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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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A. Nordamerika. — I. Britisch-Nordamerika.

Montreal.

couver-Insel hat Kohlen. Eisen und Kupfer sind in ansehn-lichen Mengen vorhanden. Seit zehn Jahren ist auch die Aus-beute an Gold erheblich gestiegen.

Industrie. Die mit der Landwirthschaft in Verbindungstehenden Gewerbe sind: Brennerei, Brauerei, Gerberei, Mehl-und Oelfabrikation. Die Ahornzuckerfabrikation wird sehr starkbetrieben. Im Grossen und Ganzen steckt das Fabrikswesen inder Dominion noch in den Kinderschuhen.

Gegenstände des Handels sind, und zwar solche der Ein-fuhr: Colonialwaaren, Metalle, Garne und Webstoffe; der Aus-fuhr: Getreide, Holz, Fleisch und Vieh, Obst.

Unter den Verkehrsmitteln spielt einerseits das Canalsystem, welches die cana-dischen Seen untereinander und diese mit dem Ottawa, beziehungsweise mit demSt. Lorenzstrome verbindet, eine grosse Rolle; andererseits ist der grosse Ueberland-Schienenweg, welcher unter der Bezeichnung „Canadische Pacificbahn” die ganzeDominion, von Halifax bis Neuwestminster (gegenüber der Vancouver-Insel),seit Ende 1885 durchzieht, von der allergrössten Bedeutung. Diese Bahn sichert demVerkehr nach dem Grossen Ocean eine bedeutende Zeitersparniss; denn erstens lässtsich ihr atlantischer Ausgangspunkt Halifax von Europa aus schneller erreichen alsirgend ein Hafen der Union, und dann beansprucht die Fahrt auf ihr bis nach ihrempacifischen Endpunkt weniger Zeit als diejenige auf den Pacificbahnen der Union.

Die canadische Pacificbahn im engeren Sinne zieht von Ottawa durch dasOttawathal und längs des Nipissingssees durch Obercanada nach Fort ‘Williamam Oberen See. Von hier verläuft sie nach der Stadt Wdnipeg (südlich der beidenWinipegseen) und überschreitet im Westen die Felsengebirge, um gegenüber derVancouver-Insel die Küste des Grossen Oceans zu erreichen. Die Gesammtlänge derBahn, die in einem Zeiträume von nur sechs Jahren fertiggestellt wurde, beträgt4461 Kilometer. Ihren Anschluss an den Atlantischen Ocean erhält die canadische Pacificbahnmittelst der Inter colonialbahn. Dieselbe beginnt in Halifax und geht durch Neuschottland undNeubraunschweig über Point Lewis (Quebek gegenüber) und Montreal nach Ottawa. Von derRegierung wurde der Bahngesellschaft eine Schenkung von IO Millionen Hektaren Land zu beidenSeiten der Bahn zu Theil. Der höchste von der Bahn erreichte Punkt liegt in 1670 Metern See-höhe. Hauptstationen der Binnenstrecke sind: Brockville, Winipeg, Calgary und Stephen.

Verwaltung etc. Die Verfassung der Dominion ist der britischennachgebildet. Die Executivgewalt wird durch einen von der britischenKrone ernannten Generalgouverneur und einen geheimen Rath (theQueens Privy Council), aus sechs Ministerien bestehend, ausgeübt. Diegesetzgebende Gewalt ist in den Händen eines aus zwei Kammern be-stehenden Parlaments — dem Senate und dem Haus der Gemeinen.

Die bewaffnete Macht besteht ausser einem kleinen Contingentbritischer Truppen (circa 2500 Mann) aus einer Miliz, welche auf 30.000Mann systemisirt ist. Ausserdem ist ein Corps von Freiwilligen vorhanden.— Die Flotte besteht nur aus wenigen Fluss- und Seedampfern.

Politische Eintheilung. Das Gesammtgebiet des canadischen Bundesist in nachfolgende acht Provinzen eingetheilt:

1. Ontario (früher Ober-Canada), mit der Hauptstadt Ottawa (30.000 Einwohner). Sieliegt zu beiden Seiten des Ottawa, der hier einen imposanten Wasserfall bildet. Die Stadt wurdeerst 1832 gegründet. Der Holzhandel ist von grosser Bedeutung. Das schönste Gebäude ist derneue Parlamentspalast. — Toronto (i25.000 Einwohner), ansehnliche Handelsstadt. Universität.

2. Quebek (früher Unter-Canada), mit der Hauptstadt Quebek (65.000 Einwohner), amlinken Ufer des St. Lorenzstromes, mit einem herrlichen Stromhafen. Ueberall mit steilen Felseneingefasste Ufer, hier mit Wäldern besetzt, dort von Gebäuden überragt. Die landschaftliche Um-gebung ist herrlich. Die „Oberstadt” von Quebek erhebt sich am Abhange des 107 Meter hohen„Cap Diamant”; die „Unterstadt” breitet sich auf einem dem Flusse künstlich abgewonnenenBoden aus und befinden sich hier die Docks, die Fabriksanlagen. In der Oberstadt befindet sichdie katholische Kathedrale, die Universität (seit 1854), das Zollhaus, ein Theater, eine grosse Kaserne,ein Zeughaus und manches andere stattliche Bauwerk. Durch die fortificatorischen Anlagen, welchedie Oberstadt einschliessen, und eine Citadelle auf dem Cap Diamant ist Quebek eine starkeFestung. — Montreal (173.000 Einwohner), auf der Siidldiste der gleichnamigen Insel, ist diegrösste und volkreichste Stadt in Britisch-Nordamerika, dessen Haupthandelsplatz und Mittelpunktdes canadischen Eisenbahnnetzes. Grossartige Eisenbahnbrücke über den St. Lorenzstrom. Dasschönste Gebäude ist die katholische Kathedrale, welche einen Fassungsraum für 12.000 Per-sonen hat.

3. Neuschottland, mit der Hauptstadt Halifax (40.000 Einwohner), mit vorzüglichem, niezufrierendem Hafen in der Fundybai. Regelmässig gebaute Stadt mit breiten Strassen, grossen

Magazinen und vorzüglichem Dock. Citadelle. — Die anderen Städte derProvinz sind ohne Bedeutung,

4. Neubraunschweig, mit der Hauptstadt Frederiktown (7000 Ein-wohner). Wichtiger ist St. Johns (30.000 Einwohner), an der Mündungdes gleichnamigen Flusses, ein Freihafen mit lebhafter Handelsthätigkeit.

5. Prinz Edward-Insel, an der Südseite des Lorenzgolfes mit derHauptstadt Charlottetown (12.000 Einwohner), welche Sitz eines katho-lischen Bischofs ist und einen schönen Hafen hat. Die Insel ist sehrfruchtbar.

6. Manitoba, die Provinz am Red River, zwischen dem grossenWinipegsee und den Vereinigten Staaten, mit der Hauptstadt Winipeg(30.000 Einwohner), seit Eröffnung der canadischen Pacificbahn zu er-höhter Bedeutung gelangt, mit vielen neuen Fabriksanlagen. Viele Mühlenund Sägewerke.

7. Britisch-Columbien (an der pacifischen Küste), mit Neuwest-minster (3000 Einwohner) als Hauptstadt, welche in der Juan de Fuca-strasse liegt und lebhaften Holzhandel treibt. Grosser Reichthum an Stein-kohlen. Auf der Vancouver-Insel (Hauptort Victoria) Gold. Neuwestminsterist Endpunkt der canadischen Pacificbahn. Ein Flügel geht nach PortMoody.Beide Oertlichkeiten gehen seit der Eröffnung der Ueberlandlinie rasch demAufschwünge und der Blüthe entgegen.

8. Nord west-Territorien (die früheren Hudsonsbailänder), ein un-ermessliches Wald- und Steppengebiet, grösser als das europäische Russlandund Skandinavien, aber ausserordentlich dünn bevölkert (nur etwa 60.000Einwohner) und ohne Städte. Factoreien und Forts bilden die einzigenOertlichkeiten. Dieses Gebiet war früher der Tummelplatz der „Trapper”,welche mit den Indianern sich vielfach vermischt haben. Im Jahre 1885

entstand unter den Mischlingen am Saskatschewan ein Aufstand, der nach heftigemKampfe von den Engländern unterdrückt wurde.

2. Die Insel Neufundland.

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Sie liegt nahe an der Südostspitze von Labrador und er-hebt sich über der grossen, aber sehr seichten Neufundland-bank, dem ergiebigsten Fischereigrunde im Atlantischen Ocean.Bank und Insel sind in Folge der raschen Abkühlung, welcheder hier vorbeistreichende Golfstrom unter den Einwirkungender kalten polaren Luft- und Meeresströmungen erfährt undwodurch die Verdunstung rasch und ausgiebig vor sich geht,meist in dichte Nebel gehüllt.

Hauptstadt der Insel ist St. Johns (23.000 Einwohner), mit schönem Hafen,aber schlecht gebaut, im Wesentlichen nur aus einer langen Uferstrasse bestehend.Sammelplatz einer nach vielen Tausenden von Fahrzeugen zählenden Fischerflottillewährend der Fischereisaison. Sitz eines katholischen Bisthums. — Unter dem Gou-verneur von Neufundland stehen auch die beiden Inseln Belle Isle und Anticosti.— Die Eilande St. Pierre und Miquelon sind französisch.

Die im Nordwesten des St. Lorenzgolfes und der InselNeufundland liegende mächtige Halbinsel Labrador — ein Ge-biet, das grösser als Frankreich und die Pyrenäenhalbinsel zu-

Ein Fort im Nordwestterritorium.