Fa9ade der Medresse „Tilla-kari” in Samarkand.
t Jiliflri
D. Mittelasien.
Unter Mittelasien ist im geographischen Sinne dasLandgebiet zu verstehen, welches sich, das Pamirplateauals Mitte angenommen, innerhalb eines nach Norden gewendetenHalbkreises mit dem beiläufigen Radius von 1500 Kilometernerstreckt. Darnach gehören zu diesem Gebiete: das ganze west-liche China mit der Dsungarei, Ostturkestan und Tibet,alsdann Russisch- (West-) Turkestan und die Khanate Bu-chara und Chiwa. Bei Russisch-Turkestan ist die grosseKirgisensteppe vom Uralflusse bis zum Saisangebirge mit-inbegrifFen.
Bodengestalt (vgl. auch S. 203). Wenn Mittelasien geogra-phisch ein einheitliches Gebiet umfasst, ist dies keineswegsin orographischer Beziehung der Fall. In dieser letzterenBeziehung sind zwei scharf voneinander zu trennende Abschnittezu unterscheiden: I. Inner-Hochasien (auch schlechtweg Hoch-asien genannt), und II. das turkestanische Tiefland.
I. Hochasien.
Darunter ist jener centrale Theil des asiatischen Fest-landes — das „Herz von Asien” — zu verstehen, welcher imNorden vom Gebirgssystem des Tien-schan, im Süden abervon jenem des Himälaya begrenzt wird. Dazwischen erstreckensich noch zwei weitere grosse Ketten: das Karakorum- unddas Kuen-lün-Gebirge, welche indess nicht als besondereGebirgssysteme gedacht werden dürfen. Ueber die Gestaltungund Höhenverhältnisse wurde Seite 205 das Wissenswerthemitgetheilt.
Zwischen dem Kuen-lün und dem Tien-Schan breitetsich, an der Wurzel dieser Gebirge, das Hochland Pamir,die grösste Massenerhebung der Erde, aus. Die auf diesenkalten Gefilden umherziehenden Kirgisen nennen das Hoch-land Bami-duniah, „das Dach der Welt”. Das Innere diesesMassivs ist noch sehr wenig erforscht und bildet eines derverschleiertsten Gebiete mittelasiatischer Geographie.
Im Jahre 1876 betrat der russische Oberst Kostenko als erster Europäerdie Pamir von Norden her. Nach seiner Auffassung bildet dieses letztere einHochplateau, welches nach allen Richtungen von Bergrücken durchzogen ist, vondenen die wenigsten in die Schneeregion reichen. Ebenen, Bergzüge und Schluchtennehmen keine bestimmte Richtung an, sondern sind wie durcheinandergeworfen.
Die ganze Gegend ist bäum- und strauchlos, selbst der Graswuchs beschränktsich nur auf die Uferstriche der Bäche, gedeiht aber dort besonders üppig undbildet die fetten Weiden des Viehbestandes der Nomaden. Diese kommen, trotzdes rauhen Klimas, im Sommer aus Kaschgarien, Karetegin und anderen benach-barten Gebieten zur Sommerweide aut die Pamir. Die dünne Duft erschwert demMenschen sehr den Aufenthalt. Vollblütige leiden an Nasenbluten und sind auchOhnmächten unterworfen; in der Regel äussert sich der Einfluss dieser Atmo-sphäre in Athembeschwerden und zeitweiligen Brustbeklemmungen.
Karakorum und Kuen-lün schliessen das Hochland vonTibet ein, Kuen-lün und Tien-schan das Tiefbecken desTarim — das Gebiet von Ostturkestan oder Kaschgarien.
Niedere, wellige Hügel und unterbrochene, unregelmässigeHöhenzüge bringen Abwechslung in die Monotonie des tibeti-schen Hochlandes. In den Vertiefungen finden sich viele, zugewissen Jahreszeiten verdunstende Salzseen, in deren Beckenalsdann ausgedehnte Salzkrusten Zurückbleiben. Man unter-scheidet den Theil des Hochlandes zwischen dem Karakorumund Kuen-lün von dem zwischen dem Himälaya und Kuen-lünund bezeichnet letzteren als das eigentliche Tibet . . . „Esist ein abgestumpftes, dreieckiges Plateau, das sich von Südostnach Nordwest zwischen dem 28° und 36° Nordbreite und dem72 0 und 102 0 Ostlänge ausdehnt. Es ist sehr kalt und trocken,dank seiner ungemeinen Höhe, die durchschnittlich 3650 Meterüber dem Meeresspiegel beträgt; den gewaltigen Schnee-gebirgen, die es einrahmen und sich im Süden bis zu 6000Meter Seehöhe erheben; dem Mangel an Niederschlägen inFolge einer ausserordentlichen Dünnheit der Atmosphäre;seinem salzigen und sandigen Boden und endlich in Rück-wirkung all dieser Ursachen: seiner äusserst spärlichen Vege-tation” (B. H. Hodgson).
Im Norden des Kuen lün, zwischen diesem im Süden, demTien-Schan im Norden, der Pamir und einigen meridionalzwischen letzterer und dem Tien-Schan streichenden Gebirgs-ketten erstreckt sich das Becken des Tarim — Ostturkestanoder Kaschgarien. Es ist eine durchschnittlich 1300 bis 1400Meter hohe, vom Tarim durchflossene Hochebene, welche imOsten in die Wüste Gobi übergeht.
Nördlich dieses Gebietes erstreckt sich das Bergland derDsungarei. Es ist erfüllt vom Tien-schan, dem Tarbagatai,
Pakpu-Leute (Pamir).
iffi