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B. Oceanien. — 3. Polynesien. — Die Tiefseeverhaltnisse des Grossen Oceans.
Der Hafen von Papeete.
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geschlossenen Vertrag erhielt Deutschland das Recht zur Er-richtung einer Kohlenstation auf Vavao. Die Bewohner bildeneinen schönen Menschenschlag, den Gutmüthigkeit, aber Arbeits-scheu charakterisirt. Sie sind sämmtlich bekehrt.
2. Die Samoa- (oder Schiffer-) Inseln (2787 Quadratkilometer,34.000 Bewohner), eine Gruppe von 14 Eilanden, wichtig wegenihrer centralen Lage inmitten der Südsee-Inseln, besteht ausden Hauptinseln Sawaii und Upolu und den kleineren Neben-inseln, die insgesammt eine üppige Vegetation aufweisen. Diewichtigsten Producte des Handels (der ganz in deutschenHänden liegt) sind: Baumwolle, Zucker, Kaffee, Guano, Perlen,Perlschalen, Kokos- und andere Fasern, Candelnüsse, Elfenbein-nüsse, Ambra, Korallen, Wachs, Nutzhölzer. Das Hauptnah-rungsmittel liefert der Brotfruchtbaum. Mittelpunkt des Archi-pels ist Upolu mit dem Hauptorte Apia (1000 Einwohner), einmalerisches Hafenstädtchen und Mittelpunkt des samoakischenHandels.
In den letzten Jahren hatte es wiederholt den Anschein, als ob die Samoa-Inseln Gegenstand eines Rivalitätsstreites zwischen den nordamerikanischen Unions-staaten, England und Deutschland werden sollten, doch wurden bisher alle Miss-helligkeiten auf diplomatischem Wege beglichen.
3. Die Cook-Inseln (368 Quadratkilometer, etwa 7000 Ein-wohner) bilden eine Gruppe von neun kleinen Eilanden süd-östlich von den Samoa-Inseln. — Weiter östlich folgen
4. die Gesellschafts-Inseln (650 Quadratkilometer, 28.000 Be-wohner), durchwegs vulcanische Bildungen, mit hohen Berg-kegeln, von welchen sich der Orohenu auf der HauptinselTahiti bis zu 2400 Meter, der Aovai bis zu 1954 Meter er-hebt. Das Klima der Inseln wird hoch gepriesen, desgleichendie Ueppigkeit der Vegetation, die Lieblichkeit der Landschafts-bilder. Die Bewohner, zu den schönsten des polynesischenStammes zählend, sind sämmtlich bekehrt, schwinden abersichtlich dahin. Der gesammte Archipel ging durch Vertragmit dem letzten König (Pomare V.) vom 29. Juni 1880 in fran-zösischen Besitz über und wurde zu einer französischen Colonieerklärt. Die Hauptinsel ist das reizende Tahiti (Otahiti) — das„Paradies der Südsee” — mit dem Hauptorte Papeete (2500Einwohner), Stapelplatz des Handels mit den Producten derSüdsee-Inseln. Hauptausfuhrartikel sind: Kokos, Baumwolle,etwas Zucker, Perlmuschelschalen, Orangen, Trepang.
5. Die Paumotu- (oder Niedrigen) Inseln. Sie bilden mehrereArchipele von meist wenig kleinen Koralleneilanden, von denendie wenigsten bewohnt sind. Man schätzt das Gesammtarealdieser Inseln auf etwa 1000 Quadratkilometer, die Zahl der Be-wohner auf 5000 bis 7000; Viele unter letzteren sind noch Canni-balen. Die südöstliche felsige Gruppe haben die Franzosenbesetzt, und dort sind die Eingeborenen zum Christenthum be-kehrt. Die Inseln des Paumotu-Archipels sind merkwürdigdurch ihre ausgedehnten Atollbildungen.
6. Die Marquesas-Inseln (1274 Quadratkilometer, 58°° Be-wohner) liegen im Norden des vorgenannten Archipels undbilden seit dem Jahre 1880 eine französische Colonie. Diegrösste Insel ist Nukahiva mit gutem Hafen, in welchemsich eine französische Niederlassung und ein Fort (mit Garnison)befindet.
7. Die Sandwich-Inseln (16.946 Quadratkilometer, circa58.000 Bewohner, wovon circa 45.000 Eingeborene) bilden
einen Archipel von 12 Inseln, deren grösste Hawaii(11.356 Quadratkilometer) ist; nach ihr wird zuweilen dieganze Gruppe benannt. Die Sandwich-Inseln sind einconstitutionelles Königreich (derzeit König Kalakaua I.,seit 1874), mit dem ganzen Regierungsapparat eines civi-lisirten Staates, aber mit zerrütteten Verwaltungsver-hältnissen, welche das „Reich” wiederholt der Gefahrnahe brachten, durch „Kauf” in fremde Hände über-zugehen. Die Bewohner, ein schöner Menschenschlag,sind durchwegs bekehrt.
Die Natur der Inseln ist hauptsächlich durch ihre grossartigen Er-scheinungen vulcanischer Natur bemerkenswerth (vgl. S. 12). Die InselHawaii trägt eine Anzahl thätiger Vulcane, welche zu den höchsten undthätigsten der Erde gehören. Der Mauna Kea erreicht 4522 Meter, derMauna Loa 4470 Meter. Auf beiden Gipfeln bleibt der Schnee monate-lang liegen.
Hauptstadt des Archipels ist Honolulu (20.000 Ein-wohner) auf der Insel Oahu (dem „Garten” der Sand-wich-Inseln), eine echte Tropenstadt. Sie bildet denSammelpunkt der Südseefahrer. Die Stadt hat ein denStädten der amerikanischen Westküsten ebenbürtigesAussehen. Der Handel ist sehr bedeutend, und be-zifferten sich 1885 die Einfuhrwerthe desselben auf 16Millionen Mark, die Ausfuhrwerthe auf 36 MillionenMark. Es giebt glänzend ausgestattete Kaufläden nacheuropäischer Art, Kirchen, Gasthöfe und Einrichtungen zurBefriedigung aller europäischen Bedürfnisse.
Am Schlüsse des Australien und die oceanische Inselweltbehandelnden Abschnittes möchte eine Ueberschau auf diemarinen Verhältnisse des Grossen Oceans am Platze sein. SeineWasserfläche umfasst 175*6 Millionen Quadratkilometer, alsonicht viel weniger als die Hälfte der gesammten Meeres-fläche der Erde, welche 374 Millionen Quadratkilometer um-fasst. Der Grosse Ocean — auch das Stille Meer, oder derPacifische Ocean genannt — zerfällt in zwei grosse charakte-ristische Abschnitte, von welchen der östliche, etwa zwischendem 150 0 Westlänge und der pacifischen Küste des amerika-nischen Continentes sich erstreckende Abschnitt einen aus-gesprochen oceanischen Charakter aufweist, während der west-liche Abschnitt — wie wir vorstehend gesehen haben — auszahlreichen, durch Inseln, Inselgruppen und ganze Archipele,sowie durch die festländischen Küsten Asiens und Australiensgegliederten Einzelmeeren oder „Seen” besteht.
Dort, in der östlichen Hälfte, finden sich nicht die grösstenTiefen vor, doch hat es den Anschein, dass die Depressioneine ziemlich gleichmässige ist, obwohl noch weite Gebietedieses oceanischen Abschnittes gründlicher Tiefseeuntersuchun-gen harren. An manchen Stellen, beispielsweise zu beiden Seitendes Aequators, sind Tiefseelothungen noch gar nicht vorge-nommen worden. Was aber für eine ziemlich gleichmässige,plateauartige G-estalt der Bodenverhältnisse der östlichen Hälftedes Grossen Oceans spricht, ist der rasche Abfall der amerika-nischen Pacificküste. Kein anderer Continent geht in seinerKüstenregion so rasch in die Tiefsee über wie der amerikani-sche an seiner Westküste. Nur im äussersten Nordwesten — vonder Halbinsel Alaska bis zur Vancouver-Insel — und im äusser-sten Süden, an der Küste von Chile, findet sich je eine staffel-artige Uebergangsform, welche den raschen Abfall der betref-
Boot der Markesas-Insulaner.
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