsbergen ansteigt, sind bis auf dasHafenstädtchen Makalla unbedeutend.
Zu Südarabien gehört auch das kleine Sultanat vonLahedsch und Aden, das „arabische Gibraltar”, die festePosition Englands am Eingänge zum Rothen Meer (vgl. S. 196).Aden zählt 23.000 Einwohner und ist seit 1850 Freihafen.
d) Westarabien. Das ganze westarabische Küstengebietist türkischer Besitz. Er umfasst die bedeutende Bodenflächevon mehr als V2 Million Quadratkilometern (genaue Grenzen be-stehen nicht) und besitzt eine Bewohnerzahl von circa V2 Million.Es entfällt also auf einen Quadratkilometer genau ein Be-wohner. Administrativ zerfällt dieses Gebiet in die zwei Ge-neralstatthalterschaften (Vilajets) Jemen und Hidjaz.
In Jemen ist Saana (circa 15.000 Einwohner) Hauptstadt.Sie ist eine der ältesten des Morgenlandes, aber derzeit ganzverödet. Räuberische Beduinenstämme schwärmen bis unter dieMauern dieses exponirten Postens des ottomanischen Reiches. —Zwischen Saana und der Küste erstrecken sich die berühmtenjemenitischen Kaffeebezirke mit dem Hauptort Mocha, deraber jetzt nicht mehr Ausfuhrhafen ist (sondern Aden). Mittel-punkt der Kaffeecultur ist Beit-ul-Faschi. An der Küsteliegen die verödeten Hafenorte Hodeida und Lohaia, von derAussenwelt durch Korallenbänke abgesperrt (vgl. S. 197).
Zwischen Jemen und Hidjaz erstreckt sich das „Alpenland” Asyr (sogross wie die Schweiz), ein wildes Urgebirge mit unersteiglichen Gipfeln und be-schwerlichen, von Mimosen- und Sykomorendickicht umwucherten Pässen. EinigeThäler aber sind wahre Paradiese. Die Asyrinen sind ein tapferes Volk, welchesdie Herrschaft der Türken niemals anerkannt und manches Invasionsheer mit blutigenKöpfen zurückgewiesen hat.
Die Landschaft Hidjaz, welche nordwärts von Asyrfolgt, ist die Wiege des Islam, mit den „Prophetenstädten”Mekka und Medina.
Mocha.
Die Grabeskirche in Jerusalem.
Mekka (circa 50.000 Einwohner), „die Mutter der Städte”,in welcher sich alljährlich Hunderttausende moslemischer Pilgereinfinden, liegt in einem schmalen und gartenlosen Thale, vonniederen Flöhen umschlossen und mit geräumigen Lagerplätzenvor den Hauptzugängen, an denen sich Vertheidigungsthürmeerheben. Die Stadt ist ziemlich regelmässig gebaut, hat mehr-stöckige steingebaute Häuser mit Fenstern nach der Garten-seite (gewöhnlich eine Seltenheit im Orient). Sie hat nur eineeinzige Moschee, das grösste Heiligthum der Islamiten und derMittelpunkt einer Religion, welche, gering gerechnet, mindestens180 Millionen Bekenner hat. — Die Moschee — „Beit Allah”(Haus Gottes) — enthält die Kaaba, einen würfelförmigen Bau,in dessen südöstliche Ecke der schwarze Stein („Hadschar elAswad”) eingemauert ist. Auf der nördlichen Seite der Kaababefinden sich die Gräber des Ismael und der Hagar, die Vor-beterplätze (Makamen) der vier orthodoxen Secten (von welchersteren der Pavillon der Schafeiten sich über dem heiligen„Zemzem-Brunnen” erhebt), Bronzecandelaber mit Glasampelnu. s. w. Die Moschee überragen sieben Minarets, und 19 Thoreführen durch die Hallen, welche auf der Ostseite von einereinfachen, auf den anderen Seiten von dreifachen Säulenreihengebildet werden.
Die zweitwichtigste Stadt im Hidjaz ist Medina (20.000 Einwohner), in einerSenke zwischen dürren Bergen, von starken, thurmgeschützten Mauern umgeben.Hier wurde der Prophet Mohammed geboren und fand er sein Grab, über dem
sich eine stattliche Moscheeerhebt. Die Bevölkerung istein bettelhaftes Gelichter,welches fast ausschliesslichvon den Geschenken undAbgaben der Pilger lebt.
An der Küste desHidjaz liegt D j i d d a (20.000Einwohner), als Durchzugs-station der Pilgerschaaren,zugleich wichtige Handels-stadt, mit mehreren Consu-laten. Die Bewohner sindwohlhabend und ihre Stadtmacht einen vortheilhaftenEindruck. — Nördlicher ander Küste liegt Janbo, derHafenort für Medina.
Die Halbinsel Sinai.
Sie gehört politischzu Aegypten, geo-graphisch aber zuAsien, da die Grenzezwischen diesem undAfrika mit der Land-enge von Suez zu-sammenfällt. Nur dersüdliche Theil derHalbinsel ist gebir-gig, und zwar wirder von dem mächti-gen und wilden Ge-58*