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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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A. Nordamerika. — III. Die Republik Mexico.

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III. Die Republik Mexico.

Ferdinand Cortez, der Sohn eines spanischen Edelmannes, war im Jahre 1519von Cuba abgesegelt, bei Yera Cruz gelandet und zur Unterwerfung des mexicanischenReiches der mächtigen Azteken geschritten. Es gelang ihm dies mit einer HandvollLeute in den Jahren 1519 bis 1521. Nachdem der kühne Eroberer seine Herrschaftin Mexico befestigt hatte, ging er daran, alle Gebiete zwischen den beiden Meerenin Besitz zu nehmen. Seit 1532 wendete er sich den nördlichen Ländern und der

californischen Küste zu. 154O gelangten die Spanier nordwärts bis zum mittlerenLauf des Colorado, dann überschritten sie den Rio Grande und scheinen in nordöst-licher Richtung 1541 bis nach Kansas vorgedrungen zu sein, wo das Fabelland „Quivira” gesuchtwurde. Die Unternehmung brachte nicht im mindesten die gehoffte Beute und schreckte von weiterenWagnissen nach dieser Richtung ab.

Das auf den Trümmern der Aztekenherrschaft gegründete Reich wurde Neuspanien genannt.Die Stürme der grossen französischen Revolution, von der Spanien hart betroffen wurde, führtenzur Losreissung des Vicekönigreichs Neuspanien von dem Mutterlande. Im Jahre 1822 erfolgte dieUnabhängigkeitserklärung des mexicanischen Staatenbundes. Zuerst gab es eine Regentschaft,alsdann ein „Kaiserreich” unter einem Abenteurer Namens Iturbide, der sich Augustin I. nannte,bis 10. März 1823; hierauf eine provisorische Regierung bis 16. October 1824, welcher eine Bundes-republikfolgte (bis I. Januar 1837); dann eine republikanische Centralregierung (bis 10. October 1841),Dictatur (bis 4. Juni 1844), aufs Neue republikanische Centralregierung (bis 4. August 1846); Wieder-herstellung der Bundesrepublik (die bis zum 6. Januar 1853 dauerte). Von da ab herrschten Zustände,während deren sich Ehrgeiz und Geldsucht mit den Waffen in der Hand um die Herrschaft stritten,bis zum 20. April 1853, an welchem Tage der siegreiche General Don Antonio Lopez de SantaAnna bis auf Weiteres die Regierung übernahm. Diese „durchlauchtigste Hoheit” — wie der Titeldes neuen Gewalthabers lautete — führte aber nur bis zum 9. August 1855 die Zügel der Regie-rung. Sie wurden nun dem Präsidenten General Carera in die Hände gelegt, doch dankte dieserbald ab, worauf Juan Alvarez bis zum 10. December 1855 den Präsidentenstuhl einnahm. Unterdem nächsten Präsidenten, General Comonfort, wurde am 5. Februar 1857 eine neue republi-kanische Verfassung festgestellt, die indess schon im darauffolgenden Jahre durch eine Militär-revolution zunichte gemacht wurde. Nun herrschte fast zwei Jahre lang Anarchie, bis am 17. Juli 1861Benito Juarez zum Präsidenten ausgerufen wurde.

Als am 17. Juli 1861 der Congress den Beschluss gefasst hatte, alle Zahlungen an das Auslandzu suspendiren, erklärte Frankreich am 16. April 1862 an Mexico den Krieg, doch rückten erstfünfviertel Jahre später (im Sommer 1863) die französischen Truppen in den Freistaat ein, unter-warfen die sich bekämpfenden Parteien und setzten eine Regierungsjunta ein, welche (auf BetreibenNapoleon’s III.) dem Erzherzoge Ferdinand Maximilian von Oesterreich die Kaiserkroneantrug, nachdem die Majorität des Volkes sich hiefür ausgesprochen. Am 3. October 1863 traf eineDeputation bei dem Erzherzoge in Miramar ein, um ihm die Wahl bekannt zu geben. Aber erst am10. April 1864 erklärte sich der Erzherzog zur Annahme der Krone bereit, am 28. Mai landete erin Vera-Cruz und am 12. Juni 1864 hielt er als Kaiser Maximilian I. mit einem österreichischenExpeditionscorps von geringer Stärke, das sich den Weg bis zur Hauptstadt des Reiches in Schar-mützeln mit Freischärlern (Guerrillas)'erkämpfen musste, in der Residenzstadt Mexico seinen Einzug.Allenthalben erhoben sich nun die Republikaner unter Führung des früheren Präsidenten Juarez,und nach vielen mit abwechselndem Glücke geführten Kämpfen errangen die Republikaner erheblicheVortheile. Als vollends im Februar 1867 die Franzosen auf Befehl Napoleon’s III. das Land ver-liessen, unterlagen die Oesterreicher der Uebermacht. Am 15. Mai 1867 wurde Kaiser Maximiliangefangen genommen und am 19. Juni in Queretaro erschossen. Juarez wusste die Herrschaft wiederan sich zu reissen, doch dauerten die Parteikämpfe fort. Im Jahre 1884 wurde General PorfirioDiaz auf vier Jahre (also bis 1888) zum Präsidenten der Republik gewählt.

Neben den Aboriginern Mexicos waren die Tolteken die ersten Ein-wanderer von Norden her, wo sie möglicherweise bereits eine höhere Cultur

als die übrigen Indianerstämme besassen. Indess ist es möglich,dass diese Culturblüthe sich erst unter den örtlichen und klima-tischen Einflüssen der neuen Heimsitze entfaltete. Die Toltekendrangen nämlich bis in die heutigen Gebiete von Guatemala undYucatan vor, von wo nach einiger Zeit eine Rückwanderung nachMexico erfolgte. Die einheimischen Stämme wurden unterdrückt und dietoltekische Cultur entwickelte sich nun unbehindert. In der Folge siechtedas neue Reich an innerer Fäulniss dahin, worauf die Autochthonen sicherheben. Es gelang den Tolteken nur mit Hilfe des herbeigerufenenverwandten Stammes der Azteken, die Empörung niederzuwerfen. DieRollen wurden aber völlig gewechselt, als es dem unverbrauchten undjugendfrischen Volke der Azteken gelang, die Herrschaft an sich zu reissenund ein förmliches Weltreich in diesen Gegenden zu begründen.

Es w r ar dies das Reick, welches die Spanier bei ihrem Erscheinen in Mexico vorfanden.Um sich über die Macht und den Glanz dieses Reiches klar zu werden, möchten einige Notizenüber die Residenzstadt des letzten Aztekenkaisers Montezuma von Interesse sein. Es war diesjenes Tenochtitlan, welches auf einer Insel im See von Tezcuco lag, eine Art amerikanischesVenedig, von zahlreichen Canälen durchschnitten, in welchen sich tausende von Kähnen tummelten.Drei grosse Strassen verbanden die Insel mit dem Lande, von wo Wasserleitungen in die Stadtführten. Diese selbst war regelmässig gebaut, hatte schöne Strassen und grossartige Tempel, dar-unter den des Kriesgottes Huitzilopochtli, welcher den Mittelpunkt der Stadt einnahm, von Mauernumschlossen war und in seinem Mittelpunkte eine 54 Meter hohe Treppenpyramide hatte, dievon zwei Tempelchen, in welchen sich die steinernen Götzenbilder befanden, gekrönt war. 5000Personen gehörten zum Dienste dieses Tempels und hatten daselbst ihre Wohnung. Als besondererSchmuck galten die vielen tausende von Köpfen geopferter Menschen. Eine spanische Chronik willwissen, dass 130.000 solcher Köpfe vorhanden waren; bei der Einweihung des grossen Tempelssollen 60.000 Gefangene hingeschlachtet worden sein.

Wie sich die Scheusslichkeiten der alten Mexicaner mit dem Begriffe der „Cultur” inEinklang bringen lassen, ist unerfindlich. Was an dieser Cultur auffällig, ist, dass wir an ihrkeinen Zug vorfinden, der nicht ein Analogon in der europäischen, ägyptischen und asiatischenCultur hätte. Die Götter sind dieselben, die Tempel gleichen den babylonisch-ägyptischen Pyra-miden, die Priester den hebräischen Nazirs, die Todtenmasken den griechischen, die Schrift denbunten ägyptischen Hieroglyphen, der König den orientalischen Herrschern, der Adel den Kriegs-kasten, die Industrie und der Ackerbau in ihrem Raffinement der Industrie und dem Ackerbau inChina. Gewiss konnte diese Cultur erst in Mexico entstehen, nachdem der Ackerbau Wohlstanderzeugt hatte; waren die Mexicaner asiatische Emigranten, so waren sie als Flüchtlinge nachAmerika gekommen. Da die Tradition der Azteken von einer Wanderung über ein „grosses Wasser”spricht, ist man geneigt, darunter den Golf von Californien zu verstehen. Dass die indianischenRassenkennzeichen der Azteken nicht verhindern, diese für asiatische Einwanderer anzusehen,beweist die rasche Anpassung, welche der europäische Arier der Jetztzeit an den Indianertypuserfährt und worüber wir anderenorts die nöthigen Bemerkungen gemacht haben.

An den Werken der aztekischen Architektur ist besonders auffällig,dass der grosse Kaiserpalast ganz nach chinesischem Vorbilde angelegtwar. Er bestand aus einer g'rossen Zahl geräumiger, aber wenig hoherHäuser, welche von Mauern eingeschlossen waren. Die Gesammtanlagehatte drei grosse Höfe, die Baulichkeiten enthielten ungeheureSäle (einer mit 3000 Personen Fassungsraum) und über 1000 Ge-

Tanzmeister des Montezuma. (Facsimile. Alter Kupferstich.)

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