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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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A. Nordamerika. — III. Die Republik Mexico.

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Stevien (welche unsere Alpenrosen vertreten) in Gemeinschaft mit alpinen Stauden und verkrüppeltenMontezumaföhren die vulcanischen Gerolle der Cordillere bis in 4270 Meter SeehÖhe (nachLiebmann). — Obwohl es sich in dieser Schilderung um eine bestimmte Oertlichkeit, den bis 5460Meter über Yera-Cruz aufragenden Yulcan Orizaba handelt, können gleichwohl die vorstehend an-gedeuteten Yegetationsgürtel als typisch für den südlich des Wendekreises liegenden Theil von Mexicoangesehen werden. Zu erwähnen ist, dass die steile Küste des Grossen Oceans fast ohne Unter-brechungen von Mangroven gesäumt ist, während das atlantische Gestadeland von einem durch-schnittlich 15 bis 20 Kilometer breiten sumpfigen oder sandigen und meist vegetationslosen Küsten-striche eingefasst ist.

Für den Ackerbau wird kaum der achte Theil des Gesammtarealsverwerthet. Die wichtigsten Producte aus dem Pflanzenreiche sind:Mais, Bohnen, Baumwolle, Pfeffer, Vanille, Sassaparille und sehr viel Obst,namentlich Südfrüchte, darunter Ananas, Granatäpfel, Bananen; weniger Be-deutung haben Kaffee, Tabak, Indigo und Maulbeerbaum. Der Ernteertragdes Mais ist viermal grösser als der des Zuckerrohrs, welch letztererdurchschnittlich im Jahre 200.000 Metercentner beträgt.

Die europäischen Hausthiere, welche durch die Spanier nach Mexicogebracht wurden, finden sich in grosser Menge vor. Obenan steht die Zuchtder Ziegen, auf welche jene der Rinder als nächstwerthvoller Wirthschafts-zweig folgt. Die Pferde sind klein, aber stark und ausdauernd. Esel undMaulthiere stehen allenthalben in Gebrauch und sind in dem gebirgigenLande von grossem Nutzen. Verwilderte Pferde, Rinder und Schafe kommenauf den Hochebenen vor. Von den einheimischen Vögeln ist der Truthahnzu erwähnen, der schon zur Zeit der Azteken in grossen Mengen gezüchtetwurde. Wichtig ist auch die Ausbeute an Cochenillen (einer scharlachrothenSchildlaus) und Perlaustern.

Die wichtigsten Producte des Mineralreiches sind: Silber, Gold,Kupfer, Eisen, Zink, Blei, Antimon, Arsenik, Schwefel, dann Edelsteine(Rubine, Topase, Opale, Granaten). Das wichtigste Montanproduct ist dasSilber, welches derzeit hauptsächlich in den Gruben zu Guanajuato, Zacatecas,Chihuahua und Mexico gewonnen wird. Es sollen aber noch mehr als 1000Gruben abbaufähig sein. Der Export — zu welchem in früheren Jahrhundertenganze „Silberflotten” ausgerüstet wurden — hat seitdem constant abgenom-men, ist aber noch immer von Bedeutung. Die reichsten Goldlager befindensich in Guerrero und Sonora. Marmor, Alabaster, Asphalt und Erdöl sindvielfach vorhanden, Steinkohlen aber sind selten.

Die Industrie befindet sich in keinem erfreulichen Zu-stande, ungeachtet der reichen Hilfsquellen, welche die Naturdes Landes bietet. Eine eigentliche Gewerbestatistik fehlt, eslassen sich daher wenig oder gar keine Zahlen anführen. Einebesondere Pflege erfährt nur die Zuckerfabrikation. AnBaumwollfabriken giebt es zwischen 60 und 70 im Lande; Haupt-ort für diesen Industriezweig ist Puebla. Grössere Wollwaaren-fabriken bestehen in Mexico, Queretaro, Zacatecas und Durango.Nennenswerth sind noch folgende Erzeugnisse: Tuch, Seife,Wachslichter, Leder und Lederwaaren, Cigarren und sehr schöneGold- und Silberwaaren.

Der Handel ist, trotz der ungünstigen Beschaffenheit derHäfen und der mangelhaften Communicationen, im Zunehmenbegriffen. Der Werth der Einfuhr betrug 1885 circa 140 Mil-lionen Mark, der Werth der Ausfuhr circa 182 Millionen Mark.

Die Handelsflotte zählte im vorgenannten Jahre nur 57 Fahr-zeuge, darunter 13 Dampfschiffe. Die wichtigsten Exportartikelsind: Edelmetalle, Erze, Perlen, Häute,

Hölzer, Kaffee, Vanille, Cochenille, Indigo,

Sämereien, Tabak.

In einem mexicanisclien Landhause.

Noch im Jahre 1863 hatte Mexico keine Eisen-bahnen; im Jahre 1887 standen 6375 Kilometer Eisen-bahnen und (1886) 20.434 Kilometer Telegraphen-leitungen im Betrieb. Die Hauptbahn, welche Vera-Cruz mit der Hauptstadt der Republik verbindet, istvom technischen Standpunkte von grossem Interesse.Sie hatte auf einer directen Entfernung zwischen ihrenbeiden Endpunkten von circa 300 Kilometer eineHöhendifferenz von fast 2800 Meter zu überwinden.Die Entwickelung der Linie war daher mit mannig-fachen Schwierigkeiten verbunden und erforderte eineReihe von grossartigen Bauten. Die Steigungen sindbeträchtlicher, als auf irgend einer europäischen Normal-bahn. Was die Eisenbahnlinien im Inneren des Landesbetrifft, scheinen sie weniger der Initiative der Regie-rung und den ökonomischen Bedürfnissen des Landes,als vielmehr dem anglo-amerikanischen Speculations-geiste entsprungen zu sein, der sich in den brach-liegenden Gegenden der amerikanischen Tropenländerneue Actionsgebiete auserwählte.

Regierung, Verwaltung etc. Der Frei-staat Mexico ist eine Bundesrepublik,die aus 27 Staaten, einem Bundesdistrictund dem Territorium Nieder-Californienbesteht. Die oberste Staatsgewalt ist(nach der Verfassung vom 5. Februar 1857,welche nach dem Falle des Kaiserreicheswieder zur Geltung gelangte) in drei voneinander unabhängige Körperschaften ge-

Mexicanische Bäuerin.

theilt: 1. den Congress, 2. die Präsidentschaft, 3. dieJustiz. Der Congress besteht aus zwei Kammern, demSenat und der Deputirtenkammer; die Executive lieget inden Händen des Präsidenten, der alle vier Jahre in-direct und in geheimer Abstimmung gewählt wird. DerPräsident des obersten Gerichtshofes ist nach der Ver-fassung zugleich Vicepräsident der Republik. Es besteht voll-ständige Trennung zwischen Staat und Kirche. Die katho-lischen Erzbischöfe haben ihren Sitz in Mexico, Morelia undGuadalajara. Es sind auch mehrere protestantische Diöcesenim Lande.

Die Armee besteht aus den regulären Truppen in derHohe von circa 20.000 Mann und aus dem irregulären Aufgebot,das aber schwerlich organisirt sein möchte, und über dessenStärke sich eine Ziffer nicht aufstellen lässt. Die Kriegsflottebesteht aus nur wenigen Schiffen (nach den letzten Ausweisenvier Fahrzeuge mit zusammen 35 Kanonen).

Die vorsteliend erwähnten 27 Staaten sind:Aguas Calientes, Campeche, Coabuila, Colima, Chiapas,Chihuahua, Durango, Guanajuato, Guerrero, Hidalgo,Jalisco, Mexico, Michoacan, Morelos, Nuevo Leon,Oaxaca, Puebla, Queretaro, San Luis Potosi, Sinaloa,Sonora, Tabasco, Tamaulipas, Tlaxcala, Vera-Cruz,Yucatan und Zacatecas. — Bundesdistrict: Federal.Territorium: Nieder-Californien.

Haupt- und Bundesstadt der Re-publik (zugleich Hauptstadt des DistrictesFederal) ist

Mexico (300.000 Einwohner), auf derStelle des aztekischen Tenochtitlan, ineiner Lage, zwischen Seen und üppigenGärten mit dem grossartigen Hintergrundder schneehäuptigen Riesenvulcane desHochlandes, wie sie keiner zweiten Stadtder Erde zukommt. Die Stadt liegt in2277 Meter Seehöhe unweit des West-ufers des Tezcucosees, bildet fast einregelmässiges Viereck und hat im Innerenstellenweise ein prächtiges, monumentalesAussehen. Zahlreiche Kirchenkuppeln undThürme überragen sie. Die Haupt-strassen gehen von den vier Welt-gegenden aus und endigen auf demgrossen Platz (Plaza mayor). DieHäuser haben durchwegs glatte, mitEisengittern eingeschlossene Dächer, vondenen aus man eine entzückende Fern-

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