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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Amerika. — Allgemeine Uebersicht.

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Arizona, zu classificiren. Zu den ausgedehntesten unter ihnen gehören die Great Salt LakeDesert westlich und nördlich vom Grossen Salzsee, wo sich ein 30 Kilometer breiter Strichbefindet, auf dem kein Hälmchen, sondern nur eine dünne Salzkruste zu sehen ist, welchediese echte Wüste wie mit einer frischen lockeren Schneedecke überzieht” ... In den Wüstendes Südens finden sich schon Cactus, Agaven und andere Pflanzen, die der Feuchtig-keit weniger bedürfen, aber auch schon an tropische Ueppigkeit und mexicanische Pflanzen-gestaltung mahnen.

4. Das californische Gebiet, der Küstenstrich zwischen derSierra Nevada und dem Grossen Ocean, vom Columbia im Norden,vom Colorado im Süden begrenzt. Californiens Klima ähnelt ammeisten dem mittelmeerischen, was in seiner blora, wie in seinenCulturen sich am deutlichsten ausprägt. Ausserdem besitzt es abereine Anzahl hochcharakteristischer Gewächse, nicht weniger als 28Arten von Nadelhölzern — einen Reichthum, wie er blos noch inJapan zu finden ist — darunter die Wellingtonia (Sequoia gigantea)oder den „Mammuthbaum”, den grössten Baum der Erde.

Sorgfältige Messungen haben ergeben, dass die Wellingtonia 150 Meter Höhe erreicht,also an die höchsten menschlichen Bauwerke — Kölner Dom und Pyramiden — hinanreicht.Das Alter einiger der gefallenen Riesen wird auf 3000 Jahre und darüber geschätzt. ImYosemitethal tragen die grösseren Bäume Namen, die meistens in Goldbuchstaben am Stammeparadiren. Aber auch andere herrliche Nadelbäume schmücken die californischen Waldthäler:das Rothholz, die Pechtanne, die Zuckerkiefer (mit süssem Harze), die Douglas-tanne die Riesenfichte, eine Ce der und andere Prachtexemplare von gewaltigen Bäumen._ Californien ist aber überdies auch ein ausgezeichnetes Culturland. Hier hat der euro-päische Weinstock Wurzeln geschlagen; Feige, Pfirsich, Aprikose, Maulbeere,Olive Citrone und Orange reifen hier zu seltener Vollkommenheit; auch Wälschnuss,dann Thee, Mandel und Granate. Die Futtergewüchse und Cerealien gewähren strecken-weise ungewöhnlich hohe Erträge.

5. Das mexicanische Gebiet, vom Wendekreis bis Panama,mit Ausschluss von Yucatan und Honduras, reichend. Nördlicher Ab-schnitt des Tropengebietes von Amerika, dessen üppiger Charakterdurch vorwaltende Gebirgs- und Hochebenen-Entwickelung abge-schwächt erscheint. Die eigenthümliche amerikanische Familie derBromelien (Ananas), Cacteen, Yuccas und Agaven sind reich ver-treten; aber auf dem Plateau überwiegt noch der Steppencharakterdes inneren Nordamerika mit Hervortreten des Mimosenbusch-waldes. Von Palmen sind 50 Arten bekannt. Eine der Cha-rakterformen dieses Gebietes ist die Vanille, die einzige schlin-gende Orchidee.

Die fruchtbaren Länderstrecken, welche sich meistens längs den Küsten hin-ziehen und warm genug sind, um den Anbau des Zuckerrohrs, des Indigo, derBaumwollstaude und der Banane zu begünstigen, nennt man „Tierra caliente”.

Dieselbe erstreckt sich längs der Westküste des mexicanischen Golfes von der Lagunade Terminos im Süden bis zur Mündung des Mississippi im Norden und reicht land-einwärts bis zum Fusse der Gebirge. Die Küstenebenen sind meist mit Flugsand undSümpfen bedeckt und jeder Vegetation bar; erst weiterhin macht sich die tropischeFlora der heissen Zone geltend, mit ihrem üppigen Grün das Auge erfreuend. DieWaldungen bestehen aus Mimosen, Cassien, Daracarnen und sonstigen Palmen,Storaxbäumen, Liriodendrons (Tulpenbäumen, den Magnolien ähnlich), Carolineenund Riesenfarn, von herrlichen blühenden Lianen durchflochten.

Die nächsthöhere Region ist die „Tierra templada” (von 1200 bis 2430Meter), mit herrlichem Klima und den meisten tropischen Gewächsen. Banane undZuckerrohr kommen jedoch nicht mehr so gut fort. Das Land zeigt sich auchim Schmucke der Laubwälder der gemässigten Zone. — Die „Tierra fria” (von2430 Metern ab) hat keine tropische Vegetation mehr. Sie umfasst die grossen Ge-birgsebenen Mexicos, ein quellenarmes und schattenloses Land, das sich nur in derRegenzeit mit Gräsern und Kräutern dichter bedeckt. Zur Zeit der Dürre sieht mannichts als etliche Grashalme, eine Cactusstaude, eine halbversengte Yucca oder einenkümmerlichen Wachholderstrauch.

6. Das westindische Gebiet. Es umfasst den mittel-amerikanischen Archipel mit Ausnahme der „Inseln unter demWinde” und mit Einschluss von Yucatan. In physiognomischer

• Beziehung zeigt die Pflanzendecke dieses Gebietes Aehnlich-keit mit der des nördlichen Südamerika. Tropischer Urwaldund Savannen sind die Grundzüge derselben.

■Günther GroisRL l cüer WJei

Vegetation am Green-River.

Wüste in Arizona.

In den Urwäldern herrschen Baumformen mit der Belaubung des Lorbeer undder Olive vor. Die Palmen (namentlich Fächerpalmen) sind nicht so häufig als aufdem Festlande. Kokospalmen säumen die trockenen Meeresküsten, Mangrove-waldungen füllen die Lagunen. Unter den Bambusen erreicht die „Dominica” eineHöhe von 25 Metern. — Der ansehnlichste aller westindischen Bäume ist der Baum-wollbaum, der eine Höhe von 48 Metern, bei einer bis zur Krone gleichmässigenStammesdicke von 4 Metern erreicht. —Von den Culturpflanzen sind die wichtig-sten: Mais, Zuckerrohr, Kaffee (Cuba, Jamaica), Baumwolle, Tabak und Cacao;ferner: Indigo, Sassaparille, Pimentpfeffer, Ingwer. Die kostbarsten Holzarten sind:Ceder, Mahagoni und Blauholz.

7. Das Gebiet von Guyana und Venezuela. Es umfasstdas nördliche Südamerika bis zum Aequator auf der atlan-tischen Seite und bis Guayaquil auf der pacifischen. Die Andenfallen aus. An der Küste und an den Flüssen waltet der üppigsteUrwald, im Inneren breiten sich unübersehbare Savannen,„Llanos” genannt. Die Palmen treten in einigen Riesenformenauf; dagegen fehlen- die Nadelhölzer fast ganz.

8. Das Hyläa- oder Amazonasgebiet. Das Stromgebietdes Amazonas, zwischen i° Nordbreite und 8° Südbreite undvom Atlantischen Ocean bis zum Fuss der Anden Tiefland, istunter der Gunst eines grossen Wasserreichthums fast ununter-brochen mit tropischem Urwald bedeckt. Und dieses ungeheurePflanzengewühl, dessen Individuen in einem unausgesetztenKampfe gegeneinander begriffen sind, ist verhältnissmässig todt.Mensch und Thier halten sich ferne; gewaltige Ströme auf allenSeiten, die sich in den Amazonas ergiessen, isoliren ausgedehnteLandgebiete, deren Urwaldeinsamkeit höchstens vom Schreieines Tropenvogels, vom Gebrüll der Affen oder vom Donner-gepolter stürzender Baumriesen unterbrochen wird.

Dieses unermessliche Urwaldgebiet ist das „Schlachtfeld der Pflanzen”,auf welchem eine unberechenbare Summe von Kräften in Action gebrachtwird. Eine Reihe bedeutsamer Erscheinungen und eigenthümlicher Phänomenebelehrt uns, wie hier die Natur ganz Herrin ihrer selbst ist. Die überquellendeFülle des organischen Lebens ist der reine Gegensatz des nivellirendenMenschenwerkes. Natur und Mensch, hier im Kampfe begriffen, bedeutet einRingen um die Herrschaft, die auf jener Seite verharrt, wo die grössereKraft sich bethätigt.

„Unser Wald,” sagt A. v. Humboldt („Ansichten der Natur”), „ist in-dividualisirt; in seiner grossartigen Einförmigkeit äussert er einen beruhigenden,besänftigenden Eindruck auf das bewegte schwankende Gemüth; auch stellter sich nicht der freien körperlichen Bewegung entgegen. Ganz anders derTropenwald! Er löst die Einheit in unzählige Einzelheiten auf, nach allenSeiten hin wird die Beobachtung in Anspruch genommen, das Gemüth ausseiner Ruhe, der Gedanke aus der stillen Betrachtung gerissen; die Sinnestehen unter der Einwirkung unausgesetzter Anreizungen und Erregung.”

Zu diesen Anreizungen gehört vorwiegend die Formenmannigfaltigkeit.Das strahlige Wachsthum der Palmen, das strahlige Grundsystem aller tropi-schen Gewächse, ihr Bestreben, gleichsam vom Boden hinweg dem Lichte zusich zu entfalten; de* Wuchertrieb aufstrebender, himmelhoch emporkletternderSchmarotzerpflanzen: diese ganze gährende, unerschöpfliche Lebensfülle istvon so überwältigender Mannigfaltigkeit, dass ein feines Naturgefühl dazu ge-hört, sie ganz und richtig zu erfassen.

Auch sonst besitzt eine solche Landschaft die Elemente, um mächtigauf die Einbildungskraft einzuwirken. Das Innere des Tropenwaldes birgt

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