D. Mittelasien.
I. Hochasien.
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Kordzog, „das Haus der Hirten”, am Tsomoriri-Salzsee, im westlichen Tibet.
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dem Altai, demdsungarischenAla-Tau undanderen Berg-ketten. — DieDsungarei istgenau genom-men die westli-che Fortsetzungder Mongolei u.ist das Quellge-biet vieler Flüs-se, welche nachden turkestani-schen Niederun-gen ihren Ab-fluss nehmen,worunter derSchwarze Ir-tysch und derIli die bedeu-tendsten sind.
Die Bergweltder Dsungareibildet denUebergang vonInnerhochasienzu den nord-asiatischen (si-birisch - chinesi-schen) Gebirgs-systemen.
In politischer Beziehung gehört ganz Hochasien, mitAusnahme der Pamir, zum chinesischen Reiche.
A. Tibet.
Die Bewohner Tibets, die Bod-dschi (auch „Tibeter” schlechthin ge-nannt) sind nahe Verwandte der Chinesen, welche sich durchwegs zum Buddhismusbekennen. Zahllose Mönche fristen in den einsamen und ertragsarmen Thälern einDasein voll Askese und ernster Beschaulichkeit. Sie sind durch die in Eis und Schneebegrabenen Hochlandsmassen, sowie durch unzugängliche Wüsten vollständig von derAussenwelt abgeschlossen. Ihr erstes Lebensprincip ist vollständige Enthaltung vonweltlichen Dingen und Ehelosigkeit. Das ehelose Leben gilt ihnen als das würdigste;sich zu verheiraten oder ein weltliches Geschäft betreiben, ist mit Degradationgleichbedeutend.
Nach Gustav Kreitner ist das tibetische Volk gutmiithig und wäre der Ver-
Die Hauptstadt von Tibet ist Lassa (Hlassa, angeblich25.000 bis 50.000 Einwohner) im Südosten des Landes, in einemSeitenthale des Brahmaputra, in 3250 Metern Seehöhe gelegen,Residenz des Dalai-Lama und zugleich Residenz des chinesi-schen Residenten. Das Llauptgebäude ist der grosse Tempel,der aber an Dimension von dem zu Botala — dem Sommer-sitz des Dalai-Lama — noch übertrofFen wird. Er soll 10.000Zellen enthalten. Unzählige Bettelmönche und zu Zeiten grossePilgerschaaren bevölkern Lassa und Botala.
Die anderen Ortschaften Tibets sind wenig gekannt.
B. Ostturkestan.
kehr mit ihm ein herzlicher, wenn die freie Entwickelung seines Grundcharaktersnicht durch den Druck der Religion gehemmt und gefesselt wäre. Diese Religionist der Lamaismus, eine verschärfte Form des Buddhismus. Das Oberhaupt derKirche ist der Dalai-Lama. Von misstrauischen Priestern umgeben und bewacht,findet er sein höchstes Glück in dem beschränkten Bewusstsein seiner Majestät undin dem festen Glauben an seine Unsterblichkeit. Eigentlich aber ist der Dalai-Lamaeine Null und der wahre Beherrscher des Landes ist die Priesterkaste.
Das Defile des Höllenthores zwischen Karschi und Derbent.
Im Jahre 1864 schüttelte die Bevölkerung dieses Gebietes das chinesischeJoch ab und ein Usurpator von niederer Herkunft bemächtigte als „Jakub BegAttalik Ghazi” sich des Thrones von „Kaschgarien”. Seine Herrlichkeit war abervon kurzem Bestände, denn im Jahre 1878 eroberte ganz unerwartet eine chinesischeArmee das abgefallene Land und auf jenen Zinnen, die bis dahin die moslimischenGlaubenssymbole getragen hatten und für die Bollwerke des Islam in Mittelasiengalten, wehten wieder die Drachenbanner.
Die Bewohner Ostturkestans sind die Karakirgisen — ein türkisches Volk — deren grösster Theildas Land nomadisirend durchzieht und hierbei weite Raubzüge unternimmt. Sie sind blos dem Namennach Mohammedaner und werden von den Reisenden als gastfreundlich und treu im Frieden, aber imKriege als ebenso grausam und unbändig geschildert.
Die Hauptstadt von Ostturkestan ist Kaschgar (etwa 70.000 Einwohner),eine weitläufige und stille, von hohen Mauern umschlossene Stadt. Sie war JakubBeg’s Residenz und erfreute sich damals einer gewissen Blüthe. Hier wurdeam 26. August 1857 der Forschungsreisende Adolf Schlagintweit ermordet.
Andere Städte sind: Jarkand (angeblich 120.000 Einwohner), die volkreichste Stadt des Landes,mit grossem Bazar und berühmten Steinschleifereien. In der Umgebung Fundstätten des „Jadeits”, einersehr werthvollen Steinart, welche namentlich nach Peking exportirt wird, wo man aus dem Jadeit kostbareVasen und allerlei Schmuckgegenstände verfertigt. — Khotan (40.000 Einwohner), die erste Manufacturstadtdes Landes. — Aksu, Hauptsitz der Mohammedaner, welche sehr fanatisch sind und rege Beziehungenmit Mekka unterhalten.
C. Die Dsungarei.
Die Natur dieses Gebietes ist völlig verschieden von den beiden vorstehendgeschilderten. Ein grosser Theil der Bewohner beschäftigt sich mit Ackerbau.Der wichtigste Abschnitt ist der von Kuldscha (oder Ili), einer wasserreichen,fruchtbaren Gegend, in der Weizen, Mais, Reis und Wein gedeihen. Die Bergeenthalten Steinkohlen, Blei, Silber und Kupfer.
In der Dsungarei hatten die Dunganen — moslimische Chinesen — zu einem numerisch starkenElement sich consolidirt und ihre religiöse Erleuchtung durch ihr geistliches Oberhaupt, den „Aij-Achun”,erhalten. Es war am Neujahrstnge 1863, als die Dunganen und tatarischen Tarantschen von Kuldschagegen China rebellirten. Eine Reihe furchtbarer Blutbäder bezeichnet dieses Revolutionsjahr. GanzeStädte wurden förmlich ausgebrannt. Alle chinesischen Armeen wurden der Reihe nach vernichtet undschliesslich blieben überall dort, wo die Rebellen hausten, nur noch die Hunde übrig, die von den ver-wesenden Leichnamen sich nährten.
Nachdem die Rebellion vorüber war, setzten sich die Russen in einem Theile von Kuldscha fest,doch trat es denselben nach langen diplomatischen Verhandlungen 1881 wieder an China ab.
Die Städte der Dsungarei — Tschugutschak, Karkara-Ussu, Hami,Barkul, Kuldscha (Ili) — sind meist von bedeutender Ausdehnung, aberschlecht gebaut und ohne Merkwürdigkeiten. Jetzt scheinen die Chinesenwieder allerorts Herren zu sein.
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