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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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C. Ostasien.

II. Das Kaiserreich China.

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kiang*.

Hauptausfuhrartikel sind: Thee, Rohseide und Seiden-waaren, Zucker; Haupteinfuhrartikel: Opium, Baumwoll-und Wollwaaren, Metalle, Glas, Pelze, Gewürze, Mineralfarben,Tabak, Droguen. In den Vertragshäfen betrug 1885 der Werthder Einfuhr 445 Millionen Mark, jener der Ausfuhr 328 Mil-lionen Mark.

Länderbestand. Das chinesische Reich zerfällt in folgendeGebiete:

1. Das eigentliche China (die „18 Provinzen”);

2. die Mandschurei (chinesisch: Tung-sem-scheng), das nordöstliche Gebietdes Reiches;

3. die Mongolei, das nordwestliche Gebiet, mit der Wüste Gobi in der Mitte;

4. die Dsungarei, das Quellgebiet des Irtysch mit dem Saisan-See und demIssyk-kul;

5. Ostturkestan (die „HoheTatarei” und die „Kleine Bucharei”)zwischen Tien-schan und Kuen-lun,das „Herz von Asien”;

6. Tibet, das gewaltige Hoch-land zwischen dem Himälaya, derKarakorumkette und dem Kuen-lun.

Die drei letzteren Gebie-te gehören geographischzu Mittelasien und werdenim nächsten Abschnitte be-handelt.

Regierung, Verwaltung

u. s. w. Das chinesische Reichist eine Despotie mit demKaiser als weltlichem undkirchlichem Staatsoberhaupt.

Das System kommt aberweniger in der Stellung desStaatsoberhauptes, welches„patriarchalisch” regiert, zumAusdrucke, als in der Art,wie die Provinzgouverneureund Vicekönige ihres Amteswalten, das Volk durchWillkür bedrücken und aus-saugen.

Der kaiserliche Wille wird aus-geiibt durch ein zahlloses Heer vonBeamten — Mandarinen — von denenes neun Rangstufen giebt; acht dieserRangstufen zerfallen weiter in je zweiClassen. Den höchsten Rang nehmendie „Wächter des Kaisers” ein, dem-nächst die „Wächter des Kronprinzen”,der Ministerpräsident und die kaiser-lichen Rathgeber, alles Angehörigeder ersten Rangstufe. Es folgen:zweite Rangstufe: Generalgouverneure,

Unterstaatssecretäre,Geheimräthe,Gou-verneure; dritte Rangstufe: die mei-sten Hof beamten; vierte Rangstufe:die Bürgermeister, Kreispräfecten, Se-cretäre des Staatsrathes; fünfte Rang-stufe: Astronomen, Sanitätsbeamten,

Bezirksleiter; sechste Rangstufe: niede-rige Beamte; siebente Rangstufe: Be-amte kleiner Bezirke, die Schüler dermongolischen Erziehungsanstalt; achteRangstufe: Hilfsbeamte und Schreiber;

neunte Rangstufe: Gefängnissaufseher,Cassiere, Dorfbehörden u. s. w.

Jede Rangstufe ist erkenntlichan einem Knopf auf der Kappe oderdem Hute, welcher entweder ein Edel-stein, eine Koralle, ein Krystall- oderGlasknopf, oder schliesslich ein gol-dener Knopf ist. Auffällig ist, dassletztere Distinction gerade den beidenuntersten Rangstufen zukommt.

Armee und Kriegsflotte.

Der Nominalstand der chine-sischen Armee beträgt imFrieden 300.000 Mann, imKriege 1 Million Streiter.Die Kriegsflotte zählte1885 124 Fahrzeuge mit 5860Mann Besatzung. Sie hat seit-dem durch einige stattliche,von geschulten Officieren be-fehligte Panzerschiffe,welcheauf der Stettiner Werft derSchiffbaugesellschaft „ Vul-erbaut wurden, eine ansehnliche Verstärkung erfahren.

Die chinesische Armee befindet sich derzeit in einem Stadium fort-währender Reformversuche oder Neuerungen, welche bestimmte Angaben unmöglichmachen. Nach den Waffengattungen zerfällt die Armee in vier Hauptgruppen:Lanzenträger oder Pu-tui, Gewehrträger oder Yang-tsian-doj (Infanterie),Ma-doj (Cavalieri e) und P au-doj (Artillerie). Die taktische Einheit ist bei derInfanterie das „Tsieng-tsung”, dem europäischen Bataillon zu vergleichen, da es einenNominalstand von 1000 Mann hat. Ein Tsieng-tsung ist aus zwanzig „Schan-guan”(Compagnien) zusammengesetzt. Die kleinste geschlossene Abtheilung ist die Sehe-t sch an, eine Rotte von zehn Mann.

Drei bis fünf Tsieng-tsung-Abtheilungen mit einem Nominalstande von 3000bis 5000 Mann formiren ein „Pa-tsung”, einem europäischen Regimente zu ver-gleichen. Etwa 10.000 Mann formiren ein „Tun-ling” (Brigade). Die Bezüge derOfficiere und Mannschaften sind normirt, doch nur auf dem Papier, und es muss

Hoch oder Nieder trachten, sich dasLeben durch Erpressung, Veruntreu-ungen und sogar offenen Raub zuerhalten. Der chinesische Soldat istin Folge dessen eine wahre Landplageund wird namentlich auf dem flachenLande und im Inneren des Reichesob seiner Gewaltthätigkeit von denBewohnern gefürchtet. Bei Durch-märschen oder Einquartierungen plün-dern die Truppen die Dörfer; die An-näherung solcher Horden genügt, umsämmtliche Einwohner eines Dorfeszur Flucht in die Berge oder Wälder,wohin sie ihre bewegliche Habeschaffen, zu veranlassen.

Der chinesische Soldat ist, so-fern er dem Mandschustamme, derprivilegirten Kriegerkaste angehört,im vollsten Sinne des Wortes Berufs-soldat; er ist von Geburt an Krieger.Bis zu seinem 16. Lebensjahre sorgtder Kaiser für ihn, ohne dass jenereine Gegenleistung beanspruchte. Alleübrigen Chinesen bedürfen, um in dieArmee eintreten zu können, der Pro-tection seitens irgend einer massge-benden Persönlichkeit. Auf Dienst-tauglichkeit wird nicht gesehen, eben-sowenig auf Ausübung des activenDienstes, wodurch der Effectivstandtief unter dem Nominalstand steht.Uebrigens ist der chinesische Soldatniemals an seine Fahne gebunden;einen Fahneneid giebt es nicht, undwenn es Diesem oder Jenem beliebt,so darf er, wenigstens in Friedens-zeiten, seine Abtheilung und seinenStandort verlassen und in die Heimatziehen.

Die Bewaffnung liegt sehrim Argen; neben Lanzen, Pfeil undBogen stehen moderne Hinterladeraller erdenklichen Systeme und un-brauchbare Vorderlader in Verwen-dung. Dasselbe gilt von den Ge-schützen, von welchen die altenglatten Vorderlader noch die brauch-barsten sind, da sie unter der barba-rischen Behandlung keinen Schadennehmen können. Dagegen befindensich die Armstrong- und Krupp-Geschütze in einem schauderhaltenZustande. Einen sogenannten Garni-sonsdienst • giebt es nicht; Exercitienwerden nur zur Belustigung der Com-mandanten abgehalten. Die Officiere

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eingestellt werden müssen.— Die Telegraphenli-n i e n haben zusammen eineLänge von 1510 Kilometern(1881). Die Linie Tien-tsin-Schang-hai ist im Bau undsollen noch andere grössereLeitungen hergestellt wer-den. —

Der chinesische Export-handel über Land ist vonkeiner grossen Bedeutung,von um so grösserer aberder Seehandel, welchersich allerdings nur auf die so-genannten „Vertragshäfen”beschränkt. Diese sind: Kan-ton, Amoy, Fu-tscheu,Ning-po, Schang-hai,Tien-tsin, Han-kau, Ta-kau, Tai-wan, Tschin-

Der Stadttheil Lao-tching in Peking.

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Marktstrasse in Canton.

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