Karte 
Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
Entstehung
Seite
328
JPEG-Download
 

328

A. Nordamerika.

III. Die Republik Mexico.

Ein Bahnhof in Mexico.

'MilUBlulllKi'Kll

Mi

ife v

Kathedrale gilt für eine der am reichsten ausg*estatteten katho-lischen Gotteshäuser auf der Erde. Im Jahre 1864 vertheidigtesich Puebla heldenmüthig gegen die französischen Truppen,was ihm den Ehrennamen eines „mexicanischen Zaragoza”(officiell: Puebla de Zaragoza) ein trug.

Im Staate Tlaxcala:

Tlaxcala (11.000 Einwohner), vor Zeiten die mächtigste Stadtvon Anahuac, von Cortez mit Granada verglichen, heute un-ansehnlich. Die Tlaskalthekas waren Verbündete der vSpanierund trugen so zu ihrem eigenen Untergange bei.

Tepeaca (7000 Einwohner), ehemals Hauptstadt eines von Mexico unabhän-gigen Staates, der wie Tlaxcala mächtig zu seinem Sturze beitrug. In der Nähe einfrüher lebhafter ausgebeuteter Alabasterbruch.

Im Staate Morelos:

Cuernavaca (12.000 Einwohner), in 1660 Meter Seehöhe,merkwürdig wegen des alten, unter dem Namen „Kriegsver-schanzung von Xochicalco” bekannten Denkmals, eines 117 Meterhohen Hügels mit fünf gemauerten Terrassen und Gräben, dasMauerwerk mit Sculpturen, wasserspeienden Alligatoren undDarstellungen von sitzenden Menschen, welche nach asiatischerArt die Beine untergeschlagen haben. Das Ganze hat die Formeiner abgestumpften Pyramide, deren obere Fläche circa 3000Quadratmeter umfasst und Reste eines Gebäudes aufweist.

Im Staate Guerrero:

sicht geniesst. Der Anstrich der Häuser besteht entweder auseiner weissen oder rothen, oder hellgrünen Tünche, was derStadt ein heiteres buntes Aussehen giebt. Sogenannte Pracht-bauten zeigen sich im Schmucke von Porzellangetäfel, mit demdie Fajaden bekleidet sind.

Auf der Plaza mayor erhebt sich die Kathedrale, welchedas schönste katholische Gotteshaus in Amerika ist. Sie istdoppelthürmig, fünfschiffig und wird von einer gewaltigen Kuppelgekrönt. Der Hauptschmuck besteht aber nicht in Werken derKunst — für welche Mexico kein Boden und keine Pflanzstätteist — sondern in ungeheuerlicher Ueberladung mit Gold undSilber. — Der Kathedrale gegenüber befindet sich der Regie-rungspalast, ein monumentales Gebäude mit arcadengesäumtemviereckigen Hofe. Hier residirt der Präsident der Republik undamtiren verschiedene öffentliche Verwaltungsbehörden. ZumRegierungspalast gehört auch der botanische Garten, einerder reichhaltigsten und schönsten dieser Art, voll herrlichblühender Gewächse.

Mexico besitzt mehrere höhere Unterrichtsanstalten, überderen Werth wenig Gutes verlautet. An der Spitze steht dieUniversität; es folgen die Bergwerksschule und die Akademieder schönen Künste, die Collegien S. Ildefonso und S. Gregor.

Unter den wissenschaftlichen Instituten ist das Museum mexicanischerAlterthümer von grossem Interesse. Eine geographische Gesellschaft undein volkswirtschaftlicher Verein sind in bescheidenem Maasse thätig. —Die gewerbliche Thätigkeit beschränkt sich auf die Verfertigung vonGold- und Silberwaaren, Sattler- und Holzarbeiten. Zwei schiffbare Canäleverbinden Mexico mit den Seen vonTezcuco und Chalco; der letztereist namentlich für die Versorgung der Stadt mit Gemüse, Früchten undBlumen von Wichtigkeit.

In der näheren und weiteren Umgebung von Mexico sind mehrere interessante Oertlichkeitenhervorzuheben: Chapultepec, ein isolirter Porphyrfelsen, auf welchem einer der vielen PalästeMontezuma’s stand und an dessen Stelle später das prachtvolle Schloss des Vicekönigs Galveztrat. Das heutige Schloss zeigt nichts mehr von dem Glanze vergangener Tage. — Tacubaja, eingrosses Villendorf (über 8000 Einwohner) mit dem Palast des Erzbischofs. — Tacuba (4000 Ein-wohner), Sommerfrischenort der vornehmen Mexicaner. — Villa de Guadelupe Hidalgo, be-rühmter Wallfahrtsort mit den drei Kirchen der Madonna von Guadelupe. — Otumba, im Nordenvon Mexico, eine vormals grosse, jetzt sehr heruntergekommene Stadt mit Denkmälern aus azte-kischer Zeit: zwei sehr alten mit Bildhauerarbeit geschmückten Säulen, einer prächtigen Wasser-leitung und den merkwürdigen Pyramiden von San Juan de Teotihuacan. Sie trugen wahrscheinlichTempel, von denen der eine der Sonne, der andere dem Monde geweiht war. — Tezcuco (16.000Einwohner), im Osten von Mexico, einst das „Athen Amerikas”, der Sitz aztekischer Gelehrsam-keit. Hier residirte unter anderen Aztekenherrschern der König Nezuhualcojotl, der „Solon derAzteken”, ein Mann von grossem Wissen und Schöpfer zahlreicher Gesetze (f 1470). Viele Ruinen,darunter die des alten Palastes der Kaziken, der Tributärkönige von Tezcuco, und das Stadthaus,in welchem die Truppen des Cortez untergebracht waren. — Xochimilco (13.OOO Einwohner), imSüden von Mexico, gewerbfleissiger Ort, mit grossartigem Anblicke der Vulcankegel Popocatepetlund Iztaccihuatl. — Lerma (il.ooo Einwohner), hübsch gebaute Stadt, südwestlich von Mexico,und Toluca (12.000 Einwohner), die Hauptstadt des Staates Mexico, Seifen- und Kerzenfabriken.

Im Staate Puebla:

Puebla (75.000 Einwohner), eine grosse und schöne Stadt, in 2184Meter Seehöhe gelegen, mit herrlichem Klima und aussergewöhnlichfruchtbarer Umgebung. Puebla hat breite und gerade Strassen, schöneKirchen und ansehnliche Fabriken, welch letztere Wollenstoffe, Gold- undSilberwaaren, Glas, Seife, Thonwaaren und Säbelklingen erzeugen. Pueblaist die älteste von Europäern auf dem amerikanischen Festlande gegründeteStadt (1531). Man möchte sie das „Rom Mexicos” nennen, denn seineMauern schliessen über zwei Dutzend Klöster ein. Von den 60 bis 70Kirchen zeichnen sich zwölf durch Grösse und Reichthum aus. Die

Acapulco (15.000 Einwohner), ein sehr heisser Ort an dersüdlichen Beuge der Küste von Mexico, mit dem schönsten Hafendes Landes, Station einer englischen Dampferlinie, welche hierein Kohlendepöt errichtet hat. — Der Sommeraufenthalt derreicheren Leute von Acapulco ist das auf der Küstenhöhe ge-legene Tijtla de Guerrero (7000 Einwohner).

Im Staate Queretaro:

Queretaro (30.000 Einwohner), in entzückender Lage undeine der schönsten vStädte Mexicos, ausgezeichnet durch Ge-werbfleiss und Wohlstand. Die Wasserleitung ist ein der Römerwürdiger Bau. Das Nonnenkloster Santa Clara ist vielleicht dasgrösste, welches existirt. In Queretaro wurde am 19. Juni 1867der unglückliche Kaiser Maximilian I. erschossen.

Im Staate Guanajuato:

Guanajuato (52.000 Einwohner), die erste Bergwerksstadtdes Reiches, mit einer Bergakademie und einer Münze. Zu derStadt gehören mehrere ‘bevölkerte Vorstädte, welche in Folgedes Betriebes der Silberbergwerke entstanden sind.

Leon de los Aldamos, zur Zeit des Kaiserreiches und der ihm voran-gegangenen französischen Occupation Hauptsitz der Insurrection. — Celaya (30.000Einwohner), in 1830 Meter Seehöhe, mit prächtiger Carmeliterkirche.— San Miguelde Allende (41.000 Einwohner), wichtig wegen seiner Manufacturen. — Salamanca

Reitweg im mexicanischen Hochland.