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E. Nordasien.
Sibirien.
Wald am Amur.
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weit hinauf, mit Einschluss des Zuflusses von Nertschinsk,bis zu der gleichnamigen Stadt von Schiffen befahren.
Klima. Das Klima Sibiriens ist ein ausgeprägt con-tinentales. Die äussersten Gegensätze seiner Sommer- undWintertemperatur treten an der Lena hervor und Werho-jansk an der Jana ist der Winterkältepol der östlichenHalbkugel; wo am 15. Januar 1885 eine Temperaturvon —67° C. beobachtet wurde. Hier ist (nach Midden-dorff) der Boden über 180 Meter tief gefroren, aber dadie oberflächlichen Schichten im Sommer hinreichend auf-thauen; äussert das unterirdische Eis auf das Wachsthumder Waldbäume keinen Einfluss und auch der Ackerbauist diesen kalten Gegenden nicht fremd. — Die Tundraliegt den grössten Theil des Jahres unter dem Schnee be-graben, mit Eintritt des Sommers aber überzieht sich derBoden schnell mit Gräsern, Binsen, Flechten, Torfmoosenund Salzpflanzen. Im Winter wird die Tundrenregion vonschrecklichen Schneewirbelstürmen („Purga” genannt)heimgesucht.
Im Allgemeinen hat Westsibirien — über das im Winter häufig süd-westliche Winde streichen und durch ihre Feuchtigkeit zu WolkenbildungenVeranlassung geben, welche die Wärmestrahlung abhalten — ein milderesKlima als Ostsibirien. Die nachstehende Zusammenstellung veranschaulicht dieseThatsache.
W estsibirien.
Jenisseisk . . — 2*2° mittlere Jahrestemperatur (— 25-3° im Januar)
Tobolsk . . . — 0-1° „ „ (— 19-0° „ „ )
Irkutsk . . . — o-l« „ „ (—20-4° „ „ )
Ostsibirien.
Werhojansk . — i6'7° mittlere Jahrestemperatur (— 49*0° im Januar)
Jakutsk . . . —11-20 „ „ (—42-80 „ „ )
Nertschinsk . — 5-8« „ „ (—36-6° „ * )
DerWinter ist die wol-kenlose Zeit; es schwebtdann über Sibirien eineruhige Schicht schwerer,intensiv kalter Luft. DasGebiet höchsten Luft-druckes liegt auf demWitimplateau, östlich desBaikalsees. Die auf demBoden lagernden Schnee-mengen sind aber so ge-ring, dass die BewohnerTransbaikaliens auch imWinter ihr Vieh weidenlassen, trotz der äusserstniedrigen Temperatur.
Bewohner. Die
Gesammtzahl derin Sibirien siedeln-den Bevölkerungfast 3V2 MillionenRussen und Polen (Letztere Deportirte) oder Nachkommen der-selben sind. Im Uebrigen wird auch die freiwillige Colonisationsehr gefördert. Jeder Colone erhält unentgeltlich Landstreckenzugewiesen, welche nach Ablauf von zehn Jahren in sein Eigen-thum übergehen.
Die Eroberung Sibiriens durch die Russen war bekanntlich nichts Anderesals ein Kosakenabenteuer. Die Ausdehnung des russischen Reiches gegen Ende des16. Jahrhunderts bis über das Uralgebirge hinaus führte zu mannigfachen Conflictenmit den benachbarten asiatischen Stämmen, namentlich mit den Tataren. Da liessendie Kaufleute Stroganow, welche damals im Gebiete von Perm eine Art Vasallen-herrschaft führten, an die Wolgakosaken die Aufforderung ergehen, ihr un-ruhiges Leben am Strome aufzugeben und sich in der Eroberung und Ver-nichtung der benachbarten sibirischen Reiche Lorbeern zu holen. Die Ein-ladung wurde angenommen und 1579 erschien der Kosakenhäuptling JermakTimofejew mit wenig über 500 Gefährten in Perm. Er schlug zuvörderstdie Tataren, organisirte durch Heranziehung losgekaufter Christensklaven eingrösseres Truppencorps und überschritt mit diesem 1581 das Uralgebirge. Einerster Sieg über Tataren und Ostjaken brachte ihn bis zum Irtysch. DerEindruck dieser kühnen That auf die umwohnenden Völkerschaften muss einungeheurer gewesen sein, denn sie unterwarfen sich ohne Kampf. Der Zar,durch Jermak von der gemachten Eroberung benachrichtigt, entsandte einCorps Strelitzen nach dem Ob und erhob den (früher seiner Freibeutereienwegen geächteten) Kosakenhäuptling zum Ataman. — Nach dem Tode Jer-mak’s drangen die Russen schrittweise gegen Osten vor und brachten ganzSibirien unter ihre Herrschaft.
Mit der allmählichen Eroberung Sibiriens wurdenauch die Grenzcordons der herangezogenen Kosaken,verstärkt durch freiwillige und zwangsweise Colonisirung,organisirt. So entstand jenes System von Wachtposten,mit dazwischen liegenden Schanzen, Blockhäusern, Fortsund befestigten Standlagern, welches sich von Kamtschatkabis zum Kaspisee in der ungeheuren Ausdehnung vonungefähr 2000 Kilometern erstreckte und thatsächlich nochimmer erstreckt, da die starke Ausdehnung der russischen
Eroberungen in Mittelasien nach Süden an der territorialenOrganisation der Kosaken nichts geändert hat. Diese gliedertsich in fünf sogenannte „Heere”, und zwar:
1. Das sibirische Kosakenheer (im wahren Sinne), imwestsibirischen Militärgouvernement;
2. das semirjetschensk’sche Kosakenheer im gleichnamigenMilitärbezirke;
3. das transbaikalische Kosakenheer, welches östlich desBaikalsees angesiedelt ist;
4. das Amur'sche Kosakenheer, dessen Hauptnieder-lassungen am Amur liegen;
5. das kamtschatka'sche Kosakenheer, auf der HalbinselKamtschatka.
Der Dienst der Kosaken besteht jetzt meistens nur nochin Wachtposten und Patrouillen längs der Grenze. Speciell dieLinienkosaken haben ausserdem die Verpflichtung, wo dieBodenbeschaffenheit den Verkehr erlaubt, den Postdienst zuversehen und durch Escorten für die Sicherheit der Reisendenzu sorgen. Ausserdem obliegt ihnen die Uebernahme und Beglei-tung der Deportirten bis an ihre Exilsorte. Die grösseren Stand-plätze heissen „Krepost” (Festung), die kleineren „Redouten”,noch kleinere „Pikets”, die man in Ostsibirien auch „Karaul”oder „Sastschit” (Schanze) nennt. In der Steppe sind bei denStanizen und Redouten Späherthürme (Wischka) angebracht.
Die eingeborene Bevölkerung gehört theils der hoch-asiatischen Rasse, theils der Hyperboreerrasse (Arktiker) an.
a) Völker hochasiatischer Rasse: 1. Samojeden (circa 16.000 Seelen), ander Küste des Eismeeres bis an die Chatangabucht; und zwar die jurakischenSamojeden vom Karischen Meerbusen bis zum Jenissei; die tawgyschen Samo-jeden, vom Jenissei bis zur Chatangabucht; die jenisseiischen Samojeden, anden Tundren des unteren Jenissei; die Ostjak-Samojeden, am Ob und zwischenTym und Tschulym. Zu den Samojeden zählen noch mehrere verwandte Völker-schaften, von welchen die Matoren auf sibirischem Gebiete siedeln. — 2. Die Ost-jaken (23.000 Seelen), in den Gouvernements Tobolsk und Tomsk. — 3. Die Tun-gusen (70.000 Seelen), in Ostsibirien, östlich des Jenissei bis gegen die Tschuktschen-halbinsel hin. — 4. Die Schwarzen Kalmüken, am Altai. — 5. Die Teleutenoder „Weissen Kalmüken”, im Gouvernement Tomsk. — 6. Die Bur jäten (100.000Seelen), im Gouvernement Irkutsk und um den Baikalsee herum. — 7. Die Jakuten(200.000 Seelen), vorzugsweise zu beiden Seiten der Lena und an der Küste des
Irkutsk.
Segelboot der Tschuktschen.
beläuft sich auf 4,100.000 Seelen, wovon